Standards für Glaubwürdigkeit mitentwickeln | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
Journalism Trust Initiative 19.09.2019

Standards für Glaubwürdigkeit mitentwickeln

Algorithmen
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Reporter ohne Grenzen lädt Interessierte ein, sich an der Entwicklung internationaler Standards für glaubwürdigen Journalismus zu beteiligen. Dazu stellt ROG ab sofort ein Online-Tool zur Verfügung, das eine einfache Kommentierung eines von mehr als 120 internationalen Expertinnen und Experten entwickelten Entwurfs für solche Standards erlaubt. Unter jti-rsf.org können Interessierte bis zum 18. Oktober die geplanten Merkmale für glaubwürdigen Journalismus kommentieren. Medien können über einen Online-Fragebogen bereits testen, inwieweit sie die Standards erfüllen.

Das Verfahren ist Teil der von Reporter ohne Grenzen angestoßenen Journalism Trust Initiative (JTI) und zielt darauf, einen breiten Konsens über Merkmale für glaubwürdigen Journalismus zu erzielen. Sie sollen als Entscheidungshilfe für Mediennutzerinnen und -nutzer, Nachrichtenplattformen, Algorithmen und Werbetreibende dienen und dazu beitragen, tatsächlichen journalistischen Produkten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Propaganda, Desinformation und Meinungsmache zu verschaffen.

Antwort auf Desinformation und Stimmungsmache

Die JTI ist eine Antwort auf die anhaltende Debatte über den Umgang mit falschen oder tendenziösen Informationen im Internet. Anders als die meisten anderen Vorschläge verzichtet die Initiative darauf, einzelne veröffentlichte Beiträge auf Faktentreue und die Einhaltung journalistischer Standards zu untersuchen. Stattdessen legt die JTI den Fokus auf den Entstehungsprozess von Journalismus: Medien können den JTI-Standard nur insgesamt erfüllen oder aber nicht erfüllen. Zu den Kriterien gehören unter anderem Transparenz über Eigentumsverhältnisse und Einnahmequellen von Medien sowie Mindestanforderungen an journalistische Ethik und redaktionelle Standards.

Öffentlicher Konsultationsprozess

Anfang Juli hatte ROG zusammen mit den Partnern Agence France-Presse, European Broadcasting Union und Global Editors Network den öffentlichen Konsultationsprozess der JTI gestartet. Das jetzt freigeschaltete Online-Tool soll die Beteiligung vereinfachen, um den Prozess auf eine möglichst breite Basis zu stellen.

Seit Mai 2018 haben im Rahmen der JTI mehr als 120 Vertreterinnen und Vertreter von Medien, Verbraucherorganisationen, Technologieunternehmen, Regulierungsbehörden und Nichtregierungsorganisationen gemeinsam Kriterien eines professionellen Standards für glaubwürdigen Journalismus entwickelt. Anfang Juni verabschiedeten sie in Genf auf dieser Grundlage ein Papier, in dem mögliche Indikatoren definiert werden. Dieses Dokument steht derzeit unter der Aufsicht des Europäischen Komitees für Normung (CEN) zur öffentlichen Konsultation zur Verfügung. Alle eingereichten Kommentare werden bei den abschließenden Beratungen über den Entwurf ausgewertet und fließen auf diese Weise in die Endfassung ein.

Nach seiner Veröffentlichung Anfang 2020 soll der JTI-Standard Medien in erster Linie als Mittel zur Selbstevaluation zur Verfügung stehen, aber optional auch zur zusätzlichen externen Überprüfung. Die daraus entstehenden Datensätze sollen Mediennutzerinnen und Mediennutzer, Werbetreibende und Algorithmen gleichermaßen bei der Auswahl von Medien unterstützen und auf diese Weise glaubwürdigen Journalismus belohnen.

International beteiligen sich an der Entwicklung des JTI-Standards unter anderem Associated Press, die BBC, das World Wide Web Consortium (W3C), die Mediengruppen RTL (Luxemburg) und Tamedia (Schweiz), Google, Facebook, die City University of New York, Civil (USA), die Thomson Foundation, Independent Monitor of the Press, Internews (Großbritannien), Gazeta Wyborcza (Polen), der Schweizer Presserat, die Journalistenvereinigungen von Taiwan und Südkorea, die European Association for the Coordination of Consumer Representation in Standardisation ANEC und die UN-Kulturorganisation UNESCO. Zu den Beteiligten aus Deutschland gehören die Deutsche Presse-Agentur dpa, der Tagesspiegel und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.



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