Russland 13.12.2010

Urteil gegen Beketow aufgehoben

Reporter ohne Grenzen (ROG) begrüßt die Aufhebung des Urteils wegen Verleumdung gegen den Journalisten Michail Beketow am 10. Dezember. Ein Gericht in Chimki hat den Schuldspruch vom 9. November annulliert.

 

Der für investigative Recherchen bekannte Chefredakteur der in dem Vorort von Moskau ansässigen Zeitung Chimkinskaja Prawda wurde im November 2008 brutal von Unbekannten überfallen. Trotz seines äußerst bedenklichen Gesundheitszustandes wurde der Journalist vor wenigen Wochen wegen „übler Nachrede“ gegenüber dem Bürgermeister von Chimki zu einer Geldstrafe von 5.000 Rubel (116 Euro) verurteilt.


„Die Aufhebung des Urteils rehabilitiert den Journalisten. Beketow wurde zu Unrecht verfolgt“, sagt ROG. Der Chefredakteur sei selber Opfer von Unrecht geworden, als er im November 2008 überfallen wurde. Bis heute sei die Tat nicht aufgeklärt und die Ermittlungen eingestellt worden, ohne die Verantwortlichen zu identifizieren.  


Der Bürgermeister von Chimki, Wladimir Streltschenko, hatte Beketow im August 2007 wegen Verleumdung verklagt. Zuvor hatte der Journalist öffentlich lokale Beamte in Verbindung mit einem Brandanschlag auf sein Auto im Mai 2007 gebracht und den Bürgermeister des „politischen Terrors“ beschuldigt.  


Beketow hatte in seinen Artikeln häufig über Korruption der lokalen Behörden berichtet. Zudem gehörte er zu den Kritikern eines Straßenprojekts, bei dem für den Bau einer Autobahn zwischen Moskau und St. Petersburg ein Teil der Bäume im Chimki-Wald gefällt werden sollen.


Infolge des Überfalls auf ihn im November 2008 lag Beketow mehrere Wochen im Koma, ihm wurden mehrere Finger und ein Bein amputiert.

 

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