USA 30.06.2005

US-Journalisten drohen 18 Monate Haft

Die beiden US-Journalisten Judith Miller (“New York Times”) und Matthew Cooper (“Time Magazin”) haben noch bis zum 6. Juli Zeit, ihre Quellen im brisanten Geheimdienstfall Valerie Plame offen zu legen. Sollten sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, drohen ihnen 18 Monate Haft wegen „Missachtung des Gerichtes“. Diese Frist setzte am 30. Juni ein US-Bundesrichter. Bisher haben Miller und Cooper unter Berufung auf den journalistischen Informantenschutz die Preisgabe ihrer Quellen abgelehnt.

Reporter ohne Grenzen sieht durch die richterliche Entscheidung den investigativen Journalismus in dem Land gefährdet. Sie untergrabe die „Rolle der Medien als gesellschaftliche Gegenmacht" und das „Informationsrecht der Amerikaner". Niemand werde mehr heikle Informationen weitergeben, wenn der Informantenschutz nicht gewährleistet sei.

Valerie Plame wurde im Jahr 2003 in einer Zeitungskolumne als CIA-Agentin enttarnt. Die amerikanische Justiz untersucht derzeit, ob Regierungsbeamte ihre Identität preisgaben, um sich auf diese Weise an ihrem regierungskritischen Mann, Ex-Botschafter Joseph Wilson, zu rächen. Miller und Cooper recherchierten den Fall für ihre Publikationen. Cooper veröffentlichte einen Beitrag auf der Website der „Time“. Miller schrieb keinen Artikel.

Die US-Bundesrichter hatten Mitte Februar in zweiter Instanz entschieden, dass in laufenden Kriminalfällen kein Recht auf Informantenschutz bestehe. Ende Juni scheiterten die beiden Journalisten mit ihrem Antrag auf Berufung. Die Enttarnung von Agenten ist in den USA strafbar.



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