Nepal 14.01.2009

Verhaftungen nach Mord an nepalesischer Journalistin

Vier Personen sind Medienberichten zufolge nach dem Mord an der nepalesischen Journalistin Uma Singh verhaftet worden. Die Frauenrechtlerin wurde am 11. Januar in ihrer Wohnung in der Stadt Janankpur im südöstlichen Tiefland Nepals von einer Gruppe von Männern überfallen und totgeschlagen.

 

Inzwischen ist bekannt geworden, dass am Tag des Mordes an Singh eine andere Journalistin in der südlichen Region Terai Todesdrohungen erhielt. Nach Informationen der Nachrichtengruppe Kantipur wurde deren Korrespondentin Manika Jha im Distrikt Dhanusa von drei bis vier Personen mit dem Tod bedroht. Die Gruppe habe die Fenster von Jhas Wohnung eingeschlagen und gerufen, dass die Journalistin die nächste sei, die überfallen werden würde. Laut der Webseite eKantipur steht die Journalistin jetzt unter Polizeischutz.

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Pressemitteilung vom 13.1.2009

 

Nepalesische Journalistin und Frauenrechtlerin ermordet


Reporter ohne Grenzen (ROG) ist schockiert über den brutalen Mord an der nepalesischen Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Uma Singh am 11. Januar 2009. Die Korrespondentin der Tageszeitung Janakpur Today Daily und von Radio Today FM wurde in ihrer Wohnung in der Stadt Janakpur, ungefähr 240 Kilometer im Südosten der Hauptstadt Kathmandu, überfallen: Etwa 15 Männer schlugen die 26-Jährige wiederholt mit stumpfen Gegenständen, später erlag die Frauenrechtlerin ihren Verletzungen.

ROG ist besorgt über die Zunahme von Gewalt und Repressionen gegen Journalisten in Nepal in den vergangenen Monaten und fordert eine genaue Untersuchung der Umstände und Motive, die zur Ermordung von Uma Singh geführt haben: „Die nepalesischen Behörden müssen alles dafür tun, die Täter zu fassen, sie strafrechtlich zu verfolgen und Journalisten in Nepal besser zu schützen. Pressefreiheit ist in der nepalesischen Verfassung festgeschrieben. Sie ist ein Schlüssel zur Sicherung demokratischer Strukturen in der wenige Monate alten nepalesischen Republik“, so ROG.

Bisher hat sich die nepalesische Polizei noch nicht zu möglichen Motiven des Verbrechens  geäußert. Einige von Uma Singhs Artikeln über Frauenrechte haben Aufsehen und Kritik erregt. Die Journalistin kritisierte unter anderem die in ihrem Land weit verbreitete Tradition der Mitgift: Der Brauch verpflichtet die Familie der Braut, vor der Hochzeit eine bedeutende Geldsumme und Landstücke an den künftigen Ehemann zu übergeben.

Die Ermordung von Uma Singh ist ein weiterer Fall von Gewalt gegen nepalesische Journalisten und Journalistinnen. Im vergangenen Jahr wurden in dem südasiatischen Land mindestens zwei Journalisten getötet, einer entführt, zahlreiche Medienmitarbeiter festgenommen, attackiert oder bedroht. Unterstützer der regierenden „Kommunistischen Partei Nepals-Maoisten“ (CPN-M) und „Kommunistischen Partei der Vereinigten Leninisten-Marxisten“ (CPN-UML) überfielen mehrere Medien und durchsuchten deren Redaktionsräume. Auf der aktuellen „ROG-Rangliste der Pressefreiheit 2008“ steht Nepal auf Rang 138 von 173.

Für den 15. Januar haben nepalesische Journalisten eine Demonstration angekündigt: Sie fordern von ihrer Regierung einen besseren Schutz für Medienmitarbeiter/innen.

Weitere Informationen:
Anja Viohl
Tel.: 030 615 85 85
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