18.11.2005

Weltinformationsgipfel in Tunis

Robert Ménard
Robert Ménard

ROG-Generalsekretär Robert Ménard an Einreise gehindert/ROG nimmt an alternativem Bürger-Gipfel teil und veröffentlicht eine Liste mit 15 Feinden des Internets/Bericht über die Situation der Medien in Tunesien.

Der Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, Robert Ménard, durfte gestern nicht nach Tunesien einreisen. Beamte in Zivil haben ihn daran gehindert, das Flugzeug zu verlassen und Ménard musste nach Paris zurückkehren. Obwohl er für den bis heute dauernden Weltinformationsgipfel akkreditiert ist, wurde ihm die Einreise nach Tunesien wegen angeblich fehlender Akkreditierung verweigert.

Die Aktion gegen Ménard, die tätlichen Angriffe auf französische und belgische Journalisten sowie die ständige Überwachung eines französischen Fernsehteams in den vergangenen Tagen zeigen, was in Tunesien auch für einheimische Journalisten Alltag ist: Eine freie und kritische Berichterstattung wird mit allem Mitteln unterdrückt. ROG kritisiert dieses Vorgehen auf das Schärfste.

Eine Delegation von Reporter ohne Grenzen, die bereits am Dienstag ungehindert einreisen konnte, nimmt an einem „Bürger-Gipfel“ teil, den 20 Nichtregierungs-Organisationen initiiert haben. Dieser alternative Gipfel findet in den Räumen der lokalen Liga für Menschenrechte statt. „Da die Behörden es verhindern, einen Gegengipfel in gebührender Form abzuhalten, hatten wir keine andere Möglichkeit als ein Treffen bei der Liga für Menschenrechte zu improvisieren. Dies hat uns trotz allem ermöglicht, die wiederholten Einschränkungen der Meinungsfreiheit in Tunis und Zensur im Internet öffentlich zu machen“, erklärt Reporter ohne Grenzen.

Auf diesem Gipfel hat ROG eine Liste der „15 größten Feinde des Internets“ veröffentlicht.
Die Menschenrechtsorganisation kritisiert die Zensur in China, Kuba, Iran, Weißrussland, Tunesien und zehn weiteren Ländern mit autoritären Regimen. „Diese Länder sind die repressivsten Staaten der Welt, was den freien Meinungsaustausch im Internet angeht. In diesen Ländern werden unabhängige Internetseiten zensiert, Blogger und regierungskritische Cyberdissidenten belästigt oder sogar inhaftiert. Oft ist der Zugang zu Information im Internet auch nur einer kleinen Elite vorbehalten“, erklärt Reporter ohne Grenzen.
„Wir stellen außerdem ein weiteres Dutzend Länder vor, die Maßnahmen zur Überwachung des Internets verabschiedet haben. Die Situationen sind zwar nicht vergleichbar, aber in den USA oder der EU beunruhigen Tendenzen, den freien Meinungsaustausch im Internet zu kontrollieren", fügt die Organisation hinzu.


Die Liste der 15 Feinde des Internets (Englisch).

Einzelheiten zum Einreiseverbot von Robert Ménard (Englisch).

Zur Situation der Medien in Tunesien (Deutsch).








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