23.09.2004

Welttourismustag: Traumziele für Touristen, Folter für Journalisten

Kuba, die Malediven, Tunesien und Vietnam sind beliebte Urlaubsziele - Journalisten, Korrespondenten und Medienmitarbeiter werden in diesen Ländern bedroht, verfolgt und attackiert.

Berlin/Paris 23. September 2004. Blütenweiße Sandstrände, türkisblaues Meer, malerische Tempel - hinter diesen Postkartenmotiven verbirgt sich oft ein erschreckendes Bild. In Kuba, den Malediven, Seychellen, Tunesien oder Vietnam wird jegliche freie Meinungsäußerung unterdrückt; unabhängige Medien gibt es nicht. Kritische Journalisten gelten als Feinde; die Behörden sind ständig bemüht, sie zum Schweigen zu bringen.
Anlässlich des Welttourismustages am kommenden Montag ruft Reporter ohne Grenzen daher Urlauber auf, sich vor ihrer Reise gut zu informieren. Touristen sollten bedenken, dass viele der „Traumziele“ grundlegende Menschenrechte nicht respektieren.

KUBA ist - neben China - das größte Gefängnis für Journalisten weltweit. 26 Reporter sind derzeit auf der Insel, wo Staatschef Fidel Castro das Monopol auf die Nachrichten hat, in Haft. Nach absurden und unfairen Verhandlungen verbüßen die meisten von ihnen Strafen zwischen 14 und 27 Jahren. Ihr Vergehen: kritische Artikel über Castros Regime in der ausländischen Presse oder Treffen mit US-Diplomaten. Ihre Familien sprechen mittlerweile von einer „zweiten Strafe": Die Journalisten sind in Gefängnisse mehrere hundert Kilometer von ihren Heimatorten entfernt verlegt worden.

Auch der Präsident der MALEDIVEN Maumoon Abdul Gayoom – das Staatsoberhaupt, das in Asien am längsten an der Macht ist – duldet nicht die geringste Kritik. Er kontrolliert direkt oder indirekt alle führenden Medien der Insel. Als die Bevölkerung diesen Sommer für Meinungsfreiheit und Demokratie auf die Straße ging, verhängten die Behörden eine Ausgangssperre und blockierten alle Zugänge zum einzigen Internet-Provider des Landes. Vier Internet-Aktivisten wurden verhaftet; mindestens Einer von ihnen wurde gefoltert, sein Gesundheitszustand ist sehr schlecht.
Bereits seit Juli 2002 sitzen zwei Betreiber eines elektronischen Newsletters hinter Gittern – für den Rest ihres Lebens.

Zwar hat TUNESIEN die Radio- und Fernsehsendungen in den vergangenen Jahren etwas liberalisiert, doch noch immer ist eine freie Meinungsäußerung in dem nordafrikanischen Land nicht garantiert. Der Journalist Hamadi Jebali ist seit 1991 in Haft. Und diejenigen, die kritisch über Präsident Ben Ali berichten, werden ständig schikaniert und an ihrer Arbeit gehindert.

Die touristische Infrastruktur VIETNAMS hat sich in den letzten Jahren stark verbessert; die Situation der Pressefreiheit hingegen verschlechtert ständig. Da der Staat die gesamte Presse kontrolliert, ist das Internet wichtige Informationsquelle. Doch die Regierung geht mittlerweile auch gegen Internet-Aktivisten vor, einige von ihnen wurden festgenommen.
Bereits seit 1993 ist der heute 71-jährige Journalist Nguyen Dinh Huy im Gefängnis; er engagierte sich für Pressefreiheit in Vietnam – und erhielt 15 Jahre Haft. Neben ihm sind in dem Land vier weitere Journalisten hinter Gittern.

Die SEYCHELLEN sind zwar für Urlauber, nicht aber für unabhängige Journalisten ein Paradies: Die einzige oppositionelle Zeitung Regar wird von der Regierung in die Enge getrieben: Sie hat eine Reihe von Prozessen mit immens hohen Bußgeldern gegen das Blatt angestrengt; käme es auch nur zu einem einzigen Urteil, müsste die Zeitung sofort schließen.

Auch in MALAYSIA, offizieller Gastgeber des diesjährigen Welttourismustages, sind oppositionelle Medien stark unter Druck. Die Mediengesetze sind sehr restriktiv; in den vergangenen Jahren wurden mehrere Journalisten wegen angeblich diffamierender äußerungen verurteilt. Freies Sprachrohr ist auch hier nur das Internet. Offiziell wird es nicht zensiert, dennoch ist die einzige unabhängige Online-Tageszeitung malaysiakini häufigen Schikanen seitens der Regierung ausgesetzt.

- Derzeit sind 128 Journalisten in 20 Ländern hinter Gittern. Die größten Gefängnisse sind Kuba (26 Journalisten inhaftiert), China (26), Eritrea (14), Iran (13) und Birma (11).
- Seit dem 1. Januar 2004 sind 38 Journalisten und 14 Medienmitarbeiter getötet worden; 26 von ihnen im Irak

Weitere Informationen:
Reporter ohne Grenzen - Katrin Evers - Presse- und öffentlichkeitsarbeit -
presse@reporter-ohne-grenzen.de - www.reporter-ohne-grenzen.de -
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