02.01.2007

Weltweit 81 getötete Journalisten in 2006

Im vergangenen Jahr sind weltweit 81 Journalistinnen und Journalisten während oder wegen ihres Berufes ums Leben gekommen, so die Bilanz von Reporter ohne Grenzen. Das ist der höchste Stand seit zwölf Jahren (1994); damals wurden 103 Reporter getötet. Mindestens 871 Journalisten wurden 2006 festgenommen, 56 entführt. Die Zahl der Angriffe und Bedrohungen war mit 1.400 so hoch wie nie zuvor. Die Zensur von Medien hingegen ist leicht zurückgegangen: 912 Fälle wurden in 2006 registriert (2005: 1.006). Das Internet wurde in zahlreichen Ländern weiterhin stark überwacht.

Das gefährlichste Land für Medienleute ist im vierten Jahr in Folge der Irak. Dort kamen 39 Journalisten und 25 Medienmitarbeiter gewaltsam ums Leben. „Seit Kriegsbeginn vor knapp vier Jahren sind im Irak mehr als doppelt so viele tote Journalisten zu beklagen, wie während des gesamten Vietnamkrieges“, so die Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit. „Knapp 90 Prozent der Getöteten waren Iraker. Nur sehr selten wurde ermittelt.“

Gefährlich war es auch in Mexiko. Dort wurden neun Journalisten ermordet. Sie hatten über Drogengeschäfte oder soziale Unruhen berichtet. Auf den Philippinen kamen sechs Journalisten wegen ihrer Arbeit ums Leben, in Russland drei. Unter ihnen war Anna Politkowskaja, die im Oktober im Moskau erschossen wurde. Sie war wegen ihrer Berichte über Tschetschenien und ihrer Kreml-kritischen Haltung international bekannt. Seit Putins Amtsantritt 2000 sind damit 21 Journalistinnen und Journalisten in Russland ermordet worden.

Erstmalig hat ROG die Zahl der Entführungen dokumentiert. In einem Dutzend Länder wurden mindestens 56 Journalisten entführt, 17 von ihnen im Irak und sechs im Gaza-Streifen. Während alle in den Palästinensergebieten gekidnappten frei kamen, sind im Irak sechs der Entführten getötet worden.

Rund 870 Medienleute waren 2006 weltweit im Gefängnis; einige nur für wenige Stunden, andere erhielten langjährige Haftstrafen. 

Die gestiegene Zahl der Angriffe und Drohungen (über 1.400) führt Reporter ohne Grenzen auf zahlreiche Wahlkämpfe im vergangenen Jahr – etwa in Peru, Brasilien, Kongo und Weißrussland – zurück. 

Zensur von Medien (912 Fälle im Vergleich zu 1.006 in 2005) ist vor allem Dank des Waffenstillstandes in Nepal zurück gegangen. Die meisten Einschränkungen gab es nach dem Militärputsch in Thailand. Dort wurden über 300 lokale Radiosender sowie einige Internetseiten vorübergehend geschlossen. In Ländern wie China, Myanmar oder Nordkorea herrscht ständige Zensur; exakte Zahlen über Hunderte betroffene Medien sind nicht verfügbar.

Das Internet wurde auch in 2006 in zahlreichen Ländern stark kontrolliert, vor allem in den 13 Ländern, die ROG im vergangenen Jahr als die größten Feinde des Internets benannt hat (Ägypten, China, Iran, Kuba, Myanmar, Nordkorea, Saudi-Arabien, Syrien Tunesien, Turkmenistan, Usbekistan Vietnam, Weißrussland). 

Den vollständigen Bericht lesen Sie hier:

Weitere Informationen:
Katrin Evers
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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