Brasilien 22.10.2010

Zwei Journalisten innerhalb einer Woche ermordet

Francisco Gomes de Medeiros

Reporter ohne Grenzen (ROG) ist besorgt angesichts jüngster Nachrichten von der Ermordung zweier Journalisten in Brasilien. Am 18. Oktober wurde der Radioreporter und Blogger Francisco Gomes de Medeiros in der Stadt Caicó, im nordöstlichen brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Norte erschossen. Am 16. Oktober wurde zudem Wanderlei dos Reis, Leiter einer Lokalzeitung, in der Stadt Ibitinga im südöstlichen Bundesstaat São Paulo erschossen. In beiden Fällen sind die Täter offenbar kriminellen Gruppen zuzurechnen.

 

„Die beiden Morde sind ein alarmierendes Signal, nachdem die Gewalt gegen Medienmitarbeiter in dem südamerikanischen Land in den vergangenen Monaten abgenommen hatte“, so ROG. „Wir appellieren an die brasilianischen Behörden, den Tathergang und die Motive genau zu untersuchen. Die Täter dürfen nicht straffrei ausgehen“.

 

In der neuen Rangliste der Pressefreiheit 2010 steht Brasilien auf Rang 58 von insgesamt 178. Im Ranking 2009 lag das südamerikanische Land noch auf Platz 71. Der Rückgang von tätlichen Übergriffen gegen Medienmitarbeiter war neben der abnehmenden Zahl von juristischen Verfahren gegen Journalisten die wichtigste Ursache für diese Verbesserung.

 

Zwei unbekannte Männer auf einem Motorrad hatten mindestens fünf Schüsse auf Francisco Gomes de Medeiros gefeuert, als der Journalist am Montagabend sein Haus verließ. Der Reporter und Moderator von Radio Caicó starb kurze Zeit später in einem örtlichen Krankenhaus.

 

Einer der mutmaßlichen Schützen wurde am 19. Oktober von der Polizei festgenommen. Der Mann namens João Francisco “O Dão” Santos hat nach Angaben der Ermittler gestanden, auf Gomes geschossen zu haben. Die Tat sei Santos zufolge ein Racheakt für einen Bericht des Journalisten über Santos Beteiligung an einem Raubüberfall gewesen: Der Bericht habe dazu beigetragen, dass Santos Gefängnisstrafe im Jahr 2007 verlängert wurde. Trotz des Geständnisses setzen die Behörden ihre Ermittlungen fort. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Santos auch im Auftrag einer kriminellen Gruppe gehandelt haben könnte.

 

Gomes hat in der Vergangenheit regelmäßig über brisante Themen wie staatliche Korruption, Drogenhandel und kriminelle Strukturen berichtet. In seinem Blog hatte er vor kurzem Lokalpolitiker der Wahlfälschung beschuldigt. Gomes Bericht zufolge haben die Politiker bei der ersten Runde der landesweiten Wahlen am 3. Oktober Stimmen gekauft. Nach eigenen Angaben erhielt Gomes nach Veröffentlichung der Anschuldigungen anonyme Todesdrohungen.

 

Das Motiv für die Ermordung des Eigentümers der Lokalzeitung Jornal Popular News, Wanderlei dos Reis, liegt noch im Dunkeln. Der Journalist starb nach einem bewaffneten Überfall in seinem Haus am Abend des 16. Oktobers. Die Täter schossen Reis ins Bein, dabei wurde dessen Schenkelarterie durchtrennt. Die Täter verließen das Haus, ohne Geld oder Gegenstände zu entwenden. Reis starb am Morgen des Folgetags in einem Krankenhaus.

 

Bisher ist ungeklärt, ob das Verbrechen im Zusammenhang mit Reis journalistischer Tätigkeit steht. Der 42-jährige Reporter arbeitete insbesondere zu politischen Themen und beschäftigte sich mit Fragen der städtischen Infrastruktur in Ibitinga. Seine Zeitung gilt als kritisches Organ gegenüber den lokalen Behörden.

 

Sollte sich bestätigen, dass die Morde an Gomes und Reis im Zusammenhang mit deren  Beruf stehen, wird diess Brasiliens Position in der Rangliste des kommenden Jahres negativ beeinflussen. In dem südamerikanischen Land wurde zuletzt im Mai 2007 ein Journalist wegen seiner Arbeit getötet. Der Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen im Bundesstaat São Paulo hatte sich mit Recherchen zu politischer Korruption einen Namen gemacht.

 

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