Russland 10.11.2010

Zwei weitere Journalisten angegriffen / Präsident Medwedjew will Journalisten besser schützen

© AP

Mit Entsetzen hat Reporter ohne Grenzen (ROG) die Nachricht von weiteren Übergriffen auf russische Journalisten aufgenommen. Neben dem Überfall auf den Mitarbeiter der Tageszeitung Kommersant, Oleg Kaschin (Foto), attackierten Unbekannte in den vergangenen Tagen zwei weitere Medienmitarbeiter in Moskau sowie in der Stadt Saratow im Süden des Landes.

Der Redakteur der regionalen Tageszeitung Schukowskie Westi, Anatoli Adamtschuk, wurde in der Nacht vom 7. auf den 8. November in der Nähe seines Büros in der südlichen Moskauer Vorstadt Schukowski überfallen. Der Reporter wurde anschließend mit einer Gehirnerschütterung und Prellungen in ein Krankenhaus eingeliefert.

Unbekannte Angreifer in Saratow haben am 5. November zudem den Chefredakteur der lokalen Tageszeitung Saratowski Reporter, Sergei Michailow, niedergeschlagen. Die Täter flohen, als Passanten sich näherten. Michailow trug leichte Verletzungen davon.

Oleg Kaschin wurde in der Nacht vom 5. auf den 6. November in der Moskauer Innenstadt von seinem Wohnhaus von unbekannten Männern zusammengeschlagen. Mit gebrochenen Beinen, Fingern und einem gebrochenen Kiefer sowie einer Gehirnerschütterung wurde Kaschin ins Krankenhaus eingeliefert und nach einer Notoperation in künstliches Koma versetzt.

Zwischen den Angriffen auf Kaschin und auf Adamtschuk gibt es Parallelen. Beide haben sich in Artikeln mit dem Protest gegen den Bau einer Autobahn im Moskauer Vorort Chimki befasst. Seit Jahren protestieren Umweltschützer gegen Pläne, einen Teil der Bäume im Chimki- sowie im Tsagowski-Wald zu fällen, um eine Autobahn zwischen Moskau und St. Petersburg bauen zu können.

ROG unterstützt die Forderung zahlreicher russischer Medien an ihre Regierung nach einer Garantie für die Sicherheit von Journalisten, nach der Aufklärung des Verbrechens gegen Kaschin und der Bestrafung der Täter. Bekannte russische Journalisten und Herausgeber haben Ihre Meinung in einem offenen Brief an Medwedjew formuliert. Mittlerweile wurde der auf der Website Openspace.ru veröffentlichte Appell von mehr als 2000 Menschen unterzeichnet.

Dimitri Medwedjew kündigte unterdessen an, den Schutz für Journalisten zu erhöhen und dafür zu sorgen, dass die Verantwortlichen der Attacke auf Kaschin gefunden werden. Am 8. November versprach Medwedjew, die für das Verbrechen Verantwortlichen unabhängig von ihrem Stand in der Gesellschaft und sonstigen Leistungen zu bestrafen. Der Präsident sprach sich darüber hinaus für einen besseren Schutz für Journalisten aus aufgrund der herausragenden gesellschaftlichen Bedeutung der Arbeit von Medienmitarbeitern. Grundsätzlich begrüßt ROG das Plädoyer des russischen Präsidenten. Auf die Forderungen müssten aber auch Taten folgen, mahnt ROG.

Inzwischen haben die Europäische Union, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie die Vereinigten Staaten die russische Regierung aufgefordert, ihre Versprechungen auch umzusetzen.

Hier lesen Sie die Pressemitteilung zum Überfall auf Oleg Kaschin vom 8. November.


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