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Russland

Rangliste der Pressefreiheit — Platz 155 von 180
Russland / Ukraine 12.04.2022

Zwischenbilanz des Zentrums für Pressefreiheit

Ein Journalist vor zerstörtem russischem Kriegsgerät in Gostomel, 8. April 2022. © picture alliance / NurPhoto / Maxym Marusenko

Journalistinnen und Journalisten riskieren ihr Leben für die Berichterstattung über den russischen Krieg in der Ukraine. Unterstützt werden sie vom Zentrum für Pressefreiheit in Lwiw, das Reporter ohne Grenzen (RSF) und der ukrainische Partner Institut für Masseninformation (IMI) am 11. März eingerichtet haben. In diesem Zentrum wurden bislang 158 kugelsichere Westen und 100 Helme ausgegeben, Sicherheitstrainings und psychologische Unterstützung angeboten sowie finanzielle Hilfe organisiert.

„Medienschaffende sind früh zu einem der Ziele im Krieg geworden“, sagte RSF-Geschäftsführer Christian Mihr. „Jede Hilfsaktion unterstützt sie bei ihrer Arbeit: die Welt über das Grauen zu informieren, das in der Ukraine herrscht. Jede Weste und jeder Helm ist ein weiterer Schutz gegen die Feinde der freien Presse. Wir danken allen, die durch ihre Spenden und ihr Engagement dazu beitragen, unsere Arbeit zu unterstützen.“

Bislang sind bereits sieben Medienschaffende bei der Berichterstattung über den Krieg getötet worden. Angesichts der zunehmenden direkten Angriffe haben Reporter ohne Grenzen und IMI ihre Aktivitäten im Zentrum in Lwiw stetig verstärkt.

Bislang wurden insgesamt 158 schusssichere Westen und 100 schusssichere Helme nach Lwiw geliefert. Da für die Einfuhr nach Polen erst Sondergenehmigungen eingeholt werden mussten, hat sich die Lieferung verzögert, mittlerweile sind aber vier Ladungen in Lwiw angekommen. IMI und die National Union of Journalists in Ukraine (NUJU) schätzen den Gesamtbedarf auf etwa 700 Westen und Helme.

RSF-Sicherheitshandbuch in ukrainischer Sprache

Die NUJU hat das RSF-Handbuch für Journalistinnen und Journalisten ins Ukrainische übersetzt. Der Leitfaden wurde in Zusammenarbeit mit der UNESCO erstellt und bietet Reporterinnen und Reportern, die sich in Krisenregionen begeben, praktische Hinweise und Ratschläge. Derzeit werden 1.000 Exemplare gedruckt.

Sicherheitstrainings für 78 ukrainische Medienschaffende

Innerhalb weniger Tage nach der Eröffnung des Zentrums wurden Online-Schulungen in ukrainischer Sprache organisiert, die Reporterinnen und Reportern und ihren lokalen Kolleginnen und Kollegen helfen sollen, sich physisch und psychisch für ihre Einsätze zu wappnen. Pro Woche wird eine Schulung zu Erster Hilfe und eine weitere, die sich psychologischen Fragen wie Verarbeitungsmechanismen und Resilienz widmet, angeboten. Bisher nahmen 78 ukrainische Medienschaffende an den Schulungen teil. Für die Mitarbeitenden des Zentrums und weitere Journalistinnen und Journalisten wurde eine Sicherheitsschulung organisiert, die in Präsenz vor Ort und in englischer Sprache stattfand.

1100 Erste-Hilfe-Kästen in Kürze verfügbar

Kompakte Erste-Hilfe-Kits können im Notfall Leben retten. Zwar gab es auch bei dieser Bestellung Lieferschwierigkeiten, dennoch werden in Kürze 1100 dieser Hilfskästen im Zentrum in Lwiw erwartet und an Journalistinnen und Journalisten vor Ort ausgegeben.

Notfinanzierung für 65 Medienschaffende und 15 Redaktionen

Trotz der Schwierigkeiten beim Transfer internationaler Gelder während des Krieges konnten am 31. März Überweisungen an mehrere Journalistinnen und Reporter getätigt werden. RSF hatte dazu insgesamt 65 Medienschaffende identifiziert. Gleichzeitig hat RSF etwa 15 unabhängige ukrainische Medien mit einer Notfinanzierung dabei unterstützt, weiterarbeiten zu können.

Klagen vor dem Internationalen Strafgerichtshof

RSF hat bislang drei Beschwerden beim IStGH eingereicht und bereitet derzeit zwei weitere vor. Eine Klage wurde in Frankreich eingereicht. Alle sechs Beschwerden betreffen Gewaltakte gegen insgesamt 29 Journalistinnen und Journalisten und die Zerstörung von Medieninfrastruktur wie Sendeanlagen. In fast allen Fällen hat RSF festgestellt, dass die russischen Streitkräfte für die Gewaltakte verantwortlich waren und dass diese Handlungen als Kriegsverbrechen betrachtet werden können. Einige Fälle werden derzeit noch im Detail untersucht, das betrifft vor allem Artillerie- und Luftangriffe, bei denen Medienschaffende unter den Opfern waren.

Das Zentrum für Pressefreiheit wird mit dem Sonderpreis des renommierten Theodor-Wolff-Preises ausgezeichnet. Die Verleihung des mit 6.000 Euro dotierten Preises ist für den 22. Juni geplant.

RSF dankt allen Partnerinnen und Partnern für ihre Unterstützung:

  • dem Institut für Masseninformation (IMI) und dem Nationalen Journalistenverband der Ukraine (NUJU)
  • Free Press Unlimited (FPU), Jnomics, The Fix, dem Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung (n-ost) und der schwedischen Pressegruppe Bonnier
  • der Stadt Lwiw für ihre Gastfreundschaft
  • der Limelight Foundation, Adessium Foundation, Schöpflin Stiftung, König-Baudouin-Stiftung, Oak Foundation, Fritt Ord Foundation, Open Society Foundations, UNESCO, Washington Post und der Delegation der Europäischen Union in der Ukraine

Das Zentrum für Pressefreiheit befindet sich im Internationalen Medienzentrum in Lwiw, Rynok-Platz 32, Lwiw, Ukraine, und ist hier zu erreichen.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen belegt die Ukraine Platz 97, Russland Platz 150 von 180 Ländern.



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