Dil Afrose Jahan | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit

Dil Afrose Jahan

"Es war ereignisreich, inspirierend und motivierend"

"2019 war von Anfang an ein sehr aufregendes Jahr für mich. Ich fand eine Ausschreibung für ein Stipendienprogramm von Reporter ohne Grenzen auf der Facebook-Seite vom Global Investigative Journalism Network (GIJN). Diese Möglichkeit wurde mir auch von Kollegen aus Myanmar empfohlen. Ich betrachtete es als Chance, meine berufliche Karriere entscheidend voranzubringen, und beschloss, es auszuprobieren.

Das Stipendienprogramm bietet ein Training in Bereich der „Digitalen Sicherheit“ an. Dieser Schwerpunkt des Programms war der Grund, weshalb ich mich bewarb. Ich wollte schon immer mehr Wissen und Fähigkeiten in diesem Gebiet sammeln. Durch das Programm habe ich nun eine Welt kennengelernt, die ich nie gedacht hätte zu erkunden. Nun freue ich mich darauf, mein neues Wissen mit meinen Kollegen zu Hause zu teilen.    

Die Teilnahme am Stipendienprogramm hat mich mit den neuen Herausforderungen für den Journalismus konfrontiert. Journalist*innen können sehr verwundbar sein, wenn ein Staat seine nationalen Sicherheitsinteressen auf ihre Kosten durchsetzen will, und Gesetzeslücken können die Sicherheitsbedrohungen für Journalist*innen in einem feindlichen digitalen Arbeitsumfeld noch weiter erhöhen. Daher sind grundlegende Kenntnisse über digitale Sicherheit zurzeit unerlässlich, um die berufliche und persönliche Sicherheit von Journalist*innen zu gewährleisten. Die Erfahrungen, die ich mit diesem Projekt gesammelt habe, waren also sehr nützlich für meine Mitstipendiat*innen und mich.

Meine Zeit in Berlin war ereignisreich, inspirierend und motivierend. Während der Zeit als Stipendiatin des Berliner Stipendienprogramms konnte ich die beste Jahreszeit in Deutschlands Hauptstadt verbringen - den Sommer. Es war perfekt, um eine Auszeit zu nehmen und Europa kennenzulernen. Als mein Aufenthalt zu Ende ging, konnte ich nicht glauben, dass schon vier Monate vergangen waren. Seitdem ich als Journalistin arbeite, kann ich mich nicht erinnern, so viel Zeit für mich selbst gehabt zu haben. Es war genau richtig, um mich und mein Leben genauer zu betrachten und zu hinterfragen.

Ich habe meinen Aufenthalt in Berlin in vollen Zügen genossen. Ich wurde als Mensch gleichberechtigt behandelt. So konnte ich in Berlin ein Leben führen, das mir gehört. Der Sinn für Freiheit in dieser Stadt hat mich gelehrt, mich selbst mehr zu lieben und auf mich selbst zu vertrauen. Durch die berufliche Anerkennung, die Lernmöglichkeiten, das Verfechten der Pressefreiheit und der digitalen Sicherheit habe ich ein Bündel an Lebenslektionen erhalten, die bei meiner Rückkehr nach Hause sehr nützlich sein werden. Die Chance, die mir das Stipendienprogramm gegeben hat, war eine lebensverändernde Erfahrung."


Dil Afrose Jahan ist eine junge investigative Journalistin aus Bangladesch, die sich vor allem für Menschenrechte und Frauen einsetzt. Sie nimmt am Berliner Stipendienprogramm von Reporter ohne Grenzen teil, da sie mehr über digitale Sicherheit als Journalistin und die Sicherheit der Nachrichtenredaktion im digitalen Zeitalter erfahren möchte.

Jahan begann ihre Karriere 2012 bei der Daily Shokaler Khabor (Bangla News Daily). Daraufhin hat sie sowohl für den Fernsehsender Deepto TV als auch für die angesehene Tageszeitung Dhaka Tribune gearbeitet. Seit 2016 ist sie dort wieder als Reporterin tätig.

Inhaltlich befasst Jahan sich mit den Rechten von Frauen und Kindern, Bildungs- und Arbeitsrechten, Menschenhandel, ethnischen und religiösen Minderheiten und Migration. Sie hat beispielsweise die Rohingya-Krise 2017/2018, bei der die muslimische Minderheit der Rohingya im Nachbarland Myanmar verfolgt wurde, von der Grenze aus begleitet.

Derzeit arbeitet Jahan an zwei Projekten: an einem eigenen internationalen Nachrichtenportal, das Fragen der frühkindlichen Entwicklung in Asien und Afrika behandeln soll, und an einem auf LGBTQ-Rechten basierenden Online-Portal über die Menschenrechtslage in Bangladesch.

Mit ihrer Arbeit hat sie internationale Anerkennung erlangt. So wurde sie beispielsweise von UNICEF für den Meena Media Award 2016 nominiert, wegen ihrer Berichterstattung über frühkindliche und psychische Gesundheitsentwicklung. Außerdem wurde ihr Dokumentarfilm Champa Jhiripara (2016) beim 14. Dhaka International Film Festival in zwei Kategorien gezeigt.

Aufgrund ihrer kritischen Berichterstattung wurden Jahans Social-Media-Profile von der Regierung überwacht. Sie wurde im täglichen Leben verfolgt sowie telefonisch und physisch von Strafverfolgungsbehörden und Extremisten bedroht. Bei ihrer Tätigkeit musste sie stets mit der Gefahr leben, im Gefängnis zu landen. (Stand: 08.08.2019)

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