Safina Nabi

Safina Nabi

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Safina Nabi

Safina Nabi ist eine unabhängige Multimedia-Journalistin aus Südasien mit Sitz in Kaschmir. Als Stipendiatin des Berliner Stipendienprogramms lernt sie derzeit, wie sie sich im digitalen Raum besser schützen kann. Safina schreibt über Konflikte und soziale Gerechtigkeit sowie Menschenrechts-, Gender-, Gesundheits- und Umweltthemen. Ihre Artikel sind in einer Reihe von indischen und internationalen Zeitungen und Plattformen erschienen, wie unter anderem im Guardian, Aljazeera, Slate, Vice, OpenDemocracy, Christian Science Monitor, Article14. Eine ihrer Recherchen wurde für den True Story Award 2020 in der Kategorie Menschenrechte nominiert, dessen endgültigen Gewinner*innen im Juni 2022 in Bern in der Schweiz bekannt gegeben werden. Für ihre geschlechtersensible Berichterstattung erhielt sie 2020 einen Anerkennungspreis der Laadli-Medienjury und stand auf der Shortlist für die Red Ink Awards 2021 in der Kategorie "Women Empowerment". Sie ist ein Pulitzer Center Grantee und bisher wurden drei ihrer Projekte vom Center unterstützt.

Als die indische Regierung 2019 den verfassungsrechtlichen Sonderstatus von Jammu und Kaschmir aufhob und eine monatelange Kommunikations- und Mediensperre verhängte, gehörte sie zu den wenigen Reporter*innen, die trotzdem weiterarbeiteten. Dies musste sie aber unter Aufsicht in von der Regierung betriebenen Internet-Zentren oder mit extra langsamer 2G-Verbindungen tun. Nach der Aufhebung der Artikel 370 und 35-A wurden den Bürger*innen Kaschmirs über Nacht die Pressefreiheit und das Recht auf ein Leben in Würde entzogen. Die Berichterstattung vor Ort wurde extrem riskant und schwierig. Ein Großteil von Safinas Arbeit in dieser schwierigen Zeit konzentrierte sich auf das Dokumentieren von Menschenrechtsverletzungen. Straßensperren, aufdringliche Sicherheitskontrollen und Einschüchterungen durch die Sicherheitskräfte haben sie zwar manchmal ausgebremst und verunsichert, aber haben sie nicht davon abgehalten, die nötigen Informationen für ihre Berichte zu erhalten.

Safina ist die erste Frau aus ihrer Familie, die eine formelle Ausbildung abgeschlossen hat. Man könnte meinen, das sei nichts Besonderes, aber es ist sehr wichtig ihren sozialen Hintergrund zu verstehen. Sie kommt aus einer Region, die seit Jahrzehnten von einem ungelösten politischen Konflikt heimgesucht wird. Als einziges Kind ihrer Eltern und als junge Frau, die einen Job hat, würden nur sehr wenige Frauen aus Kaschmir eine höhere Ausbildung anstreben und Journalistin werden.

Kürzlich hat sie eine einjährige Untersuchung über "Halbwitwen" in Kaschmir und deren Eigentumsrechte abgeschlossen. Halbwitwen sind Frauen, deren Ehemänner verschwunden sind und deren Ehefrauen keine Informationen darüber haben, ob ihre Ehemänner noch leben oder schon tot sind. So führen sie ein Leben in Elend und Not, während ihre Kinder ohne den Namen ihrer Väter mit Entbehrungen konfrontiert sind. Sie werden nicht nur vom Staat, sondern auch von lokalen Aktivisten, NGOs und der Zivilgesellschaft vernachlässigt. Auch dieses Projekt wurde vom Pulitzer Center unterstützt. Sie hat ihre eigene Website mit weiteren Informationen über ihre Arbeit: safinanabi.contently.com

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