2020 in Bildern
Unser positiver Jahresrückblick

Die Pressefreiheit stand im Jahr 2020 unter beispiellosem Druck. Autoritäre Staaten konnten ihre Macht im Zuge der Corona-Pandemie durch repressive Gesetze ausweiten. Die Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten im Vorfeld der Wahlen in den USA nahmen ein besorgniserregendes Ausmaß an. Und in Belarus, einem Land in Europa, wurden fast 400 Medienschaffende seit Beginn der Demonstrationen gegen die manipulierte Wiederwahl des Präsidenten festgenommen.

Diese Entwicklungen überschatten die Erfolge für die Pressefreiheit, die wir trotz allem als Organisation in diesem Jahr feiern konnten. Wir wollen sie daher hier mit allen Unterstützerinnen und Unterstützern teilen.

RSF-Geschäftsführer Christian Mihr vor dem Gebäude des Bundesverfassungsgerichts © Paul Lovis Wagner

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Nach einer Verfassungsbeschwerde von Reporter ohne Grenzen und weiteren Medienorganisationen verhandelt das Bundesverfassungsgericht Mitte des Monats darüber, ob die Überwachung des weltweiten Internetverkehrs durch den Bundesnachrichtendienst (BND) verfassungsmäßig ist.

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Reporter ohne Grenzen bekommt ein neues Logo. Ab sofort tragen alle Sektionen und Büros weltweit das Kürzel RSF im Namen. Es steht für Reporters Sans Frontières. Damit zeigen wir, dass wir eine weltweit agierende Organisation sind.

Das neue Logo von Reporter ohne Grenzen © RSF
Afgan Muchtarli (links) bei seiner Ankunft in Berlin © RSF

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Große Freude: Der seit 2017 in Aserbaidschan inhaftierte Journalist Afgan Muchtarli kommt endlich frei und darf nach Deutschland ausreisen.

Zum Welttag gegen Internetzensur eröffnen wir die Uncensored Library, eine Bibliothek innerhalb des  Computerspiels Minecraft, um zensierte Artikel von Journalist*innen in deren Heimatländern verfügbar zu machen. Zu lesen sind Texte aus Ägypten, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien und Vietnam.

Die weltweite Corona-Pandemie beeinflusst auch die Pressefreiheit. RSF startet deshalb eine Themenseite, um auf die vielen Angriffe auf Journalist*innen und die Medienfreiheit aufmerksam zu machen. Die Seite wird fortlaufend aktualisiert.

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Wir veröffentlichen die Rangliste der Pressefreiheit. Durch demokratische Regierungswechsel hat sich die die Situation für Medienschaffende in einigen Ländern merklich verbessert, so z.B. in Malaysia (Rang 101, +22 Plätze) und auf den Malediven (79, +19). Und nach dem Sturz des Diktators Omar al-Baschir im Sudan klettert das Land um 16 Ränge auf Platz 159.

In einem Brief fordern wir die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu auf, taiwanesische Journalist*innen nicht länger von Aktivitäten wie Pressekonferenzen auszuschließen. WHO und UN hatten sich dem Druck Chinas gebeugt.

Weltkarte der Pressefreiheit 2020 © RSF
Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe © RSF

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Historisches Urteil für die Pressefreiheit: Das Bundesverfassungsgericht erklärt die Überwachung des weltweiten Internetverkehrs durch den BND für verfassungswidrig. Ausländische Journalist*innen dürfen nicht anlasslos überwacht werden. Das BND-Gesetz muss neu geschrieben werden.

Zum internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai veröffentlichen wir unseren jährlichen Bildband „Fotos für die Pressefreiheit“. Schon am ersten Wochenende wird er hundertfach bestellt.

Zudem richtet RSF ein neues Erholungs- und Recherchestipendium für Journalist*innen aus Kriegs- und Krisengebieten ein.

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Für zunächst drei Jahre starten wir das „Defending Voices Program for the Safety of Journalists“, ein Programm für die Sicherheit von Journalist*innen in Lateinamerika. Damit wollen wir in Brasilien und Mexiko sichere Arbeitsumfelder schaffen und die Straflosigkeit für Verbrechen gegen Medienschaffende bekämpfen.

Das Quartett der Pressefreiheit erscheint! Mit unserem Kartenspiel zeigen wir auf leicht verständliche Art, wie es um die Pressefreiheit in vielen Ländern der Welt bestellt ist.

Quartett der Pressefreiheit © Juliane Halsinger
Erinnerung an Daphne Caruana Galizia © RSF

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Unsere „Liste der Held*innen der Informationsfreiheit“ würdigt Medienschaffende, die sich in der Corona-Krise für freie Berichterstattung engagieren und dabei oft gegen autoritäre Regierungen kämpfen müssen.

Bei der öffentlichen Anhörung zum Mord an der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia darf RSF als einige NGO zur Lage der Pressefreiheit aussagen.

Und beim Prozessauftakt im Fall des ermordeten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi sind wir in Istanbul und beobachten die Anhörung der Zeugen. Auch beim Fortgang im November sind wir wieder vor Ort.

Zusammen mit mehreren Partnerorganisationen starten wir eine internationale Unterschriftensammlung für die philippinische Journalistin Maria Ressa und unabhängige Medien auf den Philippinen.

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Wir freuen uns über ein kleines bisschen Gerechtigkeit in Mexiko: Der Mörder der Journalistin Miroslava Breach wird in Chihuahua zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Journalistin war 2017 wegen ihrer kritischen Recherchen in ihrem Auto erschossen worden.

Gedenken an Miroslava Breach © picture alliance / AA
Banner mit den Namen der Unterzeichner*innen der Assange-Petition © RSF

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Als einzige NGO beobachten wir kontinuierlich vor Ort die Anhörung von Julian Assange in London. Unsere Petition, Assange nicht an die USA auszuliefern, wird weltweit über 80.000 mal unterschrieben.

Der Dokumentarfilm „Yokluk“ des türkischen Regisseurs Kutlu Esendemir feiert Berlin-Premiere. Er thematisiert die Hintergründe des Todes des Mädchens Rabia Naz und zeigt damit die Grenzen der Pressefreiheit in der Türkei auf.

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Anlässlich der US-Wahlen starten wir einen Themenschwerpunkt mit Kurzmeldungen, Hintergrundanalysen und Videostatements. Bei einer Bildaktion vor dem Brandenburger Tor appellieren wir an die US-Kandidat*innen, den Press Freedom Pact zu unterzeichnen.

Die Staatsanwaltschaft München lässt Räumlichkeiten des Überwachungstechnologie-Konzerns FinFisher durchsuchen.  Reporter ohne Grenzen hatte Strafanzeige wegen des illegalen Verkaufs von Überwachungssoftware an die Türkei gestellt.

Erfolg nach RSF-Gesprächen in Somalia: Die Regierung will Journalist*innen-Festnahmen aussetzen.

Bildaktion zur US-Wahl vor dem Brandenburger Tor © Juliane Halsinger
Banner mit dem Gesicht von Khaled Drareni © RSF

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Die erste internationale Arbeitsgruppe des Forums für Information und Demokratie veröffentlicht ihren Infodemics-Bericht: Er enthält rund 250 Empfehlungen zur Eindämmung von Desinformation.

Wir starten eine Veranstaltungsreihe zur Pressefreiheit in Osteuropa. An der Auftaktveranstaltung nimmt u.a. die Vize-Präsidentin des EU-Parlaments Katarina Barley teil.

In einer einwöchigen Videoreihe lassen wir Medienschaffende aus Belarus zu Wort kommen, die über die Repressionen im Zuge der Demonstrationen gegen Machthaber Lukaschenko berichten.

Um unseren in Algerien willkürlich zu zwei Jahren Haft verurteilten RSF-Korrespondenten Khaled Drareni zu unterstützen, hängen wir ein riesiges Banner an einem Hochhaus am Berliner Alexanderplatz auf.

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Einem Bundestagsbeschluss von 2017 folgend, unterstützt die Bundesregierung in ihrem Menschenrechtsbericht erstmals auch öffentlich die RSF-Initiative für einen UN-Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen für den Schutz von Journalist*innen.

Im Dezember verleiht Reporter ohne Grenzen die Press Freedom Awards erstmals in Taiwan. Ausgezeichnet werden die russische Journalistin Jelena Milaschina mit dem Preis für Mut, der afghanische Radiosender Merman mit dem Preis für Wirkung und die ägyptische Chefredakteurin Lina Attalah mit dem Preis für Unabhängigkeit. Ein Sonderpreis geht an den Gründer der Hongkonger Tageszeitung Apple DailyJimmy Lai.

Preisträger*innen der Press Freedom Awards 2020 © RSF

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