2021 in Bildern
Unser positiver Jahresrückblick

In vielen Teilen der Welt stand die Pressefreiheit 2021 so unter Druck wie lange nicht – etwa in Afghanistan, Belarus und Myanmar. 488 Medienschaffende saßen zum Jahresende wegen ihrer Arbeit im Gefängnis – ein neuer Höchststand.
In Europa, eigentlich die sicherste Region der Welt für Journalistinnen und Journalisten, wurden zwei Polizeireporter erschossen. Diese beiden Morde machten 2021 zum tödlichsten Jahr für Medienschaffende in Europa seit dem Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo in Paris im Jahr 2015 mit acht Toten.
In Deutschland kam es am Rande von Demonstrationen gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen wieder zu regelmäßigen Attacken auf Berichterstattende.

Dennoch gab es auch 2021 Grund zur Freude; viele kleine und große Erfolge im Einsatz für die Pressefreiheit, die wir mit unseren Unterstützerinnen und Unterstützern teilen wollen.

Schild vor dem EGMR-Gebäude in Straßburg. © picture alliance / dpa / Rolf Haid

​​01

Etappensieg für unsere Beschwerde gegen den BND: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) nimmt höchstwahrscheinlich unsere Beschwerde gegen die anlasslose Massenüberwachung zur Entscheidung an. Die aktuelle Praxis des BND bedroht die geschützte Kommunikation von ausländischen Journalist*innen und ihren Quellen.

​​02

Im Strafverfahren um den Mord an der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia gibt es einen Erfolg zu verzeichnen: Einer der Auftragsmörder wird zu einer hohen Haftstrafe verurteilt.

Aus dem Weißen Haus kommen mit der Amtsübernahme von US-Präsident Biden positive Signale für eine freie Presse: Die Regierung bringt Gesetzesvorschläge zur Förderung der Pressefreiheit in den Kongress ein. Ziel soll es unter anderem sein, dass die USA sich nach Verbrechen gegen Medienschaffende überall auf der Welt bemühen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Mahnwache anlässlich des Todestags von Daphne Caruana Galizia. © picture alliance / dpa / Christoph Soeder
Bild des saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman al-Saud. © picture alliance / ABACA / Balkis Press

​​03

Reporter ohne Grenzen reicht beim Generalbundesanwalt Strafanzeige wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman al-Saud ein. Er gilt als der Hauptverdächtige hinter dem Mord an Jamal Kashoggi im Oktober 2018.

In der Türkei hat ein Gericht in Istanbul über 14 Jahre nach dem Mord an dem Journalisten Hrant Dink 27 Angeklagte zu Haftstrafen verurteilt.

Strafverfolgung nach mehr als 17 Jahren: Im Fall unseres 2004 ermordeten Gambia-Korrespondenten Deyda Hydara wird in Hannover ein Verdächtiger festgenommen.

Wir erweitern die Uncensored Libary um zwei Räume für die beiden Länder Belarus und Brasilien. Zensierte Artikel aus diesen Staaten werden auf diese Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

​​04

Um Journalist*innen besser vor physischen und psychischen Übergriffen zu schützen, rufen RSF und mehrere Medienorganisationen einen Schutzkodex ins Leben. Medienhäuser, die den Schutzkodex übernehmen, garantieren ihren Mitarbeitenden praktische Hilfen wie feste Ansprechpersonen bei den Arbeitgebern sowie psychologische und juristische Unterstützung der Betroffenen.

Die Startnext-Crowdfundingkampagne zum Fotobuch der Pressefreiheit 2021 ist so erfolgreich wie nie zuvor: Fast die gesamten Druckkosten können über Spenden finanziert werden.

Medienkodex zum Schutz von Journalistinnen und Journalisten eingerichtet. © picture alliance / dpa / Christoph Soeder
Lukaschenko betritt Treffen in Minsk. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Maxim Guchek

​​05

Wir erstatten beim litauischen Generalstaatsanwalt Anzeige gegen den belarussischen Diktator Alexander Lukaschenko. Hintergrund ist die erzwungene Umleitung eines Linienflugs, in dem sich der Journalist Roman Protassewitsch befand. Dieser wurde sofort nach der Landung in Minsk verhaftet.

Zum internationalen Tag der Pressefreiheit initiieren wir gemeinsam mit über 80 anderen Organisationen die Kampagne #HoldTheLine für die philippinische Journalistin Maria Ressa. Dazu richten wir eine gleichnamige Website ein, die ununterbrochen Videos ihrer Unterstützer*innen zeigt. Diese sollen so lange zu sehen sein, bis alle Anklagepunkte gegen Ressa fallen gelassen werden.

Nach zwölfmonatiger Wartezeit aufgrund coronabedingter Reisebeschränkungen kommen fünf von acht RSF-Stipendiat*innen nach Berlin. Es handelt sich um die Absolvent*innen unseres Berliner Programms zur Stärkung von Journalistinnen und Journalisten im digitalen Raum.

Auch RSF gibt es jetzt auf die Ohren: Die erste Folge unseres monatlichen Podcasts „Pressefreiheit Grenzenlos“ erscheint. Interviewt werden Journalist*innen aus aller Welt, die sich zum Zeitpunkt der Aufnahme in Berlin befinden, beispielsweise als Stipendiat*innen.

​​06

Mehr als vier Jahre nach der Ermordung des mexikanischen Journalisten Javier Valdez, der intensiv über den mexikanischen Drogenhandel recherchiert hatte, kommt es zu einer zweiten Verurteilung eines der Mörder des Journalisten.

Im MENA-Raum entsteht ein Bündnis gegen digitale Überwachung: Es kämpft für einen Verkaufsstopp digitaler Überwachungstools an repressive Regime, für ein sicheres und offenes Internet und dafür, Menschenrechtsverteidiger*innen, Journalist*innen und Internet-Nutzer*innen vor digitaler Ausspähung durch autoritäre Regimes in arabischen Ländern zu schützen.

Verurteilung in dem Fall des am 15. Mai 2017 in Culiacán ermordeten Journalisten Javier Valdez. © AP
Das Rechercheprojekt Pegasus, bestehend aus 80 Journalistinnen und Journalisten von 17 Medien in elf verschiedenen Ländern. © picture alliance / dpa / MAXPPP / Jean-François Frey

​​07

Angesichts der Enthüllungen rund um die Pegasus-Überwachungssoftware der israelischen NSO Group reichen wir gemeinsam mit zwei französisch-marokkanischen Journalisten in Paris Klage ein. 17 weitere Journalist*innen aus sieben Ländern schließen sich dieser an.

Im Abschlussbericht zum Mord an der maltesischen Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia wird dem maltesischen Staat eine Mitschuld zugeschrieben. Die staatlichen Institutionen hätten eine Atmosphäre der Straflosigkeit geschaffen und die reale Lebensgefahr für Caruana Galizia missachtet.

Nach der Fußball-EM unter anderem in Baku beleuchten wir in einem Pressegespräch die Situation der Pressefreiheit in Aserbaidschan. Die begleitende Fotoausstellung „Distance“ in der RSF-Geschäftsstelle macht auf die Lage politisch Gefangener in Aserbaidschan aufmerksam.

​​08

Wenige Wochen vor der russischen Parlamentswahl veröffentlichen wir einen aktualisierten Länderbericht, der zeigt, wie massiv die Staatsführung unter Präsident Wladimir Putin die Presse- und Meinungsfreiheit im Internet in den vergangenen Monaten eingeschränkt hat.

Titelbild des Russlandberichts. © RSF
Bündnis gegründet, um Gemeinwohl innerhalb der Digitalisierung zu fördern. © picture alliance / Zoonar/ Zoya Fedorova

​​09

Wir schließen uns mit der Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V. (GFF), AlgorithmWatch, der Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland zum NGO-Bündnis „F5“ zusammen. Ziel der Kooperation ist, dass nicht die Einnahmen von Tech-Unternehmen oder die Interessen von Sicherheitsbehörden, sondern das Gemeinwohl im Mittelpunkt der Digitalisierung stehen.

Anlässlich der 20-jährigen Inhaftierung des schwedisch-eritreischen Journalisten Dawit Isaak eröffnen wir gemeinsam mit der Dawit Isaak Library in Malmö/ Schweden einen neuen Raum in der Uncensored Library.

​​10

Nachdem RSF es geschafft hatte, insgesamt 150 Namen auf die Evakuierungsliste des Auswärtigen Amtes setzen zu lassen, gelangen immer mehr hochgradig bedrohte Journalistinnen und Journalisten aus Afghanistan nach Deutschland. Die engsten Angehörigen mit eingerechnet, handelt es sich um knapp 500 Menschen, die Aufnahmezusagen von Deutschland bekommen haben. Knapp 300 von ihnen befinden sich bereits in Deutschland oder warten in Nachbarländern Afghanistans auf ihr Visaverfahren. RSF kümmert sich in enger Abstimmung mit der Kabul Luftbrücke und den deutschen Behörden um ihre Einreise. Die von RSF betreuten Medienschaffenden gehören zu 2600 von Deutschland aufgenommenen Personen und ihren Familien auf der sogenannten Menschenrechtsliste.

Wir freuen uns über den Erhalt des Kasseler Bürgerpreises „Glas der Vernunft“. Vorstandssprecher Michael Rediske hat die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung persönlich entgegengenommen.

Gemeinsam mit dem Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) und Free Press Unlimited (FPU) gründen wir ein Tribunal, dessen Ziel es ist, Staatsregierungen zur Rechenschaft zu ziehen, wenn Verbrechen an Journalist*innen nicht aufgearbeitet und geahndet werden.

Wir klagen mit dem Whistleblower-Netzwerk und Investigativjournalist*innen gegen die Befugnisse des Bundesnachrichtendiensts, Spähsoftware einzusetzen. Die Überwachungsmaßnahmen stellen einen Eingriff in das Redaktionsgeheimnis und eine Gefahr für investigative Recherchen in Deutschland dar.

Ankunft von Familienmitgliedern am Flughafen. © privat
Zhang Zhan vor Geschäft in Wuhan. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Uncredited

​​11

Die Press Freedom Awards 2021 von Reporter ohne Grenzen gehen an die chinesische Journalistin Zhang Zhan (Kategorie Mut), das„Pegasus-Projekt“ (Kategorie Wirkung) und die palästinensische Journalistin Majdoleen Hassona (Kategorie Unabhängigkeit). Mit den Press Freedom Awards würdigen wir seit 1992 jedes Jahr die Arbeit von Medienschaffenden und Medien, die einen bedeutenden Beitrag zur Verteidigung oder Förderung der Pressefreiheit geleistet haben.

Auf Twitter fordern wir in einer gemeinsamen Kampagne mit Organisationen wie PEN und Amnesty International, sowie mit einer Reihe Prominenter die Freilassung von Zhang Zhan. Die 38-jährige Journalistin, die über die Frühphase der Covid-19-Pandemie in der Stadt Wuhan (Zentralchina) berichtet hatte, befindet sich seit Mai 2020 im Hungerstreik und schwebt in Lebensgefahr.

Die letzten beiden syrischen Journalisten-Familien aus dem umkämpften Idlib können endlich nach Deutschland einreisen. Insgesamt hat die zweite große Rettungsaktion für ein Dutzend bedrohte Medienschaffende aus Syrien mehr als ein ganzes Jahr gedauert.

Der in Myanmar inhaftierte und erst wenige Tage zuvor zu elf Jahren Haft verurteilte US-Journalist Danny Fenster wird überraschend freigelassen.

​​12

Die philippinische Journalistin Maria Ressa und der russische Journalist Dmitri Muratow werden mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Die Auszeichnung gebührt nicht nur diesen beiden unerschrockenen Personen, sondern belohnt all jene Journalist*innen, die mit Mut, Engagement und oft unter großer Bedrohung für ihre eigene Sicherheit kritisch und unabhängig berichten.

In einem ausführlichen Länderbericht beschreiben wir das beispiellose Ausmaß der Unterdrückung von Journalismus und Informationsfreiheit in China und Hongkong. Dabei zeigt sich ein düsteres Bild der Pressefreiheit vor Ort ab, gleichzeitig aber auch die Resilienz einiger Medien und Internetnutzer*innen, die mit kritischen Recherchen und kreativen Mitteln versuchen, der Zensur zu trotzen.

In unserer Jahresbilanz freuen wir uns, dass 2021 so wenig Medienschaffende getötet wurden wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Die Freude wird allerdings dadurch getrübt, dass die Zahl inhaftierter Journalist*innen noch einmal um ein Fünftel gestiegen ist – ein trauriger Rekord.

Die beiden Friedensnobelpreisträger*innen Dmitri Muratow und Maria Ressa. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Mikhail Metzel / Aaron Favila

Mitglied werden!

Werden auch Sie Teil unseres internationalen Netzwerks. Damit kritische Stimmen nicht verstummen!

Ja, ich will jetzt Mitglied werden!
DZI Spendensiegel

Jetzt Spenden!

Unterstützen Sie unseren Einsatz für die Pressefreiheit weltweit!

Ja, ich will jetzt spenden!