Chronik | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
 

Chronik
Press Freedom Awards - seit 1992

Seit mittlerweile 27 Jahren werden mit den Press Freedom Awards jährlich Journalistinnen und Journalisten sowie Medienhäuser ausgezeichnet, die einen bemerkenswerten Beitrag zur Verteidigung und Förderung der Presse- und Informationsfreiheit geleistet haben. In der folgenden Chronik sind alle Preisträgerinnen und Preisträger der Jahre 2018 bis 1992 aufgeführt.

Hinweis: Die Beschreibung der Personen und Medienhäuser stellt jeweils die Situation im Jahr der Preisverleihung dar. Weitere und aktuelle Entwicklungen wurden dabei nicht berücksichtigt.

16. Mai 2019, Valletta, Malta. Matthew Caruana Galizia steht vor einem Foto seiner Mutter, der ermordeten Journalistin Daphne Caruana Galizia. © picture alliance/Sashelle Babbar

2018

Seit 2018 werden Preise in den Kategorien "Courage", "Impact" und "Independence" vergeben: in diesem Jahr an Swati Chaturvedi (Indien), Matthew Caruana Galizia (Malta) und Inday Espina-Varona (Philippinen). Die britische Journalistin Carole Cadwalladr erhält zudem den Sonderpreis "L'Esprit de RSF" für ihre Untersuchungen zur Finanzierung der Brexit-Kampagne.

Swati Chaturvedi, Indien

Die freiberufliche Reporterin war wie viele andere sich frei äußernde Journalistinnen und Journalisten in Indien das Ziel bösartiger Online-Belästigungskampagnen. Sie wehrte sich mit journalistischen Mitteln und untersuchte die "IT-Zelle" innerhalb der regierenden Bharatiya Janata Partei (BJP), die für ihre "Armee" wütender Online-Trolle berüchtigt ist. Das Ergebnis war ein Buch mit dem Titel "I am a Troll: In der geheimen Welt der Digitalen Armee des BJP". Als Vergeltung für ihre Berichterstattung ist Swati Chaturvedi nun noch stärker den Angriffen von Social-Media-Trollen ausgesetzt.

Matthew Caruana Galizia, Malta

Der mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichnete investigative Journalist und Software-Ingenieur Matthew Caruana Galizia arbeitete fünf Jahre lang im International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ), wo er die Data and Research Unit mitbegründete. Er verließ das ICIJ im Jahr 2018, um sich auf den Fall seiner Mutter Daphne Caruana Galizia – selbst investigative Journalistin – zu konzentrieren. Diese wurde im Oktober 2017 durch eine Autobombe in der Nähe ihres Hauses in Malta getötet. Er hat seitdem unermüdlich daran gearbeitet, Gerechtigkeit für den Mord an seiner Mutter und für die von ihr recherchierten Verbrechen zu erlangen, die internationale Gemeinschaft zu mobilisieren und die maltesischen Behörden zur Rechenschaft zu ziehen.

Inday Espina-Varona, Philippinen

Inday Espina-Varona ist Redakteurin beim philippinischen Sender ABS-CBN, wo sie früher die Bürgerjournalismus-Webseite "Bayan Mo i-Patrol Mo" (BMPM) verantwortete. Im Laufe der Jahre berichtete sie ausführlich über auf den Philippinen sehr heikle Themen wie Kinderprostitution, Gewalt gegen Frauen, LGBT-Themen und die "Islamische Befreiungsfront der Moros" auf der Insel Mindanao. Im Juni 2018 übernahm Espina-Varona die Leitung der #BabaeAko-Kampagne, dem philippinischen Äquivalent von #MeToo, das sich gegen die Frauenfeindlichkeit des Duterte-Regimes wendet.

Carole Cadwalladr, Großbritannien

2018 wurde der Sonderpreis "L'Esprit de RSF" ins Leben gerufen, um die Ausrichtung der Awards in London zu feiern. Verliehen wurde er an die britische Investigativjournalistin Carole Cadwalladr (The Observer) für ihre Recherchen zur Aushöhlung demokratischer Prozesse in den USA und Großbritannien. In diesen deckte sie die die Rolle von Cambridge Analytica in Trumps Wahlkampf und der Brexit-Kampagne auf: Das Datenanalyse-Unternehmen sammelte Millionen von Facebook-Profilen und benutzte diese zur Entwicklung einer Software, um die Entscheidungen der Wählerinnen und Wähler vorherzusagen und zu beeinflussen.

2017

Die Jury zeichnet in diesem Jahr den polnischen Investigativjournalisten Tomasz Piatek,  das türkische Web-TV Medyascope in der Kategorie "Media"sowie den iranischen Fotografen Soheil Arabi in der Kategorie "Citizen Journalist"mit den Press Freedom Awards aus.

Tomasz Piatek, Polen

Der Preisträger der Kategorie "Journalist" ist investigativer Reporter der Warschauer Tageszeitung Gazeta Wyborcza. 2017 drohte ihm eine dreijährige Gefängnisstrafe, nachdem Verteidigungsminister Antoni Macierewicz ihn vor einem Militärgericht angeklagt hatte. Anlass war Piateks Buch "Macierewicz and his secret", das die Beziehungen des Ministers zu Personen beleuchtet, die mit dem russischen Geheimdienst in Verbindung stehen. Seit seiner Veröffentlichung ist Piatek das Ziel von Angriffen regierungfreundlicher Medien und hat bereits mehrfach ernstzunehmende Drohungen erhalten.

Medyascope, Türkei

Medyascope ist ein unabhängiges Web-TV, das im Jahr 2015 vom türkischen Journalisten Ruşen Çakır ins Leben gerufen wurde. Ziel war es, neue Technologien mit besseren Berichterstattungsstandards zu kombinieren, um die in der Türkei inzwischen weitgehend unterdrückte öffentliche Debatte wiederzubeleben. Durch Videos, die online übertragen und als Podcasts zur Verfügung gestellt werden, soll Journalistinnen und Journalisten, die durch das Vorgehen der Regierung ins Abseits gedrängt wurden, sowie Bürgerjournalistinnen und Bürgerjournalisten eine Stimme gegeben werden.

Soheil Arabi, Teheran

Soheil Arabi, ein in Teheran lebender Fotograf, wurde im Dezember 2013 inhaftiert. Nach seiner Festnahme wurde er zwei Monate lang misshandelt und in Einzelhaft festgehalten. Unter diesen Bedingungen gestand er schließlich seine Beteiligung an der Schaffung eines Facebook-Netzwerks, das den Islam "schmähte" und die Regierung kritisierte. 2014 wurde er dafür zum Tod verurteilt, 2015 hob das Oberste Revolutionsgericht das Urteil wieder auf und verhängte stattdessen eine Gefängnisstrafe von siebeneinhalb Jahren.

Krakau, 16.07.2017. Investigativjournalist Thomasz Piatek bei einem Protest gegen Justizreformen der nationalkonservativen polnischen Regierung. © picture alliance/Beata Zawrzel
 
In 18 Jahren Tätigkeit hat kein 64Tianwang Journalist oder Journalistin jemals zugestimmt, ein von den Behörden verfasstes Geständnis zu unterzeichnen.
Huang Qi, Gründer und Redakteur der Webseite 64Tianwang
6. November 2016. Hadi Abdullah posiert für ein Foto in Maaret al-Numan in der Provinz Idlib, Syrien. © picture alliance/bschlotterbeck

2016

Ausgezeichnet werden der syrische Reporter Hadi Abdullah, die chinesische Nachrichten-Website 64Tianwang und der chinesische Bürgerjournalist Lu Yuyu sowie die Bürgerjournalistin Li Tingyu.

Hadi Abdullah, Syrien

Abdullah ist ein freiberuflicher Reporter, der sich bereits mehrfach in Gefahr gebracht hat, um über den Krieg in Syrien zu berichten. Wie nur wenige seiner Kolleginnen und Kollegen betritt er auch gefährliche Gebiete, um dort zu filmen und es den zivilgesellschaftliche Akteuren zu ermöglichen, sich der Außenwelt mitzuteilen. Er ist mehrere Male dem Tod nur knapp entkommen und wurde im Januar 2014 kurzzeitig von der Al-Nusra-Front entführt. Sein Kameramann, Khaled al-Issa, wurde im Juni durch einen Sprengsatz getötet, der vor dem gemeinsam bewohnten Haus platziert war. Abdullah selbst wurde bei der Explosion schwer verletzt.

64Tianwang, China

Die Website und ihre Bürgerjournalistinnen und Bürgerjournalisten werden auch 12 Jahre nach der Verleihung des Press Freedom Awards an Gründer und Herausgeber Huang Qi weiter verfolgt. Von der chinesischen Regierung als staatsfeindlich eingestuft, wurde die Seite wiederholt von Cyberangriffen heimgesucht. Ihre Reporter gehen große Risiken ein, um ihre Mitbürger zu informieren: Fünf von ihnen wurden während der Proteste anlässlich des G20-Gipfels in Hangzhou in verschiedenen Teilen des Landes verhaftet.

Lu Yuyu und Li Tingyu, China

Der chinesische Bürgerjournalist Lu Yuyu und seine Partnerin, Bürgerjournalistin Li Tingyu, wurden am 15. Juni 2016 verhaftet und mehr als drei Wochen lang in Isolationshaft gehalten, bevor sie mit ihren Anwälten sprechen konnten. Angeklagt wurden sie für die "Störung der öffentlichen Ordnung" – weil sie systematisch Streiks und Demonstrationen in ganz China dokumentierten.

2015

Auch 2015 werden drei Preise verliehen: an die syrische Journalistin Zaina Erhaim, die türkische Zeitung Cumhuriyet sowie das äthiopische Blogger-Kollektiv Zone9.

Cumhuriyet, Türkei

Die türkische Zeitung war schon 2014 aufgrund ihrer Berichterstattung der Verfolgung durch das türkische Regime ausgesetzt. Den Preis nahm der damalige Chefredakteur der Zeitung, Can Dündar, entgegen.

Zaina Erhaim, Syrien

Nachdem die syrische Journalistin für eine Weile in London gelebt hatte, kehrte sie 2012 in ihre Heimat zurück, um dort über den Krieg zu berichten und syrischen Bürgeraktivistinnen und Bürgeraktivisten journalistisches Arbeiten beizubringen. Den Preis nahm ihr Onkel, Maen Said Essa, für sie entgegen.

Zone9, Äthiopien

Das Blogger-Kollektiv wurde 2012 gegründet und macht seitdem auf die repressiven Praktiken der äthiopischen Regierung aufmerksam. Einer der Blogger, Zelalem Kibret, wollte an der Preisverleihung teilnehmen – als er jedoch im Begriff war, das Flugzeug zu besteigen, wurde sein Pass beschlagnahmt.

Can Dundar, Cumhuriyets Chefredakteur (rechts) und Erdem Gul, Vertreter der Zeitung in Ankara (links), wurden Ende 2015 festgenommen und der Spionage angeklagt. © picture alliance/Vedat Arik
Ensaf Haidar, Frau von Raif Badawi, steht neben einem Poster des inhaftierten saudi-arabischen Bloggers. © picture alliance/Paul Chiasson

2014

Die mexikanische Journalistin Sanjuana Martínez, die liberianische Zeitung FrontPage Africa und der saudi-arabische Blogger Raif Badawi erhalten die Press Freedom Awards 2014.

Sanjuana Martínez, Mexiko

Die "Journalistin des Jahres 2014" Sanjuana Martínez erhielt Morddrohungen, nachdem sie ein Buch über sexuellen Missbrauch durch Mitglieder des katholischen Klerus in Mexiko geschrieben hatte. Neben ihrer Zeitungsberichterstattung veröffentlichte sie auch Bücher über weitere mutmaßliche Skandale der katholischen Kirche, den mexikanischen Drogenhandel und die Einwanderung in die Vereinigten Staaten. Sie wurde mit vielen nationalen Journalistenpreisen ausgezeichnet und im September 2013 zudem vom US-Magazin Forbes in die Liste der 50 einflussreichsten Frauen des Landes aufgenommen.

FrontPage Africa, Liberia

FrontPage Africa zeichnet sich seit vielen Jahren durch einen rigorosen investigativen Journalismus aus, der viele Fälle von Korruption und Vetternwirtschaft innerhalb der herrschenden Elite Liberias beleuchtet. Die Bereitschaft, sich auch mit Tabuthemen zu befassen, sowie die Zuverlässigkeit ihrer international anerkannten Berichterstattung haben sie zu einer der wichtigsten Informationsquellen für die liberianische Diaspora gemacht.

Raif Badawi, Saudi Arabien

Der saudi-arabische Blogger und Menschenrechtsaktivist Raif Badawi hat die Webseite des "Liberal Saudi Network" als Diskussionsforum für politische, religiöse und soziale Fragen in Saudi-Arabien mitbegründet. Wegen dieser Webseite wurde er im Juni 2012 verhaftet und ein Jahr später zu sieben Jahren Gefängnis und 600 Peitschenhieben verurteilt. Grund: Die angebliche Verletzung islamischer Werte und Verbreitung liberaler Ideen. In einer von Unregelmäßigkeiten geprägten Berufungsverhandlung im Mai 2014 wurde die Strafe auf 10 Jahre Gefängnis, 1.000 Peitschenhiebe und eine Geldstrafe von 1 Million Riyals (rund 200.000 Euro) erhöht – wegen "Beleidigung des Islam". Dieses Urteil wurde im September 2014 von einem Berufungsgericht in Riad bestätigt.

2013

Die Press Freedom Awards gehen an den inhaftierten usbekischen Journalisten Muhammad Bekjanov und die sri-lankische, tamilsprachige Tageszeitung Uthayan.

Muhammad Bekjanov, Usbekistan

Bekjanov, einer der am längsten inhaftierten Journalisten der Welt, war Herausgeber der wichtigsten usbekischen Oppositionszeitung Erk (Freiheit). Mit dieser begann er Anfang der 90er Jahre eine Debatte über Tabuthemen wie den Staat, die Wirtschaft, den Einsatz von Zwangsarbeit bei der Baumwollernte und die Umweltkatastrophe am Aralsee. Das Regime nutzte 1999 eine Reihe von Bombenanschlägen in Taschkent, um Kritiker zum Schweigen zu bringen. Unter Folter wurde Bekjanov gezwungen, sich als Komplize des Terrorismus zu "bekennen" und zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Im Januar 2012, nur wenige Tage vor seiner Entlassung, wurde er wegen Ungehorsams gegen Gefängnisbeamte zu weiteren vier Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt.

Uthayan, Sri Lanka

Uthayan ist eine Tageszeitung mit Sitz in Jaffna im Norden Sri Lankas. Sie ist eines der wenigen tamilischsprachigen Medien des Landes sowie das einzige, das während des Bürgerkrieg von 1983 bis 2009 weiter berichtete. Dabei schreckt die Redaktion auch vor kontroversen Themen nicht zurück und war in der Folge wiederholt das Ziel von Gewalttaten. Entführungen, Drohungen, Angriffe auf Büros, Zwangsschließung, Zerstörung von Ausrüstung und Schmutzkampagnen – es gibt wenig, was Uthayan noch nicht ertragen musste. Die Zeitung zahlt einen hohen Preis für ihre kompromisslose Berichterstattung über die Situation des Landes und die regelmäßigen Enthüllungen über illegale Aktivitäten von Regierung und Streitkräften.

Am 13. April 2013 stürmten bewaffnete Männer in die Druckerei der sri-lankischen Zeitung Uthayan und setzten Maschinen und gedruckte Zeitungen in Brand. Es war die zweite Attacke innerhalb von zwei Wochen. © picture alliance/Marythas Newtan
 

2012

Preisträger im Jahr 2012 sind Mazen Dawish, Leiter des Syrian Centre for Media and Freedom of Expression (SCM), und die afghanische Tageszeitung 8Sobh.

 
Bei Weekly Eleven News glauben wir fest daran und behaupten, dass nichts mächtiger sein kann als die Wahrheit. Wir fühlen uns geehrt, diese Auszeichnung zu erhalten, aber wir sind auch sehr traurig, wenn wir an all die myanmarischen Journalisten denken, die noch im Gefängnis sitzen. Wir dürfen nie die Opfer vergessen, die einige gebracht haben, um Myanmar einen Wandel zu ermöglichen.
Sprecher Weekly Eleven News

2011

In diesem Jahr werden der syrische Karikaturist Ali Ferzat und die myanmarische Zeitung Weekly Eleven News ausgezeichnet.

Ali Ferzat, Syrien

Seine nonkonformistische Haltung und Kreativität brachten dem syrischen Karikaturisten mächtige Feinde ein: unter anderem Saddam Hussein, der ihm nach einer seiner Ausstellungen in Paris 1989 mit dem Tod drohte. Jahrelang wurde ihm die Einreise nach Jordanien, Irak und Libyen untersagt. Al-Domari, die von Ferzat im Jahr 2000 gegründete satirische Zeitung, war die erste unabhängige Publikation seit der Machtübernahme durch die Baath-Partei. Drei Jahre später wurde die Zeitung durch die Behörden gezwungen zu schließen.

Weekly Eleven News, Myanmar

Myanmar ist 2011 eines der Länder mit den stärksten Repressionen gegenüber den Medien. Die Mitarbeiter von Weekly Eleven News riskieren bei der Veröffentlichung von Themen, die durch die Behörden als sensibel eingestuft werden, oft eine Verhaftung.

Zwei Journalisten und eine Journalistin der Weekly Eleven News im Jahr 2018 nach einem Gerichtsverfahren gegen die Zeitung. © picture alliance/EMG reporter
 
In unserem Land, in dem das Chaos herrscht und die bewaffneten islamistischen Milizen uns zum Schweigen bringen wollen, gehen wir große Risiken ein, um Nachrichten zu berichten. Fünf unserer Journalisten wurden in den letzten drei Jahren getötet, darunter zwei Stationsmanager, und rund 100 sind aus Sicherheitsgründen aus dem Land geflohen. Aber wir werden uns nicht einschüchtern lassen. Wir sind entschlossen, unseren Kampf für unabhängige Journalisten und die Achtung der Menschenrechte fortzusetzen.
Ali Abdi, Leiter Internationale Beziehungen des Shabelle Media Network
Satellitenschüsseln auf dem Dach des Kulmiye Nachrichtennetzwerks im Herzen Mogadischus, Somalia. © picture alliance/Tobin Jones, Au-Un Ist

2010

Reporter ohne Grenzen ehrt den inhaftierten Journalisten Abdolreza Tajik und den somalischen Nachrichtensender Radio Shabelle.

Abdolreza Tajik, Iran

Als Mitglied des Human Rights Defenders Centre und entschlossener Meinungsfreiheitsaktivist arbeitete Tajik als politischer Redakteur für viele Zeitungen, die von der Regierung verboten wurden: Fateh (geschlossen 2000), Bahar (2001), Bonyan (2002), Hambastegi (2003) und Shargh (2008). Er schrieb regelmäßig über Verletzungen der Meinungsfreiheit und willkürliche Verhaftungen von Journalisten.

Radio Shabelle, Somalia

Radio Shabelle ist der angesehenste private Radiosender Somalias und zugleich am stärksten von Gewalt betroffen. Er wird nicht nur ständig von radikalislamistischen Milizen bedroht, die die Übergangsregierung bekämpfen, sondern manchmal auch während der häufigen bewaffneten Auseinandersetzungen von regierungsfreundlichen Truppen getroffen. Vier seiner Journalisten wurden 2009 getötet.

 
Eine unabhängige Reporterin in Israel zu sein, ist nicht der schwierige Teil. Aber es gibt zwei Bedingungen, damit diese Unabhängigkeit Wirkung zeigen und von Bedeutung sein kann. Die erste ist, einen Schauplatz zu haben, ein Medienvehikel, das bereit zur Veröffentlichung ist; und die zweite ist, eine Leserschaft zu haben. Ich habe das Glück, eine Zeitung zu haben, die meine Berichte veröffentlicht – Ha'aretz – und die volle Unterstützung und das Interesse meiner Redakteure. Was die zweite Bedingung betrifft, so fällt es den israelischen Lesern und Leserinnen immer noch schwer, eine andere Version der Ereignisse als die offizielle zu akzeptieren. Ich kann nicht sagen, dass ich mich freue, diese Auszeichnung zu erhalten, weil ich weiß, dass es meinen Artikeln nicht gelungen ist, die Leute dazu zu bringen, ihre Ansichten zu hinterfragen. Außerdem kann ich nicht umhin, darüber nachzudenken, was einer der Überlebenden in Gaza kürzlich zu mir gesagt hat: Wir, die Lebenden, schauen uns die Bilder der Toten an und beneiden sie.
Amira Hass, israelische Journalistin

2009

Die Press Freedom Awards 2009 werden an die israelische Zeitungsreporterin Amira Hass und das tschetschenische Magazin Dosh verliehen.

Amira Hass, Israel

Hass erhielt den Preis "Journalistin des Jahres 2009" für ihre unabhängige und direkte Berichterstattung aus dem Gazastreifen. Sie schrieb für die israelische Tageszeitung Ha'aretz wärend der "Cast Lead Operation", einer israelischen Militäroffensive gegen Einrichtungen und Mitglieder der Hamas.

Dosh, Tschetschenien (Russland)

Dosh befasst sich seit 2003 mit Politik und aktuellen Geschehnissen in Tschetschenien und anderen Teilen des russischen Kaukasus. Das Magazin führt seine Arbeit – allen Widrigkeiten zum Trotz – in einer Region fort, in der die Medien noch nie wirklich unabhängig agieren konnten. Der Preis wurde von den Dosh-Redakteuren Israpil Shavkhalov und Abdulkhazhi Duduyev entgegengenommen.

Journalistin Amira Hass bei ihrer Arbeit in der Stadt Ramallah im Westjordanland. © picture alliance/Yossi Zamir
Wir sind keine Helden, sondern unabhängige Journalisten, aber das bedeutet, als Feinde des Mutterlandes betrachtet zu werden. Dieser Preis gibt uns die Kraft, weiter zu arbeiten und über das Geschehen im Nordkaukasus zu berichten. Wir denken heute an die Menschen, mit denen wir diesen Preis hätten feiern sollen – Magomed Jewlojew, Natalia Estemirowa und Anna Politkowskaja.
Israpil Shavkhalov, Redakteur des tschetschenischen Magazins "Dosh"
 
Das Combinado del Este Gefängnis in Havanna, Kuba. Hier wurde der Journalist Ricardo González Alfonso von 2003 bis 2004 gefangen gehalten. © picture alliance/Franklin Reyes

2008

Im Jahr 2008 gewinnen der kubanische Journalist Ricardo González Alfonso, der nordkoreanische Exilradiosender Radio Free NK sowie die zwei myanmarischen Blogger Zarganar und Nay Phone Latt die Press Freedom Awards.

Ricardo González Alfonso, Kuba

Während einer Welle staatlicher Gewalt auf Kuba (dem sogenannten "Schwarzen Frühling") wurde der regimekritische Journalist Ricardo González Alfonso im Jahr 2003 festgenommen und zu 20 Jahren Haft verurteilt. Trotz seines schlechten Gesundheitszustandes war er bis Ende 2004 in Havannas Hochsicherheitsgefängnis "Combinado del Este" inhaftiert.

Radio Free NK, Südkorea

Die Jury verlieh den Medienpreis 2008 an die nordkoreanischen Journalistinnen und Journalisten von Radio Free NK, um ihren Mut und ihre Entschlossenheit zu würdigen.

Zarganar und Nay Phone Latt, Myanmar

Der Komiker Zarganar – bekannt als "myanmarischer Charlie Chaplin" – veröffentlichte in seinem Blog seit August 2007 Skizzen und Einträge, welche die Menschenrechte verteidigen und den Missbrauch durch die Militärregierung verurteilen.

Ein Sondergericht verurteilte den 28-jährigen Blogger Nay Phone Latt am 10. November 2008 zu 20 Jahren und sechs Monaten Haft wegen Verstoßes gegen den sogenannten "Electronic Act". Dieser sieht schwere Strafen für diejenigen vor, die das Internet für die Kritik an der Regierung nutzen.

2007-2003

Ab dem Jahr 2003 wird die Kategorie Journalist/Journalistin durch weitere Kategorien ergänzt. Dies sind zunächst Media, Press Freedom Defender, Cyber-Dissident. Im Jahr 2007 wird zusätzlich ein Special China Prize vergeben.

2007

Seyoum Tsehaye, Eritrea (Journalistin)
– Democratic Voice of Burma, Myanmar (Media)
– Kareem Amer, Ägypten (Cyber-Dissident)
– Hu Jia & Zeng Jinyan, China (Special China Prize)

2006

Win Tin, Myanmar (Journalist)
Novaya Gazeta, Russland (Media)
Journalist in Danger, Demokratische Republik Kongo (Press Freedom Defender)
Guillermo Fariñas Hernández, Kuba (Cyber-Dissident)

2005

Zhao Yan, China (Journalistin)
Tolo TV, Afghanistan (Media)
National Union of Somali Journalists, Somalia (Press Freedom Defender)
Massoud Hamid, Syrien (Cyber-Dissident)

2004

Hafnaoui Ghoul, Algerien (Journalist)
Zeta, Mexiko (Media)
Liu Xiaobo, China (Press Freedom Defender)

2003

Ali Lmrabet, Marokko (Journalist)
The Daily News, Simbabwe (Media)
Michèle Montas, Haiti (Press Freedom Defender)

 
 

2002-1992

Bis 2002 gibt es jährlich eine Preisträgerin bzw. einen Preisträger. Ausgezeichnet werden in diesem Zeitraum:

2002 – Grigory Pasko, Russland

2001 – Reza Alijani, Iran

2000 – Carmen Gurruchaga, Spanien

1999 – San San Nweh, Myanmar

1998 – Nizar Nayyouf, Syrien

1997 – Raúl Rivero, Kuba

1996 – Isik Yurtçu, Türkei

1995 – Christina Anyanwu, Nigeria

1994 – André Sibomana, Ruanda

1993 – Wang Juntao, China

1992 – Zlatko Dizdarevic, Bosnien und Herzegowina

Mitglied werden!

Werden auch Sie Teil unseres internationalen Netzwerks. Damit kritische Stimmen nicht verstummen!

Ja, ich will jetzt Mitglied werden!
DZI Spendensiegel

Jetzt Spenden!

Unterstützen Sie unseren Einsatz für die Pressefreiheit weltweit!

Ja, ich will jetzt spenden!