Serbien

Dada Vujasinovic

Tot aufgefunden am 8. April 1994

Radislava Dada Vujasinovic wurde in den frühen Morgenstunden des 8. Aprils 1994 in ihrem Elternhaus in Belgrad erschossen aufgefunden. Als erfahrene Journalistin hatte sie über den Beginn der Jugoslawien-Kriege berichtet und sich seit 1992 auf die Themen organisierte Kriminalität, Polizei, Militär sowie die Geschäfte von Kriegsgewinnlern spezialisiert.

Unmittelbar nach dem Fund ihrer Leiche erklärte die Polizei, Vujasinovic habe sich mit einem Jagdgewehr selbst getötet. Die Familie zweifelte dies an und verwies auf Lücken und Widersprüche in den Ermittlungen. So seien weder Nachbarn befragt noch die am Tatort gefundenen Gegenstände untersucht worden, und die Festlegung auf einen Selbstmord sei ohne Einschaltung eines Richters geschehen. Die Familie holte Meinungen von unabhängigen Experten ein und forderte die Justizbehörden wiederholt, aber erfolglos auf, den Fall weiter zu untersuchen.

Nach dem politischen Umbruch infolge der Abspaltung Montenegros 2006 wurde der Fall neu aufgerollt. Ein Bericht unabhängiger Experten kam im Mai 2008 zu dem klaren Schluss, dass Vujasinovic mit zwei Schüssen getötet worden sei. Damit wurde die Selbstmord-Hypothese noch unwahrscheinlicher. Die Ermittlungen wurden wieder aufgenommen, doch die serbischen Behörden konnten die Umstände des Todes der Journalistin nicht aufklären.

Im Januar 2013 unterstützte die serbische Regierung die Schaffung einer Untersuchungskommission zu den Todesfällen Vujasinovic und zweier weiterer serbischer Journalisten, Slavko Curuvija und Milan Pantic. Im Dezember 2013 löste eine OSZE-Kampagne unter dem Titel „Chronik der Drohungen“ eine lebhafte öffentliche Debatte aus und erzeugte zusätzlichen Druck auf die serbischen Behörden. 

Die von Veran Matić, dem Chef des Radio- und Fernsehsenders B92, ins Leben gerufene Untersuchungskommission wollte ein rechtsmedizinisches Zentrums im niederländischen Den Haag um neue Expertisen bitten. Sie musste dieses Vorhaben aber mangels Geld aufgeben, obwohl sie in mehreren Ländern um die nötigen Finanzmittel geworben hatte.

Geht man davon aus, dass Vujasinovic ermordet wurde - was nahezu sicher erscheint -, dann genießen ihre Mörder mehr als 20 Jahren nach dem Verbrechen noch immer Straflosigkeit.