Türkei

Nazım Babaoglu

 Verschwunden seit dem 12. März 1994

Nazım Babaoğlu war ein junger Korrespondent für die pro-kurdische Zeitung Özgür Gündem in der Stadt Urfa im Südosten der Türkei, als er am 12. März 1994 spurlos verschwand. Er hatte sich freiwillig gemeldet, auf einen rätselhaften Anruf bei der Zeitung hin den kleinen Ort Siverek zu besuchen. Babaoğlu rechnete damit, dort etwas über die Aktivitäten der “Dorfwächter” zu erfahren, regierungstreuer Milizen, die für ihre Gewalttätigkeit berüchtigt waren. Er kehrte nie zurück. In den 21 Jahren seit seinem Verschwinden gab es keine glaubhaften Ermittlungen zu dem Fall.

Für Özgür Gündem zu arbeiten, war auf dem Höhepunkt des Konflikts zwischen PKK-geführten kurdischen Rebellen und der türkischen Regierung in den 1990er Jahren äußerst gefährlich. Der Fall Babaoğlus ist typisch für die Straflosigkeit, die noch heute für die massenhaften Verbrechen dieser Zeit einschließlich der Morde an einer ganzen Reihe von Journalisten herrscht. Obwohl man inzwischen die Einzelheiten der repressiven Methoden im Kampf gegen die kurdische Nationalbewegung kennt, wurde niemals Gerechtigkeit geübt.

Die Straflosigkeit wird nun durch eine Verjährungsfrist von 20 Jahren für ungeklärte Morde garantiert. Doch die türkische Zivilgesellschaft hält das Andenken an Babaoğlu lebendig. Im März 2015 etwa gab es in Istanbul eine Demonstration zum 21. Jahrestag seines Verschwindens. Am 30. August meldete Reporter ohne Grenzen seinen Fall an die UN-Arbeitsgruppe zu gewaltsamem oder unfreiwilligem Verschwindenlassen.