Pawel Scheremet | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
Ukraine

Pawel Scheremet

ermordet am 22. Juli 2016

© picture alliance / dpa / Alexey Filippov

Pawel Scheremet, ein belarussischer Journalist, der in Kiew lebte, wurde am Morgen des 20. Juli 2016 durch eine Autobombe getötet. Die Polizei eröffnete ein Ermittlungsverfahren, der Generalstaatsanwalt nannte als plausibelstes Motiv Rache für Schweremets journalistische Aktivitäten. Innenminister Arsen Awakow schloss eine Beteiligung Russlands an der Tat nicht aus.

Der mehrfach preisgekrönte Journalist begann seine Karriere in Belarus, wo er mehrere unabhängige Medien mit aufbaute. Als Kritiker von Präsident Alexander Lukaschenko verbrachte er mehrere Monate im Gefängnis, bevor er nach Russland ging. 2014 begann er die Propaganda des Kreml über die Ukraine zu kritisieren und kündigte seine Stelle bei einem russischen Fernsehsender. Zuletzt arbeitete er in Kiew für Radio Westi und die Nachrichtenseite Ukrajinska Prawda.

Es ist nicht klar, ob Scheremet selbst das Ziel des Mordanschlags war, denn das Auto gehörte seiner Partnerin, der Eigentümerin von Ukrajinska Prawda. Die Seite ist bekannt für ihre Unabgängigkeit und ihre investigativen Recherchen zu sensiblen Themen wie Korruption. Ihr Gründer Georgij Gongadse war im Jahr 2000 ermordet worden.

Das Journalistennetzwerk OCCRP deckte im Mai 2017 in einer Online-Dokumentation schwere Versäumnisse in den Ermittlungen auf und nannte Anzeichen dafür, dass der ukrainische Geheimdienst in die Ermittlungen involviert ist.

Am dritten Jahrestag des Mordes im Juli 2019 forderte der OSZE-Beauftragte für Medienfreiheit, Harlem Désir, die vollständige Aufklärung des Mordes. Wenige Tage zuvor hatte der neue ukrainische Präsident Wolodimir Selenski das Führungspersonal der Strafverfolgungsbehörden einbestellt, um sich über die Fortschritte in den Mordermittlungen informieren zu lassen, und betont, es gebe noch immer mehr Fragen als Antworten.