Libanon

Samir Kassir

Ermordet am 2. Juni 2005

Der französisch-libanesische Journalist Samir Kassir arbeitete in Beirut als Kolumnist für die libanesische Tageszeitung An-Nahar, Reporter für den französischen Fernsehsender TV5 und Autor für Le Monde Diplomatique. Sein Fall ist charakteristisch für die tief verwurzelte Kultur der Straffreiheit im Libanon.

Als Kassir am 2. Juni 2005 durch eine in seinem Auto platzierte Bombe ermordet wurde, löste dies Empörung im In- und Ausland aus. Der Journalist war bekannt für seine Kritik sowohl an der syrischen Einmischung im Libanon als auch am libanesischen „Polizeistaat“. In der Folge wurde er oft bedroht und ständig von libanesischen oder syrischen Geheimdiensten verfolgt. Kassir galt auch als einer der führenden Intellektuellen des Libanon; seine Essays wurden weithin geachtet. Mit seiner Ermordung begann eine Serie von Anschlägen auf einflussreiche Journalisten und prominente Politiker.

Obwohl drei Untersuchungen zum Tod Kassirs angestrengt wurden, fand keine davon die Verantwortlichen. Reporter ohne Grenzen schloss sich den Ermittlungen in Frankreich als Nebenklägerin an und hat wiederholt gefordert, die Hintergründe des Falls aufzuklären.

Die Familie des Ermordeten, darunter seine als Journalistin für das arabische BBC-Programm arbeitende Witwe Gisele El-Khouri, gründete 2006 die Samir Kassir Foundation und 2007 das SKeyes Center for Media and Cultural Freedom. Auf diese Weise wollen sie den Einsatz für Medienfreiheit, für den Kassir sein Leben ließ, weiterführen und sein intellektuelles Erbe erhalten.

Derzeit hofft Kassirs Familie darauf, dass das UN-Sondertribunal für den Libanon, das vor allem die Ermordung des libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri 2005 untersuchen soll, sein Mandat auf den Fall des ermordeten Journalisten ausweitet. Sollte dies nicht geschehen, wird sich die Familie erneut an die französische Justiz wenden.