Hilfe für Journalistinnen und Journalisten in Afghanistan

Reporter ohne Grenzen (RSF) ist weiter in größter Sorge um Journalistinnen und Journalisten in Afghanistan. Mit dem endgültigen Abzug der US-Armee aus Afghanistan ist die Bedrohungslage für Betroffenen vor Ort noch größer geworden. Das zeigen auch die Gespräche von RSF mit den betroffenen Journalistinnen und Journalisten. Demnach hat sich die Sicherheitslage vor Ort massiv verschlechtert und die Taliban suchen intensiv nach Personen. Auch die finanziellen Schwierigkeiten für Medienschaffende durch ein fehlendes Einkommen und steigende Preise nehmen zu. Die psychische Belastung ist für viele kaum noch auszuhalten und die Zahl der Suizidversuche steigt.

Trotzdem geht die Rettung afghanischer Medienschaffender durch die Bundesregierung weiter zu schleppend voran. RSF erinnert daran, dass eine zu langsame Bearbeitung Menschenleben kosten kann. Die Organisation kritisiert insbesondere die weiter unklaren Aussagen der Bundesregierung dazu, ob lediglich die Kernfamilien der betroffenen Journalistinnen und Journalisten aufgenommen werden können oder die Zusage auch darüber hinausgeht. Als Kernfamilie zählt der Partner oder die Partnerin sowie Kinder unter 18 Jahren. Eltern gehören nicht dazu. RSF erinnert daran, dass nicht nur einzelne Medienschaffende und ihre Kernfamilien, sondern in der Regel der ganze Haushalt gemeinsam gefährdet ist. Das Risiko für die Familie kann sogar steigen, wenn die Taliban, die teils von Haus zu Haus gehen, die gesuchte Person nicht antreffen.

Nicht nachvollziehbar bleibt die Entscheidung, die Liste des Auswärtigen Amtes an das Bundesinnenministerium (BMI) zu „schließen“, wodurch nach einem bestimmten Stichtag keine Fälle mehr aufgenommen werden können. Noch immer erreichen RSF täglich verzweifelte Hilferufe afghanischer Journalistinnen und Journalisten, die es nicht geschafft haben, mit einem Evakuierungsflug aus Kabul gerettet zu werden oder in Drittstaaten Gefahr laufen, aufgegriffen und nach Afghanistan zurückgeschickt zu werden. RSF wird trotz „Schließung“ der Liste durch das Auswärtige Amt und BMI weiterhin alle Anfragen prüfen und sie auf die eigene Liste der Organisation setzen. Bitte unterstützen Sie jetzt unsere Hilfsaktion mit einer Spende!

Videointerview mit dem Journalisten Ahmad Wahid Payman. Er konnte Afghanistan mit Hilfe von Reporter ohne Grenzen Anfang September verlassen.

Zeigen Sie Solidarität mit Journalistinnen und Journalisten in Afghanistan.

Erfreulich ist zwar, dass das Bundesinnenministerium inzwischen entschieden hat, 2600 besonders schutzbedürftige Personen und ihren Familien Aufnahmezusagen auszustellen. Zudem stehen offenbar alle von RSF übermittelten Fälle auf dieser Liste. Jedoch ist auch hier unklar, ob die Zusage auch über die Kernfamilien der Medienschaffenden hinausgeht. Dazu hat die Organisation widersprüchliche Auskünfte erhalten. Auch geht die Benachrichtigung der Betroffenen nur schleppend voran.

RSF prüft zudem weitere Möglichkeiten, den Betroffenen vor Ort und im Exil zu helfen. Die Organisation hat den UN-Sicherheitsrat aufgefordert, eine Sondersitzung abzuhalten, um die lebensgefährliche Situation von Medienmitarbeitenden zu erörtern und einen Notfallplan zu erarbeiten. Der Plan sollte unter anderem Hilfe für Medienschaffende umfassen, die Afghanistan verlassen wollen, insbesondere vereinfachte Verfahren zur Erlangung von Visa und zur Übernahme der Reisekosten. Zudem sollte ein Fonds eingerichtet werden, der den unmittelbaren Bedarf afghanischer Journalistinnen, Journalisten und Medien deckt, egal wo sie sich aufhalten.

RSF wird weiter alle Hebel in Bewegung setzen, um afghanische Medienschaffende außer Landes zu bringen. Bitte unterstützen Sie unsere Hilfsaktion für Journalistinnen und Journalisten in Afghanistan. Sie schweben in akuter Lebensgefahr. Gemeinsam können wir ein Zeichen der Solidarität setzen. Bitte spenden Sie jetzt! 

 

Kontakt Koordination der Nothilfeanfragen aus Afghanistan:

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Tel: +49 160 99552626

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