Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai stellt Reporter ohne Grenzen die aktuelle Liste der 37 gröĂten Feinde der Pressefreiheit vor. Sie sind StaatsprĂ€sidenten, Minister, Könige, GuerillafĂŒhrer und Bosse krimineller Organisationen. Zu ihnen zĂ€hlen Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin, Tunesiens Staatschef Ben-Ali, Nepals König Gyanendra, WeiĂrusslands PrĂ€sident Alexander Lukaschenko, Kubas Staatschef Fidel Castro, islamistische Gruppen im Irak und Afghanistan oder ParamilitĂ€rs in Kolumbien.
Sie besitzen die Macht, Medien zu schlieĂen, Journalisten ins GefĂ€ngnis zu werfen, zu entfĂŒhren, zu foltern oder gar zu ermorden. Dank ihrer Position werden sie dafĂŒr in der Regel nicht bestraft und nicht einmal angeklagt.
âDiese Gewalt schrĂ€nkt die Arbeit von Journalisten und damit den Zugang zu freier Information in zahlreichen LĂ€ndern der Erde dramatisch einâ, sagt Michael Rediske, Vorstandssprecher von Reporter ohne Grenzen. âUnzensierte Nachrichten aber sind Grundpfeiler jeder Demokratie und zudem ein Menschenrecht. Dies zu achten fordern wir von allen Regierungen und Machthabern.â
In dem ebenfalls am 3. Mai erscheinenden Jahresbericht macht Reporter ohne Grenzen zudem darauf aufmerksam, dass 2005 das tödlichste Jahr fĂŒr Medienleute seit ĂŒber einem Jahrzehnt war: 63 kamen ums Leben, die meisten im Irak. Mit ĂŒber 1.000 Medien wurden 60 Prozent mehr als im Vorjahr zensiert und verboten. Allein in diesem Jahr wurden schon 16 Journalisten wegen oder wĂ€hrend ihrer Arbeit getötet, 119 sind derzeit hinter Gittern.
âWeltweit sind Journalisten und Medien mehr bedroht denn je. Gewalt und Restriktionen nehmen massiv zu, Journalisten werden immer hĂ€ufiger zu Zielscheibenâ, erlĂ€utert Rediske.
Der Irak bleibt das gefĂ€hrlichste Land fĂŒr Journalisten. Seit Kriegsbeginn im MĂ€rz 2003 kamen dort 87 Journalistinnen und Journalisten ums Leben; in diesem Jahr allein sechs. Aber auch auf den Philippinen, in Nepal, Usbekistan und WeiĂrussland hat sich die Lage weiter verschlechtert. Auf den Philippinen wurden 2005 sieben Journalisten ermordet. In Nepal hat König Gyanendra zahlreiche Journalisten ins GefĂ€ngnis und die unabhĂ€ngigen Medien zum Schweigen gebracht. Er ist damit fĂŒr ĂŒber die HĂ€lfte der weltweiten Zensur- und VerbotsfĂ€lle verantwortlich. In und aus Usbekistan kann nach dem Massaker an Demonstranten vom Mai 2005 nicht mehr frei berichtet werden. Das Land ist inzwischen fĂŒr auslĂ€ndische Medien kaum noch zugĂ€nglich. In WeiĂrussland gibt es ebenfalls so gut wie keine unabhĂ€ngigen Stimmen mehr. Rund um seine Wiederwahl vom MĂ€rz 2006 hat PrĂ€sident Alexander Lukaschenko zahlreiche Zeitungen schlieĂen sowie in- und auslĂ€ndische Journalisten verhaften lassen. In Russland sind die elektronischen Medien inzwischen wieder komplett unter staatlicher Kontrolle, auf die verbliebenen unabhĂ€ngigen Zeitungen und Zeitschriften wird massiver Druck ausgeĂŒbt.
Auch in LĂ€ndern der EU und in Nordamerika wird Pressefreiheit eingeschrĂ€nkt. âZwar ist die Situation hier nicht mit der in LĂ€ndern wir Myanmar oder Syrien zu vergleichenâ, so Rediske. âDoch die Angriffe auf den Quellenschutz und die sich hĂ€ufenden Durchsuchungen von RedaktionsrĂ€umen zeigen, dass auch in den USA, Frankreich oder Deutschland Medienfreiheit immer wieder verteidigt werden muss.â
Ăberwachung und Zensur des Internets betreiben weiterhin LĂ€nder wie China, Iran, Kuba, Malediven, Tunesien und Vietnam massiv. Dabei sind die Methoden unterschiedlich: WĂ€hrend in Kuba der Kauf eines Computers streng reglementiert ist, greifen etwa China, Vietnam und Tunesien auf ausgeklĂŒgelte Filter- und Ăberwachungssysteme und auf westliche Hilfe zurĂŒck. Vor allem US-amerikanische Firmen wie Yahoo, Microsoft und Google unterstĂŒtzen zum Beispiel China bei den MaĂnahmen. So hat Yahoo in China bei der Verhaftung von mindestens drei Internet-Dissidenten mitgewirkt und Google stellt eine zensierte Suchmaschine zur VerfĂŒgung.
Zur Liste der 37 gröĂten Feinde der Pressefreiheit.
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Katrin Evers
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