ROG-Brief an EU-RatsprĂ€sidenten: Inhaftierte iranische Journalisten brauchen UnterstĂŒtzung

Zu Beginn der EU-RatsprĂ€sidentschaft der Tschechischen Republik fordert Reporter ohne Grenzen (ROG) den tschechischen MinisterprĂ€sidenten Mirek TopolĂĄnek auf, sich fĂŒr inhaftierte Blogger und Journalisten im Iran einzusetzen.

In einem Brief vom 6. Januar 2008 appelliert der ROG-GeneralsekretĂ€r Jean-François Julliard an den neuen EU-RatsprĂ€sidenten TopolĂĄnek, „alles aufzubieten, um die Entlassung von elf Bloggern und Journalisten, die zur Zeit im Iran im GefĂ€ngnis sind, zu erreichen.“ Tschechien hat am 1. Januar 2009 die EU-RatsprĂ€sidentschaft fĂŒr die kommenden sechs Monate ĂŒbernommen.

„Im Jahr 2008 hat sich die Islamische Republik Iran im Nahen Osten wieder einmal als das Land mit den stĂ€rksten Repressionen gegen Journalisten und Blogger erwiesen“, heißt es in dem Brief. Medienmitarbeiter und Internetaktivisten seien Opfer andauernder Schikanen. „Zur Zeit sind fĂŒnf Blogger und sechs Journalisten wegen ihrer Publikationen in Haft.

DarĂŒber hinaus gibt es seit Dezember 2008 immer wieder EinschĂŒchterungsversuche gegenĂŒber Menschenrechtsaktivisten. "Wir haben die iranische Regierung schon mehrere Male aufgefordert, Journalisten und politische HĂ€ftlinge frei zu lassen und deren AnwĂ€lte nicht in der Arbeit zu behindern. Da sie schweigen mĂŒssen, wenden wir uns an Sie - in der Hoffnung, dass Sie unser Anliegen bei Ihren Teheranern GesprĂ€chspartnern vorbringen können“, schreibt Jean-François-Julliard an Mirek TopolĂĄnek.

Im Dezember haben Milizen, die von den „WĂ€chtern der Revolution“ mobilisiert wurden, in Teheran gegen die israelischen Angriffe auf Gaza demonstriert. Am 1. Januar, stellten sich etwa 100 von ihnen auch vor dem Haus der AnwĂ€ltin und FriedensnobelpreistrĂ€gerin Schirin Ebadi auf. Sie skandierten feindliche Slogans gegen Ebadi und gegen das von ihr geleitete „Zentrum der Verteidiger der Menschenrechte“.

Bereits am 21. Dezember hatte die iranische Polizei die BĂŒros des Zentrums geschlossen: Die Organisation habe nicht die Erlaubnis des Innenministers „AktivitĂ€ten auszuĂŒben“, lautete die BegrĂŒndung fĂŒr die Schließung. Am 29. Dezember wurde außerdem Ebadis AnwaltsbĂŒro durchsucht. Die EuropĂ€ische Union, die Vereinten Nationen und Staaten wie Kanada und die USA haben das Vorgehen und die Drohungen gegen Schirin Ebadi und ihre Familie verurteilt.

In dem Brief fordert ROG die Freilassung der Blogger Hossein Derakhshan (http://www.hoder.com), Davoud Azadfar (http://www.azadfarkurd.blogfa.com/), Esmail Jafariojtaba (http://www.poutin.blogfa.com), Mojtaba Lotfi sowie der Cyberfeministin Shahnaz Gholami (http://azarwomen.blogfa.com). Jafari, Lotfi und Gholami wurden wegen ihrer Online-Veröffentlichungen verhaftet und zu GefĂ€ngnisstrafen von fĂŒnf Monaten bis vier Jahren verurteilt. Das Schicksal von Hossein Derakhshan sowie Davoud Azadfar ist unbekannt.

Unter den sechs inhaftierten Journalisten ist der jĂŒngst festgenommene Bahman Totonchi: Am 18. November 2008 verhafteten Beamte des Ministeriums fĂŒr Nachrichtenwesen und Sicherheit den ehemaligen Mitarbeiter des Wochenmagazins Karfto an seinem Wohnsitz in Sanandaj, der Hauptstadt der nordwestlichen Provinz Kurdistan. Dort wird der Journalist in einem GefĂ€ngnis der Geheimdienste festgehalten - noch ist ungewiss, was mit ihm passiert. Sein Kollege Kaveh Javanmard wurde am 17. Mai 2007 von der zweiten Kammer des Gerichtes von Sanandaj zu zwei Jahren GefĂ€ngnis verurteilt.

Der Journalist Mohammad Sadegh Kabovand wird seit Juli 2007 im Evin-GefĂ€ngnis in Teheran festgehalten, sein Gesundheitszustand ist kritisch. Am 23. Oktober 2008 hat das Berufungsgericht von Teheran die Verurteilung des Leiters der Wochenzeitung Payam-e mardom-e Kurdestan zu elf Jahren GefĂ€ngnis bestĂ€tigt. Kabovand hatte lediglich eine Vereinigung zur Verteidigung der Menschenschrechte in Kurdistan gegrĂŒndet - in den Augen der Richter ein ausreichender Straftatbestand.

Am 15. Oktober 2008 wurde der unbhĂ€ngige kurdische Journalist Massoud Kurdpoor zu einem Jahr GefĂ€ngnis verurteilt: „Öffentlichkeitsarbeit gegen das Regime wĂ€hrend Interviews mit auslĂ€ndischen und feindlichen Medien“ lautete die Anklage gegen Kurdpoor. Der Journalist hatte verschiedenen auslĂ€ndischen Radiowellen - Voice of America, Radio France Internationale, Deutsche Welle - Interviews gegeben, in denen er die Verschlechterung der Menschenrechtssituation in Kurdistan beklagt hatte.

Mohammad Hassin Falahieh Zadeh wurde im November 2006 festgenommen und am 29. April 2007 zu drei Haft wegen „Spionage“ verurteilt. Vom 5. bis 19. Oktober 2008 versuchte der Redakteur mit einem Hungerstreik, eine Revision seines Urteils zu erreichen.

Mohammad Hassin Falahieh Zadeh hat fĂŒr das arabische Programm des staatlichen Fernsehsenders Al-Alam sowie fĂŒr zahlreichre arabische Medien wie die libanesische Tageszeitung Al-Mustaqbal, Abu Dhabi TV oder Radio Dubai gearbeitet. Er ist derzeit der am lĂ€ngsten inhaftierte Journalist in iranischen GefĂ€ngnissen.

Das Todesurteil gegen den Journalisten Adnan Hassanpour wurde am 4. Dezember 2008 durch den Obersten Gerichtshof von Teheran aufgehoben. Der kurdische Journalist wurde am 25. Januar 2007 vor seinem Haus festgenommen. Hassanpour wurde wegen „umstĂŒrzlerischen AktivitĂ€ten gegen die nationale Sicherheit“ angeklagt.

Die Teheraner Richter kamen bei ihrer ÜberprĂŒfung des Urteils zu der EinschĂ€tzung, dass Hassanpour nicht als ein „mohareb“ (Feind Gottes) betrachtet werden könne. Sein Fall wurde anschließend an das Gericht der ersten Instanz von Sanandaj zurĂŒckverwiesen. Der 26-jĂ€hrige Journalist ist immer noch im GefĂ€ngnis.

Weitere Informationen:
Anja Viohl
Tel.: 030 615 85 85
Opens window for sending email