China

Dem chinesischen Video-Journalisten Guan Heng droht Abschiebung aus den USA

Dem chinesischen Video-Journalisten Guan Heng droht Abschiebung aus den USA
Foto: YouTube
Guan Heng in einem Online-Video, das seine Reisen durch die chinesische Provinz Xinjiang dokumentiert

Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert die Regierung der Vereinigten Staaten auf, das Abschiebungsverfahren gegen den chinesischen Staatsangehörigen Guan Heng einzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Guan hat sein Leben riskiert, um in seinen Videos über die Internierungslager für ethnische Uigur*innen in der chinesischen Provinz Xinjiang zu informieren – einer Region, aus der kaum Informationen nach außen dringen. Sollte er nach China abgeschoben werden, drohen ihm staatliche Repression und eine Gefängnisstrafe.

Im Jahr 2020 filmte Guan Heng über mehrere Stunden hinweg mutmaßliche Internierungslager sowie Hinweise auf Misshandlungen der uigurischen Minderheit in Xinjiang. Im Jahr 2021 floh er aus China und gelangte schließlich allein mit einem Boot nach Florida. Nach seiner Ankunft in den USA veröffentlichte er sein Filmmaterial umgehend auf YouTube und stellte nur wenige Wochen später einen Asylantrag. 

Im August 2025 wurde er von Mitarbeitenden der amerikanischen Einwanderungs- und Zollbehörde Immigration and Customs Enforcement (ICE) in der Nähe von Albany im Bundesstaat New York festgenommen. Dort lebte er, während über seinen Asylantrag entschieden wurde. 

Im Dezember gab ICE die Mitteilung heraus, Guan Heng nach Uganda abzuschieben – ein Schritt, der ihn transnationaler Verfolgung und einer möglichen späteren Abschiebung nach China ausgesetzt hätte. Dazu kam es jedoch nicht. Am 12. Januar 2026 soll er erneut vor einem Einwanderungsgericht erscheinen; der zuständige Richter könnte ihm auch Asyl gewähren.

„RSF ist entsetzt darüber, dass die US-Regierung versucht, Guan Heng abzuschieben“, sagt Clayton Weimers, Leiter des US-Büros von RSF.  „Seine Arbeit hat die Unwahrheiten entlarvt, die von der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) über diese Lager verbreitet werden. Ohne Guans Beiträge hätten US-amerikanische Medien große Schwierigkeiten gehabt, über diese Lager zu berichten.“ Das Außenministerium unter Präsident Donald Trump selbst bestätigt, dass die KPC in Xinjiang Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord begangen hat. „Es wäre unvorstellbar, Guan dem Risiko auszusetzen, wieder in ihre Hände zu fallen. Ihm muss in den Vereinigten Staaten Asyl gewährt werden.“

Die von Guan Heng veröffentlichten Materialien erwiesen sich als von unschätzbarem Wert für das weltweite Verständnis der Situation in Xinjiang und für die Fähigkeit von Journalist*innen, über den Völkermord an den Uigur*innen zu berichten – insbesondere, weil kaum noch Information aus der Region nach außen dringt. Unabhängigen Medien wird der Zugang verwehrt. Laut Reporter*innen von BuzzFeed News, die für ihre Berichterstattung über Xinjiang mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurden, „lieferte Herr Guan unter hohem persönlichem Risiko entscheidende Beweise für unsere Recherchen“. Sie nannten seinen Mut „außergewöhnlich“.

Seit 2016 führt Peking in der Provinz Xinjiang im Namen des „Kampfs gegen den Terrorismus“ eine gewaltsame Repressionskampagne durch, die von internationalen Beobachter*innen und dem US-Außenministerium als „Völkermord“ eingestuft wird. Davon ist nicht nur die uigurische Gemeinschaft betroffen. Nach der jüngsten Zählung von RSF sind in Xinjiang 79 Journalist*innen inhaftiert, darunter auch der Sacharow-Preisträger Ilham Tohti. Journalist*innen, die aus dem Ausland über Menschenrechtsverletzungen berichten wollen, sehen sich häufig mit transnationaler Repression konfrontiert.

In China sitzen weltweit die meisten Journalist*innen in Haft. Auf der Rangliste der Pressefreiheit 2025 belegt China Platz 178 von 180 Ländern. 

Mehr über die Situation der Pressefreiheit in China finden Sie hier: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/laender/87/china