Türkei

Festnahme und Abschiebungsandrohung gegen den französischen Journalisten Raphaël Boukandoura alarmieren RSF

Festnahme und Abschiebungsandrohung gegen den französischen Journalisten Raphaël Boukandoura alarmieren RSF
© picture alliance / Russian Look | Maksim Konstantinov
Der französische Journalist Raphaël Boukandoura wurde in der Türkei festgenommen.

Update, 21.01.16: Raphael Boukandoura wurde mittlerweile freigelassen. Wir teilen die Freude seiner Familie und seiner Medienkolleg*innen, für die er arbeitet. Seine Freilassung beendet drei belastende Tage in Haft. Der Journalist, der lediglich seine Arbeit tat, hätte gar nicht erst festgenommen werden dürfen.

Reporter ohne Grenzen (RSF) zeigt sich zutiefst besorgt über die Festnahme des französischen Journalisten Raphaël Boukandoura. Er wurde am 19. Januar in Polizeigewahrsam genommen, während er über einen Protest in Istanbul berichtete. Dem in der Türkei ansässigen Korrespondenten von Ouest-France, Mediapart und Courrier international wurde mit Abschiebung gedroht – eine vollkommen willkürliche Maßnahme.

„Es ist inakzeptabel, dass dem französischen Journalisten Raphaël Boukandoura nach seiner Ingewahrsamnahme mit Abschiebung gedroht wird, nur weil er über einen Protest in Istanbul berichten wollte. Raphaël Boukandoura besitzt eine unbefristete Presseakkreditierung und lebt seit langer Zeit in der Türkei. Er ist ein erfahrener Journalist, berichtet regelmäßig über tagesaktuelle Ereignisse und darf nicht wie ein Krimineller behandelt werden. Dieses schwerwiegende und empörende Unrecht muss korrigiert werden“, sagt der türkische RSF-Repräsentant Erol Önderoglu.

Seine Festnahme und die anschließende Abschiebedrohung erfolgen vor dem Hintergrund eines wachsenden Drucks auf Journalist*innen in der Türkei – insbesondere auf jene, die über soziale und politische Bewegungen berichten. Journalistische Arbeit zu kriminalisieren, stellt einen direkten Angriff auf die Pressefreiheit dar. Dabei sollte diese durch internationale Abkommen garantiert sein, denen auch die Türkei beigetreten ist.

Raphaël Boukandoura ging seiner journalistischen Arbeit nach, als er über eine von der prokurdischen DEM-Partei ausgerufene Demonstration im Stadtteil Sarıgazi am südlichen Stadtrand Istanbuls berichten wollte. Der Protest war von den Behörden als „nicht genehmigt“ eingestuft worden. Noch in der Nacht seiner Festnahme wurde er von der Sicherheitsdirektion Sarıgazi verhört – wobei er klar zu erkennen gab, dass er Journalist ist. 

Derzeit sind drei Journalisten in der Türkei inhaftiert. Das Land belegt Platz 159 von 180 auf der Rangliste der Pressefreiheit