Im Süden Gazas sind am Mittwoch (21.01.) drei Journalisten durch einen Angriff der israelischen Armee getötet worden. Seit Oktober gilt im Gazastreifen eine brüchige Waffenruhe. Reporter ohne Grenzen (RSF) ruft die israelischen Behörden dazu auf, Journalist*innen endlich besser zu schützen, und dringt weiter auf eine transparente Untersuchung dieser und früherer Tötungen.
„Die israelische Armee verfügt über die Technik, jedes ihrer angegriffenen Ziele genau zu identifizieren“, sagt RSF-Nahost-Referent Christopher Resch. „Wir müssen deshalb davon ausgehen, dass die Tötung der drei Journalisten zumindest billigend in Kauf genommen wurde. Die israelische Armee hat nach dem Völkerrecht die Pflicht, Journalist*innen zu schützen – andernfalls handelt es sich um Kriegsverbrechen.“
Nach RSF-Informationen arbeiteten die Getöteten regelmäßig als Fotojournalisten und Videoreporter für internationale Nachrichtenagenturen. Abdul Raouf Shaath habe seit 2024 mehrfach als Foto- und Videojournalist für die französische AFP gearbeitet, hieß es seitens der Agentur. Zum Zeitpunkt des Angriffs sei er aber nicht in ihrem Auftrag unterwegs gewesen. Sein letzter Bericht in ihrem Auftrag sei am Montag veröffentlicht worden. Zudem hat er für CBS News aus den USA gearbeitet.
Mohammed Kaschta hatte während des Krieges für Al-Dschasira (al-Jazeera) und palästinensische Medien in Gaza gearbeitet und berichtete zuletzt auf seinem Telegram-Kanal für das Egyptian Relief Committee, eine staatliche ägyptische Hilfsorganisation. Anas Ghanem, der dritte Getötete, arbeitete als Freelancer und erstellte unter anderem für das im Gazastreifen tätige Medienhaus Smart Media Drohnenaufnahmen. Die israelische Armee gab an, sie habe Verdächtige angegriffen, die eine „mit der Hamas in Verbindung stehende Drohne“ gesteuert hätten.
Bei Angriffen der israelischen Armee sind seit dem 7. Oktober 2023 über 220 palästinensische Journalist*innen ums Leben gekommen. Nach RSF-Informationen sind mindestens 65 davon im direkten Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden, einige sogar gezielt. Mit Ausnahme von sporadischen „Embeds“ – geführten Touren mit der israelischen Armee – sind internationale Journalist*innen weiter aus Gaza ausgeschlossen. Diese Totalblockade ist nach Angaben von Reporter ohne Grenzen ohne Beispiel.
Auf der RSF-Rangliste der Pressefreiheit stehen die Palästinensischen Gebiete auf Rang 163, Israel auf Rang 112.
