Am Donnerstag, 22. Januar, wurde die Journalistin Frenchie Mae Cumpio im Prozess wegen Terrorfinanzierung schuldig gesprochen. Ihr – und vier weiteren Menschenrechtsverteidiger*innen – drohen damit zwölf bis 18 Jahre Gefängnis. Reporter ohne Grenzen (RSF) und die #FreeFrenchieMaeCumpio-Koalition sehen in dem Urteil ein Versagen der philippinischen Justiz und einen Angriff auf die Pressefreiheit. Der Schuldspruch wegen „Finanzierung von Terrorismus“ beruht auf offensichtlich fabrizierten Vorwürfen.
Frenchie Mae Cumpio, die am Freitag 27 Jahre alt wird, befindet sich seit Februar 2020 in Haft. Damals wurde sie gemeinsam mit vier Menschenrechtsverteidiger*innen festgenommen, darunter ihre Mitbewohnerin Marielle Domequil. Zum Zeitpunkt ihrer Festnahme war Cumpio geschäftsführende Direktorin der Nachrichtenseite Eastern Vista sowie Nachrichtenmoderatorin beim Radiosender Aksyon Radyo-Tacloban DYVL. In dieser Funktion berichtete sie umfassend über mutmaßliche Übergriffe von Polizei und Militär sowie über soziale und gemeinwohlbezogene Themen in ihrer Region.
Der Fall von Frenchie Mae Cumpio ist ein besonders deutliches Beispiel für das sogenannte Red-Tagging auf den Philippinen – eine Praxis, bei der Journalist*innen, die zu politisch sensiblen Themen recherchieren, als „subversiv“ oder sogar als „Terrorist*innen“ gebrandmarkt werden.
„Wir sind entsetzt über dieses Urteil. Unsere Recherchen sowie die von den Anwält*innen vorgelegten Beweise zeigen eindeutig, dass dieser Fall von Anfang an konstruiert wurde“, sagt Aleksandra Bielakowska, Advocacy-Managerin im Asien-Pazifik-Büro von RSF. „Die Verurteilung von Frenchie Mae Cumpio stellt ein Versagen des philippinischen Justizsystems dar und offenbart die eklatante Missachtung der Pressefreiheit durch die Behörden. Dieses Urteil macht die systemischen Probleme im Land deutlich und unterstreicht den dringenden Bedarf an umfassenden Reformen. Wir erneuern unseren Appell an Präsident Ferdinand Marcos Jr., dieses Unrecht zu beenden und Frenchie Mae Cumpio umgehend freizulassen.“
Als internationales Symbol des Kampfes für die Pressefreiheit hat Frenchie Mae Cumpio während ihrer ungerechtfertigten Inhaftierung weltweite Unterstützung erfahren. Im September 2025 forderten 250 Journalist*innen aus aller Welt Präsident Marcos eindringlich auf, Schritte zu ihrer Freilassung zu unternehmen. Sie betonten, dass Cumpio exemplarisch für die zentrale Rolle des Journalismus bei der Aufdeckung von Machtmissbrauch und der Verteidigung demokratischer Werte stehe.
Irene Khan, Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für Meinungsfreiheit, hat Gerechtigkeit für Frenchie Mae Cumpio gefordert und ihre Bestürzung über die unverhältnismäßig lange Untersuchungshaft zum Ausdruck gebracht. Die UN-Beauftragte besuchte die Journalistin im Januar 2024 im Gefängnis. Im Mai 2025 wurde ihr Fall zudem in die Liste der „10 dringendsten Fälle“ der One Free Press Coalition aufgenommen.
RSF sowie Mitglieder der Koalition – bestehend aus der National Union of Journalists of the Philippines, AlterMidya, dem Committee to Protect Journalists (CPJ) und Free Press Unlimited (FPU) – waren bei der Urteilsverkündung vor Gericht in Tacloban im Osten der Philippinen anwesend.
Die gemeinsame Stellungnahme der #FreeFrenchieMaeCumpio-Koalition zu ihrer Verurteilung finden Sie hier.
Auf der RSF-Rangliste der Pressefreiheit 2025 rangieren die Philippinen auf Platz 116 von 180 Ländern.
