Am 26. Januar wird vor einem slowakischen Gericht zum dritten Mal über die Rolle des Geschäftsmanns Marian Kočner im Doppelmord an dem Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten Martina Kušnírová aus dem Jahr 2018 verhandelt. Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert das Gericht auf, aus den Fehlern der vorherigen Prozesse zu lernen und alle Beweise in der Ermittlungsakte gründlich zu prüfen – im Einklang mit der Entscheidung des Berufungsgerichts.
„RSF fühlt sich den Familien von Ján Kuciak und Martina Kušnírová zutiefst verbunden. Sie warten seit fast acht Jahren darauf, dass der Mord an dem Journalisten und seiner Verlobten endlich aufgeklärt und gerecht geahndet wird“, sagt Pavol Szalai, Direktor des RSF-Büros in Prag, der zum Auftakt des Prozesses an ihrer Seite vor Ort sein wird. „Dies ist eine neue Chance, ein Verbrechen aufzuarbeiten, das die Pressefreiheit in der Slowakei und in Europa erschüttert hat. Wir fordern das Gericht auf, unabhängig im Rahmen des Gesetzes zu urteilen. Europa blickt auf die Slowakei.“
Ján Kuciak, Reporter für Aktuality.sk, hatte investigative Artikel über die kriminellen Aktivitäten von Marian Kočner veröffentlicht. Kočner gilt laut Anklage als Drahtzieher hinter dem Mord. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft gab seine Vertraute Alena Zsuzsová seinen Auftrag über eine vermittelnde Person an eine Killergruppe weiter. Diese tötete den Journalisten und seine Verlobte am 21. Februar 2018 in ihrem Haus in Veľká Mača, einem Dorf nahe der Hauptstadt Bratislava.
Es ist bereits das dritte Mal, dass Marian Kočner in diesem Fall vor Gericht steht. Der Unternehmer – der 2021 wegen Betrugs zu 19 Jahren Haft verurteilt wurde – wurde 2020 und erneut 2023 im Kuciak-Verfahren freigesprochen. Beide Freisprüche hob der Oberste Gerichtshof nach Berufung wieder auf. Immerhin wurde Alena Zsuzsová 2023 dafür verurteilt, den Mord an dem Journalisten in Auftrag gegeben zu haben. Das Gericht ging dabei davon aus, dass sie Marian Kočner, ihrem langjährigen Geschäftspartner, gefallen wollte. Auch drei weitere Männer, die an dem Mord an dem jungen Paar beteiligt waren, sind bereits verurteilt: Der Mittelsmann der mit der Justiz kooperierte, erhielt eine Haftstrafe von 15 Jahren. Die beiden Auftragskiller verbüßen jeweils 25 Jahre.
Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht die Slowakei auf Platz 38 von 180 Ländern.
