China/Hongkong

Reporter ohne Grenzen verurteilt die 20-jährige Haftstrafe gegen Apple-Daily-Gründer Jimmy Lai

Reporter ohne Grenzen verurteilt die 20-jährige Haftstrafe gegen Apple-Daily-Gründer Jimmy Lai
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Kin Cheung
Jimmy Lai

Der britische Staatsbürger Jimmy Lai wurde am 9. Februar 2026 in Hongkong zu 20 Jahren Haft verurteilt, unter anderem wegen angeblicher „Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften“ und der Verschwörung zur Veröffentlichung „aufrührerischer Inhalte“. Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt die Verhängung dieser Haftstrafe gegen den Gründer und Verleger der Zeitung Apple Daily aufs Schärfste. Das Urteil gegen Lai basiert auf konstruierten Vorwürfen nach dem Nationalen Sicherheitsgesetz, das seit Juni 2020 in Kraft ist. 

Angesichts des sich schnell verschlechternden Gesundheitszustands des 78-Jährigen gleicht die Strafe faktisch einem Todesurteil. RSF fordert Regierungen weltweit auf, unverzüglich zu intervenieren, um Lais sofortige und bedingungslose Freilassung zu erreichen. Die Anklage stützte sich auf mehr als 160 Artikel von Apple Daily, die als „staatsgefährdend“ eingestuft wurden. Die Zeitung, einst das größte unabhängige Massenmedium Hongkongs, wurde im Juni 2021 von den Behörden zur Schließung gezwungen. Jimmy Lai war bereits am 15. Dezember 2025 schuldig gesprochen worden, die Strafverkündung jedoch um zwei Monate verzögert.

„Dieses Urteil markiert einen historischen Tiefpunkt für die Pressefreiheit in Hongkong seit der Einführung des Nationalen Sicherheitsgesetztes 2020“, sagt Sören Kittel, Pressereferent Asien bei RSF. „Die drakonische Haftstrafe gegen Jimmy Lai und die Verurteilungen der leitenden Apple-Daily-Mitarbeitenden zeigen, wie weit China geht, um freie Presse einzuschränken. Das Verfahren war von Beginn an offensichtlich politisch motiviert und dokumentiert, wie wenig rechtsstaatliche Standards gelten. Wenn die internationale Gemeinschaft jetzt nicht entschlossen handelt, wird aus Jimmy Lais Haftstrafe mit Sicherheit ein Todesurteil.“

Gemeinsam mit Lai wurden sechs frühere Führungskräfte von Apple Daily zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Weitere Mitangeklagte aus dem prodemokratischen Umfeld erhielten ebenfalls mehrjährige Haftstrafen. Ein weiterer Aktivist wird Berichten zufolge seit 2020 in einer Hochsicherheitsklinik für psychiatrische Fälle festgehalten, wo er offenbar auch gefoltert wurde. 

Lai, der mit dem RSF Press Freedom Award ausgezeichnet wurde, befindet sich seit Dezember 2020 in Haft und wird unter extremen Bedingungen in Isolationshaft gehalten. Er darf sich täglich nur rund 50 Minuten in einem Metallkäfig „frei“ bewegen. Seine Familie berichtet von massivem Gewichtsverlust, ausgefallenen Fingernägeln und verstümmelten Zähnen. Seine Anwälte warnen seit fast zwei Jahren, dass Lais Zustand – weiter verschlimmert durch seine Diabetes – lebensbedrohlich sei und einer Folter gleiche. 

RSF setzt sich seit Lais Festnahme kontinuierlich für die Freilassung aller Apple-Daily-Mitarbeitenden ein. Vertreter*innen der Organisation begleiteten seit Monaten den Prozess vor Ort und international. 2024 wurde eine RSF-Mitarbeiterin auf dem Weg zu einer Gerichtsanhörung in Hongkong festgenommen und ausgewiesen. Im August 2025 schlug RSF gemeinsam mit 72 NGOs Alarm, weil sich Lais Gesundheitszustand massiv verschlechtert hat.

Seit 2020 hat die Hongkonger Regierung mindestens 28 Journalist*innen strafrechtlich verfolgt, acht von ihnen befinden sich derzeit in Haft. In China sitzen derzeit 123 Journalist*innen in Haft. Unsere Online-Petition mit der Forderung, Jimmy Lai unverzüglich freizulassen, finden Sie hier

Hongkong belegt auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen 2025 den Rang 140 von 180. China liegt auf Rang 178. 

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