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Google lässt KI automatisiert Überschriften umformulieren – RSF warnt vor Angriff auf redaktionelle Freiheit

Google lässt KI automatisiert Überschriften umformulieren – RSF warnt vor Angriff auf redaktionelle Freiheit
©: picture alliance / empics
Ein Google-Doodle aus der frühen Zeit von Google.

Reporter ohne Grenzen (RSF) kritisiert ein neues Experiment von Google scharf: Der Konzern testet derzeit eine neue Funktion, bei der KI-Tools eigenständig Schlagzeilen von journalistischen Artikeln in den Suchergebnissen umschreiben. Inhalte, die von Redaktionen erstellt und freigegeben wurden, werden so nachträglich von einem Roboter verändert. RSF fordert Google auf, das Experiment umgehend zu stoppen. Der Fall zeigt einmal mehr, dass Online-Plattformen ohne klare Regulierung bereit sind, journalistische Inhalte eigenmächtig zu verändern.

Google hat diese Praxis erst nach Recherchen von Journalist*innen offengelegt. In diesem Fall waren es Tech-Reporter des Portals The Verge, die am 20. März 2026 offenlegten, dass Artikel in der Google-Suche mit veränderten Überschriften erscheinen. Google bestätigte gegenüber RSF einen „kleinen Test“ und begründet es damit, dass die Inhalte auf diese Art den Nutzer*innen „besser zugänglich“ gemacht würden. Details nannte das Unternehmen nicht. 

Bereits zuvor hatte Google Schlagzeilen angepasst – doch laut The Verge hat sich die Praxis deutlich verändert: Statt kleiner Kürzungen kommt es nun zu inhaltlichen Verschiebungen. So wurde aus einer kritischen Überschrift über ein KI-Tool eine neutrale Aneinanderreihung von Schlagwörtern – ohne einen gesonderten Hinweis darauf, dass diese Formulierung nicht aus der Redaktion stammt.

„Das wichtigste Gut von Journalismus ist die Glaubwürdigkeit“, sagt Sören Kittel, Pressereferent von Reporter ohne Grenzen für KI, „und Google verletzt mit diesem Medien-Experiment die Integrität von journalistischer Arbeit im digitalen Raum.“ Die Grenze zwischen Original und KI-Bearbeitung verschwimme ohnehin schon ständig für Nutzer*innen. „Gerade deshalb ist es entscheidend, dass bei technologischen Innovationen darauf geachtet wird, die redaktionelle Unabhängigkeit von Inhalten zu wahren.“

RSF sieht in dem Vorgehen einen klaren Eingriff in die redaktionelle Unabhängigkeit. Bereits im Dezember 2025 hatte Google Schlagzeilen im personalisierten Feed „Discover“ umgeschrieben – zunächst als Test, seit Januar 2026 dauerhaft. Laut The Verge führten diese Änderungen teils zu irreführenden oder falschen Darstellungen. Journalist Sean Hollister warnte gegenüber RSF, dies könne langfristig sowohl das Vertrauen in Plattformen als auch in Medien untergraben. 

Das Gleiche gilt für die Zusammenfassungen („Übersicht mit KI“), die Google seit einigen Monaten anbietet. Laut einem Bericht der New York Times seien die Ergebnisse, die dort zusammengefasst werden, bei neun von zehn Anfragen korrekt. Jedoch schleichen sich immer wieder Fehler in Zusammenfassungen, die durch Halluzinieren der KI entstehen. Selbst in Fällen, in denen Google eine Webseite als Quelle nennen kann, sind die Antworten nicht zuverlässig richtig. 

Der Fall von Google reiht sich in eine Serie ähnlicher Eingriffe großer Tech-Unternehmen in die journalistische Glaubwürdigkeit ein. Im Dezember 2024 hatte RSF Apple aufgefordert, eine Funktion zur automatischen Zusammenfassung von Nachrichten zu stoppen, nachdem Apple Inhalte der BBC verfälscht dargestellt hatte. Nach öffentlichem Druck setzte Apple das Feature vorübergehend aus.

Die von RSF initiierte „Paris Charter on AI and Journalism“ aus dem Jahr 2023 fordert klare Grenzen für den Einsatz von KI im Umgang mit journalistischen Inhalten. Systeme dürfen demnach Inhalte nicht verändern oder verfälschen, sondern müssen deren Integrität wahren.