Am 1. Juni 2026 verleiht Reporter ohne Grenzen (RSF) in Marseille zum 34. Mal die RSF Press Freedom Awards. Die Preisverleihung findet im Rahmen des 77. World News Media Congress statt. In fünf Kategorien sind 26 Journalist*innen, Fotograf*innen, Medien und Organisationen aus 25 Ländern nominiert, die sich in besonderer Weise für unabhängigen Journalismus, Informationsfreiheit und den Schutz von Medienschaffenden einsetzen.
Fünf Preise für Pressefreiheit
Die Auszeichnung für mutige Berichterstattung (Courage Prize) würdigt Medienschaffende, die trotz Gewalt, Drohungen, Haft oder Zensur weiterarbeiten. Nominiert ist die iranische Journalistin Elnaz Mohammadi von Ham-Mihan, die über die sozialen Folgen der Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“ nach dem Tod von Jina Mahsa Amini berichtete und dafür 2023 wegen angeblicher „Verschwörung“ und „Kollaboration“ zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Nach dem Militärputsch 2021 berichtete der myanmarische Fotojournalist Sai Zaw Thaike aus dem Untergrund weiter, bis er 2023 festgenommen und von einem Militärgericht zu 20 Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt wurde. In Venezuela wurde Carlos Correa, Direktor der Organisation Espacio Público, 2025 verschleppt und mehrere Tage ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten. Der libanesische Journalist Edmond Sassine berichtet für Al-Araby TV von der Front des Krieges mit Israel; am 13. Oktober 2023 war er nur etwa 20 Meter entfernt, als ein Luftangriff eine Gruppe von Journalist*innen traf und den Reuters-Journalisten Issam Abdallah tötete. Gemeinsam nominiert sind die US-Journalist*innen Georgia Fort und Don Lemon, die festgenommen wurden, als sie über einen Protest gegen die Einwanderungsbehörde ICE in Minnesota berichteten.
Die Auszeichnung für Wirksamkeit (Impact Prize) geht an Journalist*innen, Medien oder NGOs, deren Recherchen konkrete Verbesserungen für Pressefreiheit, Unabhängigkeit oder öffentliche Aufmerksamkeit bewirkt haben – nominiert ist unter anderem die Redaktion von Radio Elle FM aus der Demokratischen Republik Kongo. Der Sender berichtet über Frauenrechte, sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch. Das moldauische Investigativmedium Ziarul de Gardă deckte im Vorfeld der Parlamentswahl 2025 ein Netzwerk gefälschter Accounts auf, das pro-russische Propaganda verbreitete. In Indien kämpft die Faktencheck-Plattform Alt News, gegründet von Mohammed Zubair und Pratik Sinha, gegen Desinformation und Hassrede. Der mosambikanische Journalist Carlitos Cadangue recherchierte für Soico Televisão (STV) zu illegalem Bergbau und überlebte Anfang 2026 einen Mordversuch. In Mexiko unterstützt das Colectivo Ave Fénix Angehörige ermordeter und verschwundener Journalist*innen.
Die Auszeichnung für Unabhängigkeit (Independence Prize) würdigt Reporter*innen und Medien, die politischem, wirtschaftlichem oder religiösem Druck standhalten. Nominiert ist Syrian Investigative Reporting for Accountability Journalism (SIRAJ) – das seit 2017 zu Verbrechen des Assad-Regimes und seiner Verbündeten recherchiert – und das Team der Zeitung The Daily Star aus Bangladesch. Zudem nominiert sind die RSF-Korrespondentin und Gründerin von Novyje Liza aus Kirgisistan, Leila Saralajewa, die Gründerin von Futurock aus Argentinien, Julia Mengolini, sowie die Journalistin Maryam Naibkhil aus Afghanistan, die das Frauenmedium Zan TV seit der Rückkehr der Taliban im Exil weiterführt.
Der Mohamed-Maïga-Preis für investigativen Journalismus in Afrika ehrt afrikanische Journalist*innen, die Missstände zu Menschenrechten, Umwelt, Bildung und Informationsfreiheit aufdecken. Nominiert sind Gazali Abdou Tasawa, Niger-Korrespondent der Deutschen Welle (DW), der nach einem Bericht über nigerianische Migrant*innen und Geflüchtete inhaftiert wurde; Hugues Comlan Sossoukpè, Direktor des beninischen Investigativmediums Olofofo, der seit Juli 2025 in Haft sitzt; Habib Marouane Camara, Leiter der Nachrichtenseite Le Révélateur 224 in Guinea, der seit seiner mutmaßlichen Entführung im Dezember 2024 verschwunden ist; Fati Amadou Ali, Direktorin von La Voix de la Tapoa im Südwesten Nigers, die über Ungleichheit und geschlechtsspezifische Gewalt berichtet; sowie Honneur-David Safari, Chefredakteur der Pressegruppe La Prunelle RDC aus der Demokratischen Republik Kongo, der Ende 2025 entführt und schwer verletzt wiedergefunden wurde.
Der Lucas-Dolega-SAIF-Fotopreis würdigt Fotojournalist*innen, die durch ihre Arbeit humanitäre Krisen, Kriege und gesellschaftliche Umbrüche sichtbar machen – darunter Abdul Hakim Abu Riash aus Palästina, Adrienne Surprenant aus Kanada, Arthur Larie aus Frankreich, Diego Herrera aus Spanien, Mustafa Bilge Satkin aus der Türkei, Samir Maouche aus Mali sowie Valentina Sinis aus Italien.
Mehr zur Jury
Der Jury der 34. Ausgabe der Press Freedom Awards gehören unter anderem an: Rana Ayyub, indische Journalistin und Kolumnistin der Washington Post, Raphaëlle Bacqué, Reporterin bei Le Monde, Mazen Darwish, syrischer Anwalt und Präsident des Syrian Center for Media and Freedom of Expression, Zaina Erhaim, syrische Journalistin und Kommunikationsexpertin, Erick Kabendera, tansanischer Investigativjournalist, Frederik Obermaier, Investigativjournalist bei der Süddeutschen Zeitung sowie Sadibou Marong, Leiter des RSF-Afrika-Büros. Den Vorsitz der Jury hat der französische Journalist und Kolumnist Pierre Haski, Präsident von Reporter ohne Grenzen International.
