Türkei

Alican Uludağ aus Gefängnis entlassen – Pressefreiheit in der Türkei weiter unterdrückt

Alican Uludağ aus Gefängnis entlassen – Pressefreiheit in der Türkei weiter unterdrückt
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Der türkische Journalist Alican Uludağ wurde freigelassen.

Reporter ohne Grenzen (RSF) begrüßt die Freilassung des türkischen DW-Korrespondenten Alican Uludağ. Das Gericht ordnete heute Uludağs Entlassung aus dem Marmara-Gefängnis Nr. 9 in Silivri in Istanbul an – von dort aus war er zu der Anhörung zugeschaltet worden. Der nächste Verhandlungstag findet am 18. September statt.

“Wir freuen uns, dass Alican Uludağ das Gefängnis verlassen konnte – doch seine über 90-tägige-Haft ist eine schreiende Ungerechtigkeit. Er hat nur seine Arbeit als Investigativjournalist gemacht und hätte wegen seiner Berichterstattung oder seiner Kommentare keinen einzigen Tag im Gefängnis verbringen dürfen”, sagt RSF-Geschäftsführer Christian Mihr. 

Der Gerichtsreporter war am Abend des 19. Februar in Ankara vor den Augen seiner Familie von etwa 30 Polizisten festgenommen worden; seine Wohnung wurde durchsucht, IT-Geräte wurden beschlagnahmt.

Die Vorwürfe gegen Uludağ bezogen sich auf einen älteren X-Post sowie auf einen Now-TV-Beitrag vom 18. Dezember 2024. Darin hatte er den Umgang der türkischen Justiz mit IS-Rückkehrern kritisiert – konkret ging es um Strafmilderungen für Verurteilte im Zusammenhang mit dem tödlichen Anschlag auf den Istanbuler Flughafen Atatürk 2016.

Die Anklage warf dem Journalisten unter anderem „Beleidigung des Präsidenten“, „öffentliche Verbreitung irreführender Informationen“ und „Verunglimpfung staatlicher Institutionen“ vor. Allein nach Artikel 299 des türkischen Strafgesetzbuches hätten Uludağ bis zu vier Jahre und acht Monate Haft gedroht.

Trotz der positiven Nachricht für den Betroffenen kritisiert RSF die juristischen Einschüchterungsmaßnahmen der türkischen Behörden weiterhin scharf und bedauert, dass Uludağ weiterhin diesem politisch motivierten Verfahren ausgesetzt wird. 

Das Team von Reporter ohne Grenzen ist für Interviewanfragen unter [email protected] bzw. +49 151 7248 0936 zu erreichen.