Die 34. Verleihung der Press Freedom Awards von Reporter ohne Grenzen (RSF) fand am 1. Juni im Rahmen des 77. World News Media Congress in Marseille statt. Mit der Auszeichnung werden jedes Jahr Journalist*innen und Medien gewürdigt, die sich in besonderer Weise für unabhängigen Journalismus, Informationsfreiheit und den Schutz von Medienschaffenden einsetzen.
Für die Auszeichnungen in 2026 waren 26 Journalist*innen, Fotograf*innen, Medien und Organisationen aus 25 Ländern nominiert. Die diesjährige Preisverleihung wurde von RSF-Generalsekretär Thibaut Bruttin moderiert.
Das sind die Preisträger*innen
Sai Zaw Thaike aus Myanmar erhält die Auszeichnung für mutige Berichterstattung (Courage Prize). Der Fotojournalist dokumentiert seit Jahren Menschenrechtsverletzungen in Myanmar und berichtete auch nach dem Militärputsch 2021 weiter im Untergrund über die brutale Repression der Junta. 2023 wurde er festgenommen und von einem Militärgericht zu 20 Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt, derzeit ist er im berüchtigten Insein-Gefängnis in Yangon inhaftiert.
Carlitos Cadangue aus Mosambik wird mit der Auszeichnung für Wirksamkeit (Impact Prize) gewürdigt. Der Journalist des privaten TV-Senders Soico Televisão recherchiert seit Jahren zu den Folgen illegalen Bergbaus – darunter Umweltverschmutzung, Ernteausfälle und Gesundheitsgefahren. Nachdem er seine Recherchen veröffentlichte, wurden Bergbauaktivitäten in der Provinz Manica ausgesetzt, anschließend erhielt Cadangue Drohungen und überlebte im Februar 2026 einen Mordanschlag.
Julia Mengolini aus Argentinien erhält die Auszeichnung für Unabhängigkeit (Independence Prize). Die Gründerin des unabhängigen Online-Radiosenders Futurock wurde 2025 Ziel einer massiven Einschüchterungskampagne – mit Deepfake-Pornografie, Todes- und Vergewaltigungsdrohungen, koordinierter Online-Belästigung und strafrechtlichen Verleumdungsverfahren, die unter anderem Präsident Javier Milei angestoßen hatte. Trotz der Angriffe arbeitet die Journalistin weiter und ist zu einem Symbol für den Widerstand gegen den zunehmenden Druck auf Medienschaffende in Argentinien geworden.
Habib Marouane Camara aus Guinea erhält den Mohamed-Maïga-Preis für investigativen Journalismus in Afrika. Der Journalist und Geschäftsführer der Nachrichtenseite Le Révélateur 224 wurde nach RSF-Informationen am 3. Dezember 2024 von bewaffneten Männern in Gendarmerie-Uniform verschleppt. Seitdem fehlt jede Spur von ihm, die Behörden bestreiten eine Verantwortung.
Abdul Hakim Abu Riash aus Palästina wird mit dem Lucas-Dolega-SAIF-Fotopreis ausgezeichnet. Seine Fotoserie „Gaza’s Agony: War, Hunger, and Loss“ dokumentiert die humanitäre Katastrophe im Gazastreifen: Bombardierungen durch die israelischen Streitkräfte, überlastete Krankenhäuser, Hunger und die Suche nach Vermissten in den Trümmern. Die Bilder machen sichtbar, was Krieg, Hunger und Verlust für die Zivilbevölkerung bedeuten.
Die ausgezeichneten Journalist*innen stehen stellvertretend für all jene, die trotz Gewalt, Haft, Einschüchterung und Exil weiter berichten — und damit das Recht auf Information in ihren Regionen verteidigen.
