Weltumwelttag am 5. Juni

Zehn große Hindernisse für Klimajournalist*innen

Zehn große Hindernisse für Klimajournalist*innen
© picture alliance / dpa / Joao Gabriel Alves
„Gerechtigkeit für Dom & Bruno“: Vor genau einem Jahr wurden der britische Journalist Dom Phillips und der brasilianische Indigenen-Experte Bruno Pereira im Amazonasgebiet ermordet.

Belästigt, bedroht, getötet – wer über Umweltthemen berichtet, setzt sich großen Risiken aus. Anlässlich des Weltumwelttags am 5. Juni macht Reporter ohne Grenzen (RSF) auf die zehn häufigsten Bedrohungen für die Umweltberichterstattung aufmerksam. RSF fordert einen besseren Schutz für Journalist*innen und eine Stärkung des Rechts auf verlässliche Informationen. Beides sind Voraussetzungen für wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel.

„Wir können als Gesellschaft nicht glaubhaft die Umwelt verteidigen, während wir zugleich zulassen, dass Journalist*innen bedroht, schikaniert und getötet werden, wenn sie über Klimathemen berichten“, sagt RSF-Geschäftsführer Christian Mihr. „Ohne Pressefreiheit kann es keine wirklichen Klimaschutz geben.“

Die Auswirkungen des Klimawandels werden immer deutlicher, Umweltschäden erregen großes öffentliches Interesse, zugleich nimmt die Desinformation zu. Doch weltweit stoßen investigative Reporter*innen bei der Aufarbeitung dieser Themen auf Hindernisse.

1. Sperrgebiete

Abgesperrte Standorte, überwachte Gebiete und abgelegene Orte erschweren die freie Berichterstattung. Im Westen Ghanas beispielsweise wurden die Journalist*innen Akwasi Agyei Annim von Channel One TV und Citi FM, Henry Fynn Emil von Angel TV sowie Jacob Adu-Baah von ABC News im Februar 2025 bedroht, angegriffen und daran gehindert, die illegale Ausbeutung von Ackerland durch Bergleute zu filmen.

Fast zwei Drittel der weltweiten natürlichen Ressourcen werden in Ländern abgebaut, in denen die Pressefreiheit stark eingeschränkt ist. In Staaten wie Saudi-Arabien und China sind Abbaugebiete für Medien aufgrund der Zensur praktisch tabu. An anderen Orten herrschen bewaffnete Konflikte. Das erschwert etwa die Berichterstattung über Umweltvergehen in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und mehreren Ländern der Sahel-Region.

2. Eingeschränkte Informationen

In den USA ließ Donald Trump Anfang 2025 Tausende von Webseiten der Umweltschutzbehörde und anderen Bundesbehörden entfernen. Daten zu löschen, die dem öffentlichen Interesse dienen, untergräbt das Recht auf Information für Journalist*innen und Bürger*innen gleichermaßen.

3. Bedrohte Quellen

Der Umweltjournalismus ist auf die Zuarbeit von Quellen angewiesen, die sich damit teils erheblichen Risiken aussetzen. In Kambodscha wurden Ende 2024 kambodschanische Aktivist*innen, die in einem Bericht des französischen Fernsehsenders France 24 zu sehen waren, verhaftet. Sie kamen später unter der Bedingung frei, dass sie jeglichen Kontakt zu ausländischen Medien einstellen. Der britische Umweltjournalist Gerald Flynn, der ebenfalls in der Dokumentation zu sehen war, steht seit November 2024 auf einer schwarzen Liste. Die Rückkehr nach Kambodscha ist ihm damit praktisch verwehrt.

4. Cyber-Belästigung

Im Juni 2025 wurde die ukrainische freie Journalistin Olena Mudra Ziel einer Online-Verleumdungskampagne, nachdem sie mehrere Recherchen zu einem umstrittenen Windparkprojekt im ukrainischen Teil der Karpaten veröffentlicht hatte. Im Internet kursierten manipulierte Bilder, die sie in einer russischen Militäruniform zeigten, begleitet von Vorwürfen, sie arbeite im Auftrag Moskaus.

5. Redaktionen unter Beschuss

Auch die Medien selbst bleiben nicht verschont. Am 5. Januar 2026 steckten etwa 50 Austernzüchter das Tor zum Gebäude der französischen Tageszeitung Midi Libre in Saint-Jean-de-Védas in Südfrankreich in Brand, nachdem die Zeitung über ein Verkaufsverbot für Austern aus der Lagune von Thau berichtet hatte. 

6. Rechtliche Schikanen

SLAPPs (Strategic Lawsuits Against Public Participation) sind missbräuchliche Gerichtsverfahren, die Medienschaffende einschüchtern, ihre finanziellen Ressourcen austrocknen und letztlich Recherchen verhindern sollen. Sie werden zunehmend auch gegen Journalist*innen eingesetzt, die über Umweltthemen berichten. In Frankreich etwa verklagte eine hochrangige Person aus der mächtigen bretonischen Schweinefleisch-Lobby das investigative Medium Splann! nach einer im Mai 2024 veröffentlichten Recherche. 

7. Körperliche Gewalt bei Protesten

Als Journalist*in öffentlich erkennbar zu sein, bietet keinen Schutz mehr. Ende März 2025 wurde der indische Journalist Sumit Jha von der Polizei festgenommen, während er über Demonstrationen gegen die Rodung von Waldflächen auf dem Campus einer Universität berichtete.

8. Inhaftierung

In vielen Ländern kann die Berichterstattung über Umweltthemen direkt ins Gefängnis führen. In Myanmar wurde die Dokumentarfilmerin und Journalistin Shin Daewe, bekannt für ihre Arbeit zu Umweltthemen und den Folgen des Bürgerkriegs, im Oktober 2023 während der Arbeit an einem Dokumentarfilm festgenommen

9. Morddrohungen und Mord

Am 5. Juni 2022 wurden der britische Journalist Dom Phillips und Bruno Pereira, ein brasilianischer Experte für indigene Angelegenheiten, im brasilianischen Amazonasgebiet getötet. Den neun Angeklagten wurde noch immer kein Prozess gemacht. In der Türkei starb der Umweltjournalist Hakan Tosun am 13. Oktober 2025 in Istanbul, drei Tage nachdem er Opfer eines brutalen Übergriffs geworden war. Er war bekannt für seine Dokumentarfilme zu Umweltthemen, Stadtplanungspolitik sowie soziale Bewegungen und hatte mehrere Jahre lang zu Konflikten um die Nutzung von Landflächen recherchiert. In Mosambik überlebte Carlitos Cadangue, ein Journalist des privaten Fernsehsenders STV, am 4. Februar 2026 ein Attentat. In den Monaten zuvor hatte er illegale Bergbauaktivitäten dokumentiert und die mutmaßliche Verwicklung zahlreicher Akteure in Schmuggelnetzwerke aufgedeckt.

10. Gefährdung durch Umweltrisiken

Über Umweltthemen zu berichten, bedeutet auch, den Folgen des Klimawandels direkt ausgesetzt zu sein. Wirbelstürme, Überschwemmungen oder Waldbrände bringen Journalist*innen in Gefahr und schwächen lokale Redaktionen. In Brasilien etwa trafen die Überschwemmungen, die im Frühjahr 2024 den Bundesstaat Rio Grande do Sul verwüsteten, die regionalen Medien hart. Nach RSF-Informationen verfügten mehr als 70 Prozent der im Bundesstaat ansässigen Medienunternehmen über keinen Notfallplan.

Um Medienschaffenden dabei zu helfen, sich besser auf solche Risiken vorzubereiten und auf sie zu reagieren, hat RSF einen Leitfaden zur Berichterstattung über die Klimakrise veröffentlicht.