Der schwedisch-eritreische Journalist Dawit Isaak und seine drei eritreischen Kollegen Temesgen Ghebreyesus, Seyoum Tsehaye und Amanuel Asrat sind die weltweit am längsten ohne Prozess inhaftierten Medienschaffenden. Heute vor genau 25 Jahren, am 23. September 2001, wurden sie festgenommen. Seitdem sitzen sie in Isolationshaft. Zu diesem Jahrestag rufen Reporter ohne Grenzen (RSF) und mehr als 100 namhafte Journalist*innen aus der ganzen Welt die internationale Gemeinschaft dazu auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Freilassung der Journalisten zu erreichen.
„Wir werden die Hoffnung nicht aufgeben, dass Dawit Isaak und seine Kollegen eines Tages freikommen“, sagt Christopher Resch, Pressereferent für Afrika bei RSF. „Es gab keine Anklage, kein Gerichtsverfahren, keine Besuche von Diplomat*innen oder der Familie. Es ist unklar, ob ihm jemals überhaupt mitgeteilt wurde, was ihm vorgeworfen wird. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit.“
Keine gesicherten Informationen zu Gesundheitszustand und Aufenthaltsort
Dawit Isaak, Temesgen Ghebreyesus, Seyoum Tsehaye und Amanuel Asrat wurden im September 2001 während einer Repressionswelle der Behörden gegen kritische Stimmen in der eritreischen Hauptstadt Asmara festgenommen. Dawit Isaak, Mitbegründer und Miteigentümer der Zeitung Setit, hatte in mehreren Artikeln zu demokratischen Reformen aufgerufen.
Wie Isaak wurden auch seine drei Kollegen nie angeklagt oder vor Gericht gestellt. Seit über 20 Jahren gibt es keine gesicherten Informationen darüber, wo sie festgehalten werden oder in welchem Gesundheitszustand sie sich befinden. Als der schwedische Fernsehsender TV4 den eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki 2009 nach Isaaks Situation fragte, antwortete dieser nur: „Es ist mir egal, wo er ist oder was er macht. Er hat einen großen Fehler begangen.“
Im Dezember 2025 erklärte die schwedische Außenministerin Maria Malmer Stenergard nach dem ersten Besuch der schwedischen Regierung in Eritrea seit mehr als 30 Jahren gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass der Journalist nach „Einschätzung“ des Außenministeriums am Leben sei.
Internationale Mobilisierung für die Freilassung der Journalisten
2016 forderte die Afrikanische Kommission der Menschenrechte und der Rechte der Völker die eritreischen Behörden auf, die Journalisten freizulassen oder einen zügigen und fairen Prozess durchzuführen sowie ihnen Entschädigung zu zahlen.
2022 wandte sich eine Koalition aus Anwält*innen sowie Organisationen, darunter RSF, auf Initiative des Raoul-Wallenberg-Zentrums für Menschenrechte an die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für willkürliche Inhaftierungen. Im März 2023 kamen die Expert*innen zu dem Schluss, dass die anhaltende Inhaftierung von Dawit Isaak gegen 19 Artikel des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte sowie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verstößt, zu deren Einhaltung sich die eritreische Regierung verpflichtet hat. Sie forderten die eritreischen Behörden auf, „Herrn Isaak unverzüglich und bedingungslos freizulassen und ihm ein einklagbares Recht auf Entschädigung und andere Wiedergutmachungen gemäß dem Völkerrecht zu gewähren.“
Im September 2024 reichte die schwedische Sektion von RSF bei der schwedischen Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige gegen Präsident Isaias Afewerki und weitere hohe eritreische Funktionäre wegen Taten ein, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen könnten. Zur Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens kam es jedoch nie. Bereits zehn Jahre zuvor hatte die Organisation eine Strafanzeige eingereicht. Die schwedische Justiz hatte damals die Aufnahme von Ermittlungen angekündigt, sich jedoch wenige Wochen später wieder zurückgezogen. Die Begründung: Eine Untersuchung sei angesichts der vorhersehbaren Verweigerungshaltung der eritreischen Justiz „zwecklos“.
RSF macht Isaaks Texte in der Uncensored Library zugänglich
Im Jahr 2021 hat RSF in der Uncensored Library einen eigenen Raum für Dawit Isaak eröffnet. Dort sind auch seine Texte zugänglich. RSF hat die Uncensored Library zum Welttag gegen Internetzensur am 12. März 2020 ins Leben gerufen. In einer in das Computerspiel Minecraft eingebetteten digitalen Bibliothek können Nutzer*innen Texte auf Englisch und in der Muttersprache der Autor*innen lesen, die in den jeweiligen Herkunftsländern gesperrt oder zensiert wurden.
Eritrea belegt auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen den letzten Platz – Rang 180. Die Rangliste gibt es seit 2002; Eritrea hat bis heute am häufigsten den letzten Platz belegt, noch vor Nordkorea.
Seit einem Vierteljahrhundert in Haft: RSF-Video zu Dawit Isaaks Schicksal
- Schweden / Eritrea
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