Die belarusischen Behörden fahnden derzeit nach vier Journalistinnen der Deutschen Welle (DW). Sogar im Nachbarland Russland werden die vier Frauen von den Behörden offiziell gesucht. Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt die Fahndung und sieht darin einen weiteren Versuch des Regimes von Alexander Lukaschenko, unabhängige Berichterstattung zu kriminalisieren und Medienschaffende über die eigenen Landesgrenzen hinaus einzuschüchtern.
„Wer noch einen Beweis dafür sucht, dass autoritäre Regierungen auch gemeinsam unabhängige Medien angreifen, findet ihn aktuell in Belarus: Dortige Behörden gehen aktuell gemeinsam mit Russland gegen vier Journalistinnen der Deutschen Welle vor“, sagt Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen (RSF). „Journalistische Arbeit wird hier als Straftat behandelt, das schüchtert nicht nur Betroffene ein, sondern auch ihre Quellen und ihr Publikum. Wir fordern die belarusischen Behörden auf, die Fahndung und sämtliche politisch motivierten Verfahren inklusive der transnationalen Repression gegen die vier Journalistinnen einzustellen.“
Die Fahndung gegen die vier Journalistinnen Olga Kapustina, Alexandra Boguslawskaja, Ulyana Babayed und Katsiaryna Kryshanouskaja steht offenbar im Zusammenhang mit Strafverfahren nach Artikel 361 des belarusischen Strafgesetzbuches. Dieses betrifft die mutmaßliche Beteiligung an Organisationen, die von den Behörden als „extremistisch“ eingestuft werden. Mit einem ähnlichen Vorwurf wird auch in Russland nach ihnen gefahndet.
Die Einstufung des Senders DW Belarus war schon im April 2024 erfolgt, wodurch sämtliche Aktivitäten des Senders im Land verboten wurden. Die Behörden werfen dem Medium vor, die nationale Souveränität und öffentliche Sicherheit zu gefährden und staatliche Amtsträger zu diskreditieren. Die Einstufung hatte schon damals weitreichende Folgen: Bereits die Zusammenarbeit mit DW oder die Weitergabe von Informationen an ihre Redaktion sei dadurch strafbar.
Systematische Verfolgung unabhängiger Medien
Seit den Massenprotesten gegen die umstrittene Präsidentschaftswahl im August 2020 gehen die belarusischen Behörden systematisch gegen unabhängige Medien vor. Zahlreiche Redaktionen wurden geschlossen, ihre Internetseiten gesperrt und Journalist*innen inhaftiert oder ins Exil gezwungen. Mehr als 60 Medien wurden nach Recherchen von RSF inzwischen als „extremistisch“ eingestuft. Die Behörden nutzen entsprechende Gesetze, um unabhängige Berichterstattung und selbst die Zusammenarbeit mit Medien strafrechtlich zu verfolgen.
Auch die Freilassung einzelner politischer Gefangener bedeutet keine grundlegende Verbesserung der Lage. Erst im September 2026 kamen vier Medienschaffende aus belarusischer Haft frei, wurden jedoch unmittelbar nach Litauen abgeschoben. Nach RSF-Informationen sind weiterhin 18 Medienschaffende in Belarus inhaftiert.
Die Fahndung nach den vier DW-Journalistinnen verdeutlicht zudem die grenzüberschreitende Dimension der Repression. Belarus und Russland nutzen die Einstufung unabhängiger Medien als „extremistisch“, um journalistische Arbeit zu kriminalisieren. Damit sind selbst Medienschaffende, die ihre Heimat verlassen haben, weiterhin von Strafverfolgung und Einschüchterung bedroht. Für diese Art der Bedrohung hat sich der Begriff transnationale Repression (TNR) etabliert.
