China 07.01.2013

Einbruch bei Spiegel-Korrespondent in China

Bernhard Zand mit Li Yuanlong © Zand

Nach dem Einbruch beim China-Korrespondenten des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, Bernhard Zand, fordert Reporter ohne Grenzen Außenminister Guido Westerwelle auf, sich für die Aufklärung des Falls einzusetzen. Unbekannte hatten Ende Dezember einen Computer des Journalisten zerstört und Dateien und Fotos gelöscht. „Westerwelle muss sich dafür einsetzen, dass Auslandskorrespondenten in China frei und ungehindert arbeiten können“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr in Berlin.

Der langjährige Spiegel-Redakteur Bernhard Zand und seine chinesische Mitarbeiterin Wu Dandan hatten in der südwestchinesischen Provinz Guizhou über das Schicksal von fünf obdachlosen Kindern recherchiert, die Mitte November tot in einem Müllcontainer gefunden worden waren. Die Jungen starben an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung, als sie versuchten, in dem Container ein Feuer gegen die Kälte anzuzünden. Der international beachtete Fall löste heftige Kritik an den Behörden aus, die sich nicht um das Schicksal der Kinder gekümmert hätten.

Zand und Dandan war es in Guizhou gelungen, Kontakt mit dem Journalisten Li Yuanlong aufzunehmen, der als erster über den Fall berichtet hatte und sich trotz massiven Drucks der Behörden weigerte, seine Berichte aus dem Internet zu entfernen (http://bit.ly/Uf2nbz).

Bei ihren Recherchen wurden die Spiegel-Journalisten nach eigenen Angaben tagelang durch Sicherheitsdienste behindert. Ihre Bewegungen seien gefilmt und Interviewpartner eingeschüchtert worden. Am 29. Dezember drangen Unbekannte in ihre Hotelzimmer ein. Sie zerstörten Zands Tablet-Computer und löschten Fotos von einer Speicherkarte sowie Daten von den Laptops der beiden Journalisten. Zands Mobiltelefon wurde unter Wasser gesetzt.

Nach dem Vorfall habe die Hotelleitung ihnen dringend geraten, die Provinz zu verlassen und auf eine Anzeige zu verzichten, berichtete Zand. Aufnahmen der Überwachungskameras im Hotel lägen nach Darstellung der Polizei für den fraglichen Zeitraum nicht vor.

„Die chinesischen Behörden versuchen systematisch, Journalisten einzuschüchtern und zensieren kritische Berichte über das Land“, kritisierte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Chinesische Kollegen stehen dabei oft noch weitaus stärker unter Druck als ausländische Kollegen.“ Rund 30 Journalisten und 70 Blogger sitzen dort zurzeit in Haft.

Reporter ohne Grenzen zählt den chinesischen Präsidenten Hu Jintao zu den größten Feinden der Pressefreiheit weltweit. Auf der  ROG-Rangliste der Pressefreiheit steht China auf Platz 174 von 179 - schlimmer ist die Situation nur noch in Iran und Syrien sowie bei den drei langjährigen Schlusslichtern Turkmenistan, Nordkorea und Eritrea.

ROG-Online-Dossier zur Lage der Presse in China.

Brief der deutschen Auslandskorrespondenten an Bundeskanzlerin Angela Merkel (August 2012).

Aktuelle Informationen in englischer Sprache finden Sie hier.


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