Palästinensische Gebiete 28.08.2006

„Fox News“-Journalisten frei / „Reuters“-Journalist schwer verletzt

Steve Centanni
Steve Centanni

Reporter ohne Grenzen ist erleichtert über die gestrige Freilassung der beiden „Fox News“ Journalisten Steve Centanni und Olaf Wiig in Gaza Stadt nach beinahe zwei Wochen Gefangenschaft. Gleichzeitig verurteilte die Organisation einen israelischen Raketenangriff auf ein klar gekennzeichnetes Presse-Fahrzeug der Nachrichtenagentur Reuters in Gaza, bei dem ein Journalist schwer verletzt wurde.

„Die Freilassung der beiden Mitarbeiter des US-Senders ist eine sehr gute Nachricht, aber die palästinensische Autonomiebehörde muss konkrete Maßnahmen ergreifen, um Medienleute besser zu schützen“, kommentierte Reporter ohne Grenzen. „Und das israelische Militär muss gründlich untersuchen, wie es zu dem Beschuss des Reuters-Wagens kam und wer für diesen groben Fehler verantwortlich ist. Das war nicht das erste „Versehen“ dieser Art.“

Centanni und Wiig waren am 14. August in Gaza Stadt von der bis dahin unbekannten Gruppe „Heilige Dschihad-Brigaden“ entführt worden. Kurz vor der gestrigen Freilassung veröffentlichte die Gruppe ein Video, in dem ihre Geiseln sagten, sie seien zum Islam konvertiert. Wieder in Freiheit, sagten die beiden Journalisten aus, sie hätten diese Aussagen mit vorgehaltener Waffe gemacht.

In den vergangenen zwölf Monaten sind zehn Journalisten sind auf palästinensischem Territorium entführt worden. „Geiselnahmen werden immer häufiger in Gaza und die Entführten werden für immer längere Zeiträume festgehalten“, so Reporter ohne Grenzen. „Wir erwarten von den palästinensischen Behörden, dass sie das Problem ernsthaft angehen, bevor eine dieser Entführungen tragisch endet.“

Als die israelische Luftwaffe gestern morgen zwei Raketen auf das gepanzerte Reuters-Fahrzeug abfeuerte, wurde der palästinensische Webseiten-Reporter Sabbah Hmaida am Bein verletzt und Reuters-Kameramann Fadal Shana verlor für kurze Zeit das Bewusstsein. Das Auto folgte der israelischen Armee bei einem Vorstoß in den Gaza-Streifen. Reuters gab bekannt, dass man durch eine Kennzeichnung am Autodach und an den Seiten klar erkannt hätte, dass es sich um ein Pressefahrzeug handelte.

Das israelische Militär sagte einer anderen Nachrichtenagentur, die Journalisten seien nicht absichtlich getroffen worden, aber sie hätten während dieser Operation nicht vor Ort sein sollen. „Die Autos waren nicht gekennzeichnet, zumindest haben keine Kennzeichnung gesehen“, fügte eine israelischer Militärsprecher hinzu.

Am 26. Juli hatte ein israelischer Panzer Ibrahim Atla, Journalist des öffentlichen palästinensischen Fernsehens, schwer verletzt.

 

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24.08.2006

Entführer der „Fox“-Journalisten melden sich

Die bisher unbekannte Gruppe „Heilige Dschihad-Brigaden“ hat gestern die Verantwortung für die Entführung der beiden „Fox News“-Journalisten Steve Centanni und Olaf Wiig übernommen. Sie zeigte ein Video der Gefangenen und forderte von den USA die Freilassung „muslimischer Gefangener“ innerhalb von 72 Stunden.

„Die Situation der Entführten hat sich geändert, seit sich eine unbekannte Gruppe mit völlig unrealistischen Forderungen gemeldet hat“, kommentierte Reporter ohne Grenzen (ROG). „Das ähnelt den Methoden, die bei den in Bagdad entführten Journalisten angewandt werden. Wir sind jetzt in einer Situation wie im Irak und wir brauchen eine massive Kampagne für ihre Freilassung.“

Zehn Journalisten wurden innerhalb der letzten zwei Jahre auf palästinensischem Territorium entführt, aber alle kamen innerhalb von wenigen Stunden frei. Das ist das erste Mal, dass eine Entführung so lange dauert und dass eine Forderung gestellt wird.

ROG macht die palästinensischen Behörden seit über einem Jahr regelmäßig die auf die wachsende Gefahr für einheimische und ausländische Journalisten im Gaza Streifen aufmerksam. „Jetzt ist es ihre Pflicht, alles in ihrer Macht stehende zu tun, damit die beiden Journalisten rasch freikommen“, so Reporter ohne Grenzen.

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22.8.2006

Sorge um entführte „Fox News“ Journalisten wächst

Reporter ohne Grenzen (ROG) fordert erneut die Freilassung der beiden „Fox News“-Journalisten Steve Centanni und Olaf Wiig, die am 14. August in Gaza Stadt entführt worden waren. Die Organisation zeigte sich beunruhigt, dass trotz der vielen Aufrufe, den Reporter und den Kameramann freizulassen, bisher noch keine Gruppe die Verantwortung für die Entführung übernommen hat.

Rund 30 palästinensische Journalisten demonstrierten am 19. August für die Freilassung ihrer beiden Kollegen. Auf den Bannern war unter anderem zu lesen: „Nein zur Entführung von Journalisten. Ja zur Pressefreiheit.“ Der palästinensische Premierminister Ismail Hanija sagte, die Freilassung von Centanni und Wiig habe für seine Regierung Priorität.

In einem von dem Nachrichtensender Al-Jazeera gestern ausgestrahlten Video appellierte Centannis Bruder an die Kidnapper, sich zu bekennen und mitzuteilen, ob die Entführten noch lebten und gesund seien. Er sagte auch, dass sein Bruder in Freiheit für die palästinensische Sache nützlicher sei, als in Gefangenschaft.

Schon häufiger wurden ausländische Journalisten auf palästinensischem Territorium entführt, kamen aber meistens rasch wieder frei. Führende bewaffnete palästinensische Gruppen sind nach eigenen Angaben nicht an der Verschleppung von Centanni und Wiig beteiligt.

Steve Centanni, ein US-Bürger und Olaf Wiig, ein Neuseeländer, wurden am 14. August aus ihrem Auto heraus entführt, nur wenige Meter entfernt vom Hauptsitz der palästinensischen Sicherheitsbehörden im Zentrum von Gaza-Stadt. Sie arbeiten beide für den US-Sender „Fox News“.


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Katrin Evers
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