Bangladesch 14.10.2020

Mord an Zeitungsreporter aufklären

Medienschaffende protestieren mit Schildern auf denen "Stop attacks on journalists" steht
© picture alliance / NurPhoto / Rehman Asad

Reporter ohne Grenzen (RSF) ist schockiert über den Mord an dem bangladeschischen Zeitungsreporter Iliyas Hossain und fordert eine unabhängige Untersuchung des Falls. Der Journalist hatte über die kriminellen Machenschaften der lokalen Mafia in einem Industriegebiet südlich der Hauptstadt Dhaka berichtet. Seit Beginn des Jahres wurden mindestens 16 Medienschaffende in Bangladesch Opfer schwerer Gewaltverbrechen. 

„Die Staatsanwaltschaft muss eine sofortige Untersuchung anordnen, damit der brutale Mord an Iliyas Hossain nicht ungestraft bleibt“, sagte RSF-Geschäftsführer Christian Mihr. „Angesichts der extrem gefährlichen Arbeitsbedingungen für Medienschaffende in Bangladesch sollte die Regierung von Premierministerin Sheikh Hasina einen wirksamen Schutzmechanismus für Journalistinnen und Journalisten schaffen.“

Passanten fanden Hossain am Sonntagabend in einer Blutlache liegend im Distrikt Narayanganj südlich von Dhaka. Er wurde in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht, wo ihn die Ärztinnen und Ärzte knapp eine Stunde später für tot erklärten.

Seine Familie glaubt, dass Hossain als Vergeltung für seine Berichterstattung ermordet wurde. Für die Tageszeitung Dainik Bijoy hatte der Reporter mehre Artikel über die kriminellen Machenschaffen der lokalen Mafia unter anderem im Drogenhandel geschrieben. Zwei ihrer Mitglieder, die Brüder Minnat und Mishir Ali, waren nach Hossains Recherchen verhaftet worden und kamen erst kürzlich gegen Kaution frei.

RSF ist besorgt über die Gewalt gegen Medienschaffende in Bangladesch. Seit Beginn des Jahres wurden mindestens 16 Journalistinnen und Journalisten im Land Opfer schwerer Gewaltverbrechen. Anfang Juli überlebte der Zeitungsreporter Shariful Alam Chowdhury nur knapp einen Angriff mit Eisenstangen und Macheten. Er hatte zuvor über angebliche Korruption und Vetternwirschaft im Umfeld eines Lokalpolitikers berichtet. Im Frühjahr wurden zudem Medienschaffende, die über die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Land berichteten, wiederholt brutal angegriffen, willkürlich festgenommen oder wegen vermeintlich falscher oder diffamierender Berichte angeklagt.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht Bangladesch auf Platz 151 von 180 Staaten.



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