ROG empört über Schmutzkampagne gegen investigative Journalistin | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
Aserbaidschan 15.03.2012

ROG empört über Schmutzkampagne gegen investigative Journalistin

© RSF

Reporter ohne Grenzen (ROG) ist empört über die Schmutzkampagne gegen die investigative Reporterin Khadija Ismayilova in Aserbaidschan. „Ismayilova ist eine der besten und mutigsten Journalistinnen des Landes“, so die Organisation. „Es ist nicht das erste Mal, dass man sie bedroht und zum Schweigen bringen will.“ Die Journalistin berichtet über Korruption, Machtmissbrauch und Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land.

Ismayilova arbeitet für mehrere Zeitungen und Rundfunksender, unter anderem für den Auslandssender Radio Free Europe / Radio Liberty. Außerdem koordiniert sie ein Projekt zur Beobachtung von organisierter Kriminalität und Korruption in Aserbaidschan (OCCRP). Sie hat mehrere Artikel über lukrative Auslandsgeschäfte der Präsidentenfamilie und über Korruption in der Staatsspitze veröffentlicht. Im Mai wird sie für ihre journalistische Arbeit mit dem Förderpreis Freie Presse Osteuropas der ZEIT-Stiftung ausgezeichnet.

Am 8. März hatte Khadija Ismayilova einen Brief erhalten, der neben intimen Fotos von ihr die Drohung enthielt, sie „extrem bloßzustellen“, sollte sie ihre Arbeit nicht einstellen. Die Journalistin reagierte darauf mit einem offenen Brief, in dem es unter anderem heißt: „Ich werde diese Erpressungskampagne aushalten und meine Tätigkeit fortsetzen. Als Journalistin, die ihre Arbeit ernst nimmt, bleibt mir nichts anderes übrig.“

Seit gestern kursiert im Internet ein Video, das Ismayilova in intimen Situationen zeigt. Es erschien auf einer Seite, die der Oppositionswebseite Musavat.com täuschend ähnlich sieht. Sowohl der Vorsitzende der Oppositionspartei Musavat, als auch die Herausgeber der Zeitung Musavat haben jede Verbindung zu der gefälschten Internetseite abgestritten.

Die Kampagne gegen die Reporterin wurde von der staatlich gelenkten Presse Aserbaidschans aufgegriffen und unterstützt. „Mit ähnlichen Methoden sollten bereits vor einigen Jahren unabhängige investigative Journalisten mundtot gemacht werden“, so Reporter ohne Grenzen. 2005 waren der  Herausgeber der Oppositionszeitung Asadlig, Ganimat Zahid, und sein Kollege Aser Ahmedow Ziel einer Verleumdungskampagne. Fünf Jahre später richteten sich ähnliche Versuche erneut gegen Ahmedow und zwei weitere Mitarbeiter von Asadlig, Gan Turali und Natig Gulah Medoghu.

Reporter ohne Grenzen zählt den aserbaidschanischen Präsidenten Ilcham Alijew zu den Feinden der Pressefreiheit. Die Organisation ruft dazu auf, eine Petition zur Unterstützung Ismayilovas zu unterzeichnen.

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