ROG entsperrt drei zensierte Online-Medien | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
Welttag gegen Internetzensur 12.03.2019

ROG entsperrt drei zensierte Online-Medien

© RSF

Zum heutigen Welttag gegen Internetzensur hat Reporter ohne Grenzen (ROG) drei zensierte Webseiten in Saudi-Arabien, Pakistan und China wieder zugänglich gemacht. Mit der Aktion #CollateralFreedom setzt die Organisation in diesem Jahr bereits zum fünften Mal am 12. März ein Zeichen gegen die weitreichende Internetzensur in vielen Staaten weltweit. Insgesamt hat ROG seit Beginn der Aktion im Jahr 2015 für Millionen Menschen in 12 Ländern den Zugriff auf 22 Nachrichten- und Menschenrechtsportale wieder ermöglicht und ihnen so die Chance gegeben, sich frei zu informieren.

„In zahlreichen Ländern der Welt gibt es kein freies Internet. Unser Projekt Collateral Freedom setzt dem mehr als nur ein symbolisches Zeichen entgegen“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Durch die Aktion erhalten Gesellschaften Zugang zu unabhängigen Nachrichten und Informationen, die ihnen sonst verwehrt bleiben würden. Realisiert werden kann das Projekt nur mit der Hilfe von Hackern, die sich der Pressefreiheit verschrieben haben. Diese Zusammenarbeit von Web-Entwicklern und Menschenrechtsaktivisten zeigt, dass Solidarität das beste Mittel gegen Online-Zensur ist.“

Um die zensierten Informationen zugänglich zu machen, „spiegelt“ ROG die gesperrten Seiten und legt exakte, ständig aktualisierte Kopien auf den Cloud-Servern großer Anbieter wie Amazon, Fastly oder OVH an. Eine Regierung könnte die gespiegelten Seiten praktisch nur sperren, indem sie den gesamten jeweiligen Cloud-Server blockiert. Damit träfe sie zugleich Tausende Unternehmen, die auf Dienste derselben Anbieter angewiesen sind. Einen so großen wirtschaftlichen und politischen „Kollateralschaden“ ihrer Internetzensur dürften Regierungen in der Regel scheuen. Seit 2015 haben die von ROG gespiegelten Seiten 142 Millionen Besuche verzeichnet.

Menschen in Saudi-Arabien über Menschenrechtsverletzungen informieren

Eine der drei neu gespiegelten Seiten ist ALQST (Advocating for Human Rights), die Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien dokumentiert und sich sowohl an Leserinnen und Leser in Saudi-Arabien als auch an ein internationales Publikum richtet. „Die saudischen Behörden versuchen uns systematisch zum Schweigen zu bringen, nicht nur indem sie unsere Seite sperren“, sagte der Gründer von ALQST, Yahya Assiri. Der Journalist lebt im Exil in London. Wie andere saudische Dissidenten war er bereits Opfer von Hackerangriffen, die zum Ziel hatten, ihn über sein Telefon auszuspionieren.

„Wir versuchen die Zensur auch dadurch zu umgehen, dass wir unsere Informationen anderen Online-Plattformen zur Verfügung stellen“, sagte Assiri weiter. „Aber das Spiegeln der Seite ist die ideale Lösung, um möglichst viele Menschen über die Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien zu informieren.“ Saudi-Arabien liegt auf der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 169 von 180 Staaten.

„Pakistaner informieren, die hungrig nach der Wahrheit sind“

Die zweite gespiegelte Seite ist Safenewsrooms.org, gegründet von dem pakistanischen Journalisten Taha Siddiqui. Er lebt im Exil in Paris und wurde 2014 mit dem Albert-Londres-Preis, dem wichtigsten Journalistenpreis Frankreichs, ausgezeichnet. Siddiquis Seite dokumentiert Medienzensur in Asien, vor allem in Pakistan. In dem Land, das auf der Rangliste der Pressefreiheit Platz 139 belegt, werden jedes Jahr Journalisten ermordet. Die Seite Safenewsrooms.org wurde bereits wenige Wochen nach ihrem Start im Mai 2018 in Pakistan gesperrt.

„Die Behörden wollen nicht, dass die Nutzer die ehrlichen, unabhängigen Informationen auf unserer Seite lesen“, sagte Siddiqui. „Die Seite wurde ohne jeden Grund gesperrt. Dank dieser Aktion können wir nun wieder die Pakistaner informieren, die hungrig nach der Wahrheit sind. Dass es davon viele gibt, zeigen die hohen Nutzerzahlen, die unsere Seite bis zu ihrer Sperrung hatte.“

Die dritte Seite, China Digital Times, bietet unzensierte Nachrichten und Informationen über China in englischer und chinesischer Sprache. Die Seite hat ihren Sitz in Kalifornien und wird unterstützt vom Counter-Power Lab, einer interdisziplinären Einrichtung der Universität von Kalifornien in Berkeley, die an Technologien zur Unterstützung des freien Informationsflusses im Internet arbeitet. Die China Digital Times veröffentlicht regelmäßig geleakte Anweisungen an chinesische Medien, mit denen die Behörden des Landes deren Berichterstattung lenken. China liegt auf der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 176.

 

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