Libyen 08.04.2011

ROG verurteilt Massenausweisung von ausländischen Journalisten

© AP

Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisiert die Entscheidung der libyschen Regierung, 26 ausländische Korrespondenten des Landes zu verweisen auf das Schärfste. Die Behörden gaben die geplante Ausweisung am 6. April bekannt. Am darauffolgenden Tag setzte die Regierung den Journalisten für die Ausreise eine Frist bis zum 9. April.

ROG fordert die libyschen Behörden auf, die Anordnung der Ausweisung umgehend zurückzunehmen sowie die willkürlichen Festnahmen und Verschleppungen internationaler Journalisten zu beenden.


Alle von einer Ausweisung betroffenen Journalisten waren zuvor auf offizielle Einladung der Regierung hin ins Land gereist. Ihre Visa wären in Kürze abgelaufen. Listen mit den Namen der betroffenen Medienmitarbeiter wurden in der Nacht vom 6. auf den 7. April in die Lobby ihrer Hotels ausgehängt. Wenn die Journalisten das Land verlassen, würden nach ROG-Informationen noch etwa 100 ausländische Reporter in Tripolis verbleiben.   

 

Darüber hinaus sind am 5. April im Osten des Landes vier ausländische Journalisten verschleppt worden. Nach Informationen von Spiegel Online ist darunter möglichweise auch eine Mitarbeiterin der Tageszeitung Die Welt. Ein Vertreter der Zeitung sagte dazu heute Mittag in Berlin. "Uns liegen Informationen vor, dass die freie US-amerikanische Journalistin Clare Gillis in Libyen von Regierungstruppen festgesetzt worden ist. Die Kollegin hat als freie Autorin unter anderem für USA Today, The Atlantic und die WELT-Gruppe geschrieben, war jedoch nicht in unserem Auftrag in Libyen unterwegs." 

Am Nachmittag bestätigte "Die Welt" die Festnahme von Clare Gillis durch Gaddafi-Truppen. Die libysche Regierung habe nun angekündigt, die vier Journalisten in Kürze freizulassen.

 
Bei den verschleppten vier Reportern soll es sich um einen südafrikanischen, einen spanischen sowie zwei US-amerikanische Journalisten handeln. Über ihren Verbleib ist derzeit nichts bekannt.


Immer noch keine Neuigkeiten hat ROG ebenfalls über den Aufenthaltsort und die Lage von Rana Akbani. Die syrische Journalistin ist seit dem 28. März verschwunden. Zu diesem Zeitpunkt war sie im Osten des Landes unterwegs. Es ist davon auszugehen, dass sie von Gaddafi-Truppen festgenommen wurde: Zwei Tage nach ihrem Verschwinden strahlte der staatliche libysche Fernsehsender Al-Libya TV ein Interview mit Akbani aus. Der Moderator der Sendung beschuldigte die Journalistin der Spionage.


Nach wie vor in Gewahrsam von Gaddafi-Truppen sind zudem drei Mitarbeiter des Fernsehsenders Al-Dschasira: Der mauritanische Reporter Ahmend Vall Ould el-Dine, der norwegische Fotograf Ammar Al-Hamdane und der britische Fotograf Kamel Atalua werden im Westen des Landes gefangen gehalten. Ein vierter, zur selben Zeit festgesetzter Journalist, der Tunesier Lotfi Messaouidi, wurde hingegen am 31. März freigelassen.

ROG fordert außerdem die Freilassung des kanadisch-tunesischen Mitarbeiters des TV-Senders Al-Alam TV Lofti Ghars. Er wurde am 16. März von Streitkräften Gaddafis festgenommen, als er von Tunesien nach Libyen einreiste.

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