Iran 11.05.2009

Roxana Saberi freigelassen

Reporter ohne Grenzen begrüßt die Entscheidung eines Teheraner Berufungsgerichts, die Haftstrafe der Journalistin Roxana Saberi auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren zu reduzieren. Roxana Saberi wurde gegen 15:15 Uhr MEZ aus dem Gefängnis entlassen.
Sie wird beschuldigt, als geheim eingestufte Informationen gesammelt und weitergegeben zu haben.

 

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Pressemitteilung vom 07.05.09

 

Reporter ohne Grenzen (ROG) ist erleichtert über die Nachricht, dass die iranisch-amerikanische Journalistin Roxana Saberi ihren Hungerstreik beendet hat. Gleichzeitig setzt sich ROG weiter für ein faires und gerechtes Berufungsverfahren ein. Ein Teheraner Revolutionsgericht hatte Saberi am 18. April wegen „Spionage für die USA“ zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.

Als Saberis Eltern ihre Tochter am 4. Mai im Teheraner Evin-Gefängnis besuchten, gab die Journalistin dem Drängen ihres Vaters nach und nahm zwei Löffel Yoghurt zu sich. Am Abend des 5. Mai bestätigte sie gegenüber ihren Eltern, dass sie ihren Hungerstreik aufgeben wolle. Saberi bedankte sich auch für die internationale Solidaritätskampagne zu Ihren Gunsten.

In Übereinstimmung mit iranischem Gesetz haben Saberis Anwälte am 5. Mai einen Antrag auf Freilassung Saberis gegen Kaution beim Richter der 28. Kammer des Teheraner Revolutionsgerichtes eingereicht. „Die iranischen Behörden sollten Roxana Saberis Rechte respektieren und dem Gesuch ihrer Anwälte nachkommen, sie noch vor dem Berufungsprozess gegen Kaution zu entlassen“, fordert ROG.

Der Sprecher der Justizbehörde, Aliresa Jamshidi, kündigte am 5. Mai an, dass die Berufungsverhandlung in der kommenden Woche unter Ausschluss der Öffentlichkeit, in Anwesenheit von Vertretern der Staatsanwaltschaft, des Informationsministeriums und der Anwaltsvereinigung stattfinden würde.

ROG kritisiert den eingeschränkten Teilnehmerkreis: „Unabhängige Beobachter müssen zu der Verhandlung zugelassen werden. Wir fordern, dass namentlich Shirin Ebadi, Friedensnobelpreisträgerin und Leiterin des „Zentrums der Verteidiger der Menschenrechte“, an der Verhandlung teilnimmt.“

Weitere Informationen:
Anja Viohl
Tel.:  030 615 85 85 


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Pressemitteilung vom 27.4.2009


Internationaler Appell für Freilassung von Roxana Saberi / Journalistin im Hungerstreik

 

35 Medienrechtsorganisationen haben einen Appell von Reporter ohne Grenzen (ROG) und dem „Committee to Protect Journalists“ (CPJ) zur Freilassung der iranisch-amerikanischen Journalistin Roxana Saberi unterzeichnet.

Die Organisationen haben den iranischen Justizminister Ajatollah Mahmud Haschemi Schahrudi in einem Brief aufgefordert, die Rechte von Saberi zu respektieren. Heute hat die deutsche Sektion von Reporter ohne Grenzen die Petition an die iranische Botschaft in Berlin weitergeleitet.

Roxana Saberi wurde am 18. April durch ein Teheraner Revolutionsgericht wegen „Spionage“ zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Der Richterspruch erfolgte nach einer eintägigen, geschlossenen Anhörung in Abwesenheit des Anwaltes der Angeklagten. Die Journalistin ist im Evin-Gefängnis im Norden von Teheran inhaftiert. Nach Angaben ihres Vaters befindet sich Saberi seit dem 21. April im Hungerstreik. Die Journalistin musste ihren 32. Geburtstag am 26. April hinter Gittern verbringen.

„Die Festnahme von Roxana Saberi und ihre Verurteilung ist ungerecht. Das Gerichtsverfahren verstößt gegen internationale, rechtliche Standards“, kritisiert ROG. „Die Entscheidung Saberis, in den Hungerstreik zu treten, ist ein Versuch, sich gegen das Unrecht zu wehren.“

Lesen Sie hier den Appell an den iranischen Justizminister Ajatollah Mahmud Haschemi Schahrudi.

Weitere Informationen: 
Anja Viohl, Reporter ohne Grenzen
Tel.: 030 615 85 85


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Pressemitteilung vom 20.4.2009

 

Acht Jahre Gefängnis für iranisch-amerikanische Journalistin


Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisiert aufs Schärfste die Verurteilung der iranisch-amerikanischen Journalistin Roxana Saberi zu acht Jahren Gefängnis. Ein Teheraner Revolutionsgericht verhängte die Strafe gegen die Fernsehjournalistin am 18. April wegen „Spionage für die USA“.


„Das Urteil ist hart und nach iranischem Strafrecht ungerecht“, kritisiert ROG. „Roxana Saberi musste sich während der einzigen Anhörung am 13. April ohne ihren Anwalt den Richtern stellen. Wir appellieren ein weiteres Mal an die Behörden, die Journalistin frei zu lassen. Ein solcher Richterspruch im Vorfeld der Präsidentschaftswahl am 18. Juni ist ein Warnsignal für alle ausländischen Journalisten, die im Iran arbeiten“, so ROG.


Nach Einschätzung von ROG ist der Fall Saberi ein weiteres Beispiel dafür, wie iranische Behörden den Spionage-Vorwurf dazu missbrauchen, Journalistinnen und Journalisten zu verhaften und die Meinungsfreiheit zu beschränken.


Die 31-jährige Saberi wurde Ende Januar in Teheran festgenommen. Am 13. April wurde der Prozess gegen sie vor einem Revolutionsgericht eröffnet. Es fand nur eine eintägige Anhörung statt. Der Anwalt der Journalistin, Abdulsamad Khorramshahi, kündigte gegenüber ROG an, gegen das Urteil in Berufung gehen zu wollen.

Am 1. März meldete das in den USA ansässige National Public Radio (NPR) die Verhaftung von Saberi. Einen Tag später, am 2. März, bestätigten iranische Behörden, dass Saberi im Evin-Gefängnis im Norden Teherans inhaftiert sei. Der Sprecher des Außenministeriums, Hassan Ghaschgahvi, sagte, dass Saberi „illegal“ im Iran gearbeitet hätte. Am 3. März gab der Sprecher der Justizbehörde, Aliresa Jamshidi, bekannt, dass die Journalistin auf Anordnung des Teheraner Revolutionsgerichtes verhaftet und ins Evin-Gefängnis überführt worden sei.

 
Saberi wurde in den Vereinigten Staaten geboren und wuchs dort auf. Die Journalistin hat einen iranischen Vater, der die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten hat. Die iranischen Behörden erkennen jedoch nicht die doppelte Staatsbürgerschaft an und betrachten Saberi als Iranerin.  Saberi lebt seit sechs Jahren im Iran, wo sie von 2002 bis 2006 als freie Mitarbeitern für Radio NPR gearbeitet hat. Sie war ebenfalls für die BBC und Fox News im Einsatz.

 
Resa Saberi, der Vater der Journalistin, sagte gegenüber ROG, dass seine Tochter seit 2006 nicht mehr für Medien gearbeitet hätte. Ohne Presseakkreditierung habe sie keinen Zugang zu Nachrichten und Informationen gehabt. „Ihre Schriften seien lediglich persönliche Notizen und Kommentare zu kulturellen und literarischen Themen, um ein mögliches Buch über den Iran zu schreiben. Seit 2006 habe sich Saberi auf ihre Studien des Farsi und der iranischen Kultur an der Teheraner Universität konzentriert.

 

Weitere Informationen:
Anja Viohl
Tel.: 030 615 85 85





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