Wenn die Wahrheit einen hohen Preis hat: Kinopremiere „Whistleblower“ und Podiumsdiskussion

Wer Missstände in Behörden, Unternehmen oder Regierungen öffentlich macht, riskiert Einschüchterung, Überwachung, Verfolgung oder sogar Gefängnis. Der neue Dokumentarfilm „Whistleblower“ begleitet Menschen in Afrika, Europa und den USA, die Korruption, Machtmissbrauch und staatliches Fehlverhalten aufgedeckt haben – und dafür einen hohen persönlichen Preis gezahlt haben. Die Premiere des Films mit anschließender Podiumsdiskussion findet am 8. Oktober in Berlin statt.
Wenn Aufklärung bestraft wird: Die Fälle Lumumba und Hale
Im Mittelpunkt des Films stehen der kongolesische Whistleblower Jean-Jacques Lumumba und der ehemalige US-Geheimdienstanalyst Daniel Hale. Lumumba deckte als Mitarbeiter einer kongolesischen Bank Korruption und Veruntreuung staatlicher Gelder auf, die bis in den Machtzirkel des damaligen Präsidenten Joseph Kabila reichten. Nachdem er unter vorgehaltener Waffe zum Schweigen aufgefordert worden war, übergab er die Dokumente an die belgische Zeitung Le Soir. Die sogenannten „Lumumba Papers“ lösten internationale Ermittlungen aus. Lumumba floh 2016 nach Frankreich – doch auch dort wurde er weiter eingeschüchtert.
Auch Daniel Hale machte Informationen öffentlich, die die US-Regierung lieber geheim gehalten hätte. Als Analyst der US-Luftwaffe und der NSA arbeitete er unter anderem an der Zielauswahl für US-Drohneneinsätze. Die von ihm weitergegebenen „Drone Papers“ offenbarten die verheerende Realität des Drohnenkriegs: Entgegen offiziellen Darstellungen wurde eine hohe Zahl ziviler Opfer in Kauf genommen. Hale wurde nach dem Espionage Act angeklagt und 2021 zu knapp vier Jahren Haft verurteilt.
Entscheidende Quellen für investigative Recherchen
Für Journalist*innen können Whistleblower*innen eine entscheidende Quelle sein. Ihre Informationen geben häufig den Anstoß für investigative Recherchen und ermöglichen es Medien, Missstände aufzudecken, die sonst verborgen blieben. Der Film begleitet deshalb auch die Investigativjournalisten Bastian Obermayer und Frederik Obermaier, die mit den „Panama Papers“ eines der größten internationalen Datenleaks öffentlich machten.
Der Film gibt auch Einblick in die Arbeit der Menschen und Organisationen, die Whistleblower unterstützen, wie Delphine Halgand-Mishra von The Signals Network sowie William Bourdon und Henri Thulliez von PPLAAF (Platform to Protect Whistleblowers in Africa).
Whistleblowing wird immer riskanter
Gleichzeitig wird der Weg zu den Medien immer riskanter: Überwachungstechnologien erschweren die sichere Kommunikation mit Journalist*innen, und das Hinweisgeberschutzgesetz schützt die Offenlegung von Missständen nur unter bestimmten Voraussetzungen. Geplante Einschränkungen beim Informationsfreiheitsgesetz könnten den Zugang von Bürger*innen und Medien zu Informationen von öffentlichem Interesse zusätzlich erschweren.
Bei der Premiere kommen deshalb verschiedene Perspektiven zusammen: die von Whistleblower*innen, Journalist*innen und Organisationen, die sich für Hinweisgeberschutz, Transparenz und Pressefreiheit einsetzen. Nach der Vorführung diskutieren der Regisseur des Films Marc Bauder, Whistleblower Jean-Jacques Lumumba, Delphine Halgand Mishra von The Signals Network und Kosmas Zittel vom Whistleblower-Netzwerk, das sich für einen besseren Schutz von Whistleblower*innen einsetzt. Dr. Louisa Schloussen von Transparency International moderiert.
Die Premiere findet in Kooperation mit Whistleblower-Netzwerk, Transparency International Deutschland und Reporter ohne Grenzen statt.
Kinopremiere „Whistleblower“ und Filmgespräch
Wann: Donnerstag, 8. Oktober 2026, 20 Uhr
Wo: Kino Passage, Karl-Marx-Straße 131, 12043 Berlin
Eintritt: 14 Euro