Seit der illegalen Militäraktion der Vereinigten Staaten in Venezuela und der Verschleppung von Machthaber Nicólas Maduro am 3. Januar haben sich die Bedingungen für Journalist*innen im Land weiter verschlechtert. Nach Jahren der Unterdrückung und strengen Informationskontrolle durch das Regime bedeutet die neue Situation vor allem eins: eine erhöht instabile Lage und unberechenbare Gefahren für Journalist*innen. Denn auch unter der Interimspräsidentin Delcy Rodríguez geht die Regierung massiv gegen Medienschaffende vor.
Nach Angaben des nationalen Journalistenverbands SNTP nahmen Sicherheitskräfte am Montag, dem 5. Januar, 14 Journalist*innen vorübergehend fest und durchsuchten ihre Ausrüstung sowie Mobiltelefone. Vier weitere Medienschaffende wurden zudem an der Grenze zu Kolumbien festgenommen: zwei aus Spanien, einer aus Mexiko und einer aus Kolumbien. Sie wurden wenige Stunden später wieder freigelassen.
„Venezolanische Journalist*innen bewegen sich auch unter der neuen Regierung in einem immer gefährlicheren Umfeld. Sie sind Einschüchterungen, Drohungen und Verfolgung ausgesetzt“, sagt Maren Pfalzgraf, RSF-Pressereferentin für Lateinamerika. „Um zu verstehen, was in Venezuela gerade geschieht und welche Folgen die Intervention der USA hat, brauchen wir verlässliche Informationen. Das geht nur, wenn die venezolanischen Behörden aufhören, die Arbeit der Medien einzuschränken. Auch ausländische Journalist*innen müssen endlich ins Land einreisen können.“
200 internationale Journalist*innen sitzen an der Grenze fest
Rund 200 internationale Journalist*innen sitzen derzeit in Cúcuta fest, einer Stadt im Nordosten Kolumbiens an der Grenze zu Venezuela. Selbst Journalist*innen mit gültiger Arbeitserlaubnis können die Grenze nicht überqueren, da die Einreise weitgehend vom Ermessen einzelner Militärkräfte abhängt. Viele derjenigen, denen die Einreise gelingt, werden anschließend wieder abgeschoben.
Gleichzeitig gibt die venezolanische Regierung praktisch keine offiziellen Informationen heraus. Die wenigen unabhängigen Medien im Land sind durch jahrelangen politischen Druck und wirtschaftliche Not stark geschwächt. Die Regierung von Nicolás Maduro hat das Land bewusst isoliert, indem sie einheimische Journalist*innen brutal unterdrückt und ausländische Medienschaffende des Landes verwiesen oder ihnen den Zugang verwehrt hat.
In Venezuela operieren zudem zahlreiche bewaffnete Gruppen, darunter kriminelle Organisationen sowie regierungsnahe paramilitärische Einheiten, die sogenannten Colectivos. Die Bedrohungen gehen also nicht nur von staatlichen Behörden aus, sondern von mehreren Akteuren, was die Arbeit für Journalist*innen erheblich unsicherer macht. Viele Medien sind bereits ins Exil geflohen. Die verbliebenen Journalist*innen leben in ständiger Angst und Gefahr.
Sechs Journalist*innen in Haft
In Venezuela sitzen aktuell sechs Journalist*innen im Gefängnis: Luis López wurde im Juni 2024 festgenommen. Er arbeitete für die Zeitung La Verdad de Vargas. Im Januar 2025 wurden Leandro Palmar und Belices Salvador Cubillán wegen angeblichem Terrorismus in Haft gesteckt. Drei Monate später verhafteten Beamte die Reporterin Nakary Mena Ramos und den Kameramann Gianni González. Nakary Mena Ramos ist die einzige weibliche Journalistin, die derzeit in Venezuela im Gefängnis sitzt. Sie hatte kurz vor ihrer Festnahme über Raubüberfälle in Caracas berichtet. Auch der Journalist Rory Branker wurde wegen seiner Arbeit festgenommen. Er hatte für die Nachrichtenseite La Patilla geschrieben und ist seit Februar 2025 in Haft. Am 8. Dezember wurde er aus dem Gefängnis weggebracht, seitdem ist sein Aufenthaltsort unbekannt.
RSF beobachtet die Lage im Land besonders aufmerksam und ist an der kolumbianischen Grenze präsent.
Auf der Rangliste der Pressefreiheit 2025 steht Venezuela auf Platz 160 von 180 Ländern.
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