In China sind am 1. Februar 2026 zwei Journalisten von der Polizei festgenommen worden. Liu Hu (50) und Wu Yingjiao (34) hatten zuvor über Korruption bei lokalen Parteifunktionären berichtet. Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert die sofortige Freilassung der beiden Journalisten. Ihre Festnahme ist ein weiterer Beweis dafür, wie repressiv die chinesischen Behörden gegen unabhängigen Journalismus vorgehen.
Liu Hu und Wu Yingjiao veröffentlichten am 29. Januar 2026 einen Artikel über den Messengerdienst WeChat. Darin thematisierten sie mutmaßliche Korruption von Pu Fayou, einem Parteisekretär des Kreises Pujiang in der Provinz Sichuan. Der Beitrag wurde kurz nach Veröffentlichung von der Plattform gelöscht – trotzdem nahmen lokale Polizist*innen die beiden Journalisten am 1. Februar 2026 in Gewahrsam. Ihnen wird vorgeworfen, in ihren Texten „falsche Anschuldigungen“ erhoben zu haben, ein zweiter Vorwurf lautet auf „illegale Geschäftstätigkeit“.
„Der Fall von Wu Yingjiao und Liu Hu macht deutlich: Journalismus wird nicht bekämpft, weil er Fehler macht, sondern weil er in China Dinge tut, die eigentlich für eine Gesellschaft selbstverständlich sein müssten – Macht kontrollieren und Missstände offenlegen“, sagt Sören Kittel, Pressereferent für Asien bei Reporter ohne Grenzen. „Journalismus muss sensible Themen wie Korruption thematisieren dürfen, ohne Verfolgung durch Behörden befürchten zu müssen, wie sie unter Präsident Xi Jinping weiter zugenommen hat.“ Eine Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen zu China normalisiert gleichzeitig auch willkürlichen Umgang mit freier Presse wie im vorliegenden Fall. „Die internationale Gemeinschaft darf systematische Repression von Wahrheitsfindung nicht länger hinnehmen.“
Nach der Veröffentlichung hatte Liu Hu auf WeChat Screenshots von Nachrichten eines Mitarbeiters der Disziplinar- und Aufsichtskommission der Stadt Chengdu geteilt. In den Nachrichten wurde der Journalist mehrfach aufgefordert, sich direkt an die Behörde zu wenden und Beschwerden ausschließlich über „offizielle Kanäle“ einzureichen, statt sie öffentlich zu machen.
Wu Yingjiao ist investigativer Journalist und freier Fotograf. Laut dem unabhängigen chinesischen Nachrichtenportal Weiquanwang war er für mehrere Journalismuspreise nominiert. Wu wurde von der Polizei in der Provinz Hebei festgenommen. Liu Hu arbeitete früher als Investigativreporter für die Zeitung New Express und erlangte Bekanntheit durch Enthüllungen über Korruptionsfälle von Amtsträgern. Bereits im Jahr 2013 war er von der Pekinger Polizei festgenommen worden, nachdem ihm vorgeworfen worden war, „erfundene Gerüchte zu verbreiten“ und „Streit zu provozieren“. Nach 364 Tagen Haft wurde er gegen Kaution freigelassen.
Journalistische Arbeit ist in China gefährlich, besonders investigative Journalisten finden kaum Arbeit. Nahezu alle offiziellen Medien stehen unter staatlicher Kontrolle, ein Grund, warum unabhängige Journalist*innen auf soziale Medien wie WeChat ausweichen, das ebenfalls streng kontrolliert wird. Viele Journalist*innen auf den Plattformen nutzen Pseudonyme, trotzdem werden Nachrichten auch hier häufig gelöscht, Konten gesperrt und Reporter*innen verfolgt.
China ist derzeit das Land mit den meisten inhaftierten Journalist*innen weltweit: Mindestens 123 Medienschaffende sitzen in Haft.
Auf der RSF-Rangliste der Pressefreiheit 2025 belegt das Land Rang 178 von 180.
