China

Zhang Zhan ohne Zugang zum Anwalt – Repressionen werden weiter verschärft

Zhang Zhan ohne Zugang zum Anwalt – Repressionen werden weiter verschärft
picture alliance / ASSOCIATED PRESS
Zhang Zhan während der Pandemie in Wuhan

Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt, dass die chinesischen Behörden der Journalistin Zhang Zhan einen sicheren Zugang zu juristischem Beistand sowie zur Außenwelt verwehren. Die bekannte chinesische Bürgerjournalistin war im September 2025 auf Grundlage konstruierter Vorwürfe zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden, nachdem sie aus einer vierjährigen Haftstrafe gerade entlassen wurde. Jetzt wird Zhang Zhan das Recht abgesprochen, sich von einem Anwalt ihrer Wahl vertreten zu lassen. 

Verurteilt wurde sie am 19. September 2025 wegen „Provokation von Streit und Sabotage der gesellschaftlichen Ordnung“. Dagegen hat sie Rechtsmittel eingelegt und darf seitdem keinen Besuch mehr von ihrer Familie oder ihrem Rechtsbeistand erhalten. Mitte November war sie für kurze Zeit nicht erreichbar, weil sie ohne Ankündigung in das Frauengefängnis von Shanghai verlegt wurde. RSF macht sich zudem Sorge um ihre Gesundheit:  Zhang Zhan befindet sich weiterhin in einem teilweisen Hungerstreik und benötigt dringend angemessene medizinische Versorgung.

Anträge von Anwält*innen, Zhang Zhan zu besuchen, werden seit ihrer erneuten Verurteilung wiederholt abgelehnt. Ihre rechtlichen Vertreter empfinden das Vorgehen der lokalen Behörden als Schikane. Mehrere Diplomat*innen sowie Aktivist*innen, die zum Teil extra für die Verhandlung nach Shanghai gereist sind, wurden nicht in den Gerichtssaal eingelassen, einige wurden sogar kurzzeitig festgehalten.

„Reporter ohne Grenzen ist entsetzt darüber, mit welcher Härte chinesische Behörden versuchen, Zhang Zhan einzuschüchtern und zum Schweigen bringen“, sagt Sören Kittel, Asien-Referent von Reporter ohne Grenzen. „Zhang Zhan gilt weltweit als mutige Journalistin, die die Welt frühzeitig auf eine Pandemie aufmerksam gemacht hat, und sollte dafür ausgezeichnet werden. Stattdessen sitzt sie in Haft, sogar ihr Leben ist in Gefahr.“

Am 21. September verurteilten sowohl das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte als auch die Europäische Kommission das Urteil und forderten ihre sofortige und bedingungslose Freilassung. RSF fordert die internationale Gemeinschaft dazu auf, den Druck auf Peking weiter erhöhen, die Verfolgung von Zhang Zhan zu beenden sowie ihren Zugang zu medizinischer Versorgung und anwaltlicher Vertretung zu gewährleisten. Die Preisträgerin des RSF Press Freedom Award 2021 ist seit mehr als einem Jahr von der Außenwelt abgeschnitten. 

Zhang Zhans Verhaftung am 28. August 2024 ist bereits ihre zweite: Bereits im Mai 2020 wurde sie wegen ihrer Berichterstattung aus Wuhan während des COVID-19-Ausbruchs festgenommen. Sie hatte mehr als 100 Videos veröffentlicht, die viel zum Wissen der internationalen Gemeinschaft um die Herkunft des Virus beitrugen. Im Dezember 2020 wurde sie zu vier Jahren Haft verurteilt. Während eines Hungerstreiks aus Protest gegen ihre Behandlung wäre sie beinahe gestorben, bevor sie im Mai 2024 freikam. RSF hatte sich während ihrer ersten Haft kontinuierlich für ihre Freilassung eingesetzt und auf Misshandlungen hingewiesen.

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