Belarus

Andrzej Poczobut nach fünf Jahren Haft freigelassen!

Andrzej Poczobut nach fünf Jahren Haft freigelassen!
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Leonid Shcheglov
Der freigelassene Journalist Andrzej Poczobut.

Der belarusische Journalist Andrzej Poczobut wurde am 28. April nach mehr als fünf Jahren willkürlicher Haft freigelassen. Der 53-Jährige verbrachte insgesamt 1860 Tage in einer Strafkolonie in Belarus. Inzwischen befindet sich der Journalist in Polen, wo er an der Grenze von Ministerpräsident Donald Tusk empfangen wurde. Reporter ohne Grenzen (RSF) begrüßt die Entlassung des Journalisten, warnt jedoch eindringlich vor anhaltender Repression gegen Medienschaffende in Belarus: aktuell sitzen 21 Journalist*innen willkürlich hinter Gittern. 

„Wir sind sehr erleichtert über Andrzej Poczobuts Freilassung. Sein Gesundheitszustand, insbesondere seine Herzerkrankung, hatte sich unter den Haftbedingungen und mangelhafter medizinischer Versorgung zuletzt erheblich verschlechtert", sagt Christian Mihr, RSF-Geschäftsführer für Politik und Strategie. „Dass diese Freilassung im Rahmen eines Gefangenenaustauschs erfolgt, zeigt erneut, wie Alexander Lukaschenkos Regime politische Gefangene für diplomatische Zugeständnisse instrumentalisiert. Wir fordern die belarusischen Behörden auf, die weiterhin inhaftierten Medienschaffenden unverzüglich und bedingungslos freizulassen.“

Poczobut gehört der polnischsprachigen Minderheit in Belarus an und hat für polnische Medien geschrieben. Wegen seiner Berichterstattung wurde der Journalist jahrelang verfolgt und mehrfach verhaftet, zuletzt im März 2021. Knapp zwei Jahre später wurde er im Februar 2023 zu acht Jahren Strafkolonie wegen angeblicher „Anstiftung zum Hass“ und „Aufruf zu Handlungen, die die nationale Sicherheit gefährden“ verurteilt. Im Dezember 2025 wurde ihm gemeinsam mit der inhaftierten georgischen Journalistin Mzia Amaglobeli der Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments für seine mutige Berichterstattung verliehen. Schon an der polnisch-belarusischen Grenze soll Pozcobut gefragt haben: „Kann ich [nach Belarus] zurückkehren?“.

Die Freilassung fand im Rahmen eines Gefangenenaustauschs statt, an dem mehrere Länder beteiligt waren. Der US-Sondergesandte für Belarus, John Coale, hatte wie schon bei vorherigen Entlassungswellen mit Staatsoberhaupt Alexander Lukaschenko verhandelt. 

Die Haftbedingungen in Belarus gelten als besonders brutal und sind von Folter geprägt. Freigelassene politische Gefangene berichten immer wieder von willkürlicher Isolation, unzureichender gesundheitlicher Versorgung und Schikane durch das Gefängnispersonal.