Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert die philippinischen Behörden auf, bei einer Untersuchung der nationalen Menschenrechtskommission zum Tod des Journalisten RJ Nichole Ledesma zu kooperieren. Der 30-jährige Redakteur des Online-Mediums Paghimutad-Negros starb am 19. April in der Provinz Negros Occidental, offenbar während eines Militäreinsatzes gegen eine kommunistische bewaffnete Gruppe.
Das Militär behauptet, dass alle 19 Personen, die bei der Operation getötet wurden, einer bewaffneten Gruppe angehören. Ein Armeesprecher erklärte gegenüber RSF, Ledesma habe sich „an Gefechten beteiligt“. Kolleg*innen und das unabhängige Mediennetzwerk Altermidya widersprechen dieser Darstellung vehement. Ledesma habe sich demnach mehrere Kilometer entfernt aufgehalten und über den Ausbau von Solar- und Windenergieprojekten in einer bäuerlichen Gemeinde berichtet. In einer Stellungnahme der bewaffneten Gruppe wird er nicht als Mitglied erwähnt.
Medienvertreter*innen äußern in einem weiteren Schreiben zudem den Verdacht, dass Beweise nachträglich platziert wurden. Fotos vom Tatort werfen Fragen auf, etwa wegen ungewöhnlich sauberer Ausrüstungsgegenstände. Das Online-Portal Paghimutad-Negros ist seit Jahren das Ziel staatlicher Diffamierungskampagnen. In den Philippinen ist es seit Jahren Praxis, dass Journalist*innen als „subversiv“ oder „terroristisch“ gebrandmarkt werden.
„Schon allein, dass es zum Tod von RJ Nichole Ledesma derart widersprüchliche Darstellungen gibt, ist äußerst besorgniserregend“, sagt Sören Kittel, Pressereferent für Asien & Pazifik bei Reporter ohne Grenzen (RSF). Auf den Philippinen gibt es eine lange Geschichte von Einschüchterung und Kriminalisierung von Journalist*innen. „Gerade deshalb muss jetzt lückenlos aufgeklärt werden, ob er im Zusammenhang mit seiner journalistischen Arbeit getötet wurde. Die Behörden, gerade das Militär, müssen uneingeschränkt mit der Untersuchung kooperieren.“
Am 23. April kündigte die philippinische Menschenrechtskommission eine Untersuchung des Falls an. RSF fordert die Behörden auf, diese unabhängig und transparent zu unterstützen. Immer wieder wird dem Militär vorgeworfen, Beweise zu manipulieren, um Journalist*innen zu kriminalisieren. So sitzt die Journalistin Frenchie Mae Cumpio seit sechs Jahren in Haft, nachdem Sicherheitskräfte bei einer Razzia mutmaßlich platzierte Waffen gefunden haben. RSF vermutet, dass der Journalistin etwas angehängt werden soll.
RJ Nichole Ledesma berichtete für Paghimutad-Negros vor allem über Umweltfragen und Menschenrechtsverletzungen. In seinem letzten Artikel im März schrieb er über den Widerstand lokaler Fischer gegen Küstenprojekte, die ihre Lebensgrundlage bedrohen.
Mit mindestens 148 getöteten Journalist*innen seit der Wiederherstellung der Demokratie im Jahr 1986 gehören die Philippinen zu den gefährlichsten Ländern für Medienschaffende weltweit.
