Jemen

Journalist Mohammed Aïda nach Morddrohungen getötet

Screenshot eines Fernsehbeitrags. Ein Mann steht mit Helm und Weste mit der Aufschrift "Presse" auf einer Straße.
© RSF
Der getötete Journalist Mohammed Aïda.

Mohammed Aïda, Korrespondent der Nachrichtensender Al Arabiya und Al Hadath, wurde am 24. Juni im Osten des Jemen getötet. Unbekannte hatten einen Sprengsatz an seinem Auto angebracht, der explodierte und den Journalisten tötete. Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt diesen Mord und fordert eine transparente, unabhängige Untersuchung.

„Die Ermordung von Mohammed Aïda erinnert an die dunkelsten Zeiten der Gewalt gegen Journalist*innen im Jemen“, sagt Christopher Resch, RSF-Pressereferent für den Nahen Osten. „Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Kolleg*innen. Mohammed Aïda hat während seines gesamten Berufslebens Drohungen bekommen, besonders in den Tagen vor dem Anschlag. Dieser Mord hätte verhindert werden können.“

Mohammed Aïda, 40, hatte am Abend des 24. Juni seine Frau und seine vier Kinder nach Hause gebracht. Die Familie wohnt in Mukalla, einer Küstenstadt in der östlichen Region Hadramaut. Später fuhr er weiter zu den Büros des Senders Al Arabiya. Kurz darauf, gegen 18 Uhr, explodierte der an seinem Auto angebrachte Sprengsatz.

Aïda arbeitete sowohl für Al Arabiya als auch für Al Hadath. Beide Sender gehören zur saudischen Mediengruppe Al Arabiya. Nach Angaben seiner Kolleg*innen hatte der Journalist in den vergangenen Tagen anonyme Anrufe und Drohbotschaften erhalten. Bereits im Jahr 2015 wurde er von den Huthis in der Hauptstadt Sanaa, wo er damals lebte, entführt und mehrere Tage lang festgehalten. Die bewaffnete Gruppe hatte zu dieser Zeit die Kontrolle über die Hauptstadt übernommen.

Drei Jahre später drangen während einer Offensive der Huthis Berichten zufolge bewaffnete Kämpfer in seine Wohnung ein. Mohammed Aïda war nicht zu Hause. Anschließend stürmten die Kämpfer gewaltsam in die Wohnung eines seiner Brüder, bedrohten Frauen und Kinder mit Waffen und entführten kurzzeitig einen weiteren Bruder. 

Ein Klima systematischer Straflosigkeit

Im Jemen journalistisch tätig zu sein, ist seit langem gefährlich. Auch in den Regionen, die von der international anerkannten Regierung in Aden kontrolliert werden, grassiert die Straflosigkeit. Am 26. März 2026 wurde der Journalist Abdel Samad al-Qadi von maskierten Bewaffneten auf Motorrädern erschossen. Er war Korrespondent des Online-Nachrichtenportals Al-Sahil Al-Gharbi. Das Motiv ist bis heute unbekannt, die angekündigten Ermittlungen kommen nicht voran.

Am 9. November 2021 kam die schwangere Fotojournalistin Rascha Abdullah al-Harazi, die für El Sharq TV arbeitete, bei einem Autobombenanschlag in Aden ums Leben. Ihr Ehemann, Mahmud al-Atmi, Korrespondent des emiratischen Fernsehsenders Al Ain, wurde bei der Explosion schwer verletzt. Trotz mehrerer Festnahmen bleibt der Fall undurchsichtig. Vor Gericht gestellt wurde bis heute niemand.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht der Jemen auf Platz 164 von 180. Für Journalist*innen bleibt er damit eines der gefährlichsten Länder der Welt.