Am 2. September sprach das Strafgericht in Valletta den maltesischen Unternehmer Yorgen Fenech von sämtlichen Vorwürfen im Zusammenhang mit der Ermordung der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia frei. Reporter ohne Grenzen (RSF) ist empört darüber, dass es fast ein Jahrzehnt nach dem Verbrechen noch immer keine vollständige Gerechtigkeit gibt, und fordert die Regierung auf, Maßnahmen zum Schutz von Journalist*innen in der Region zu ergreifen.
Fast neun Jahre nach der Ermordung von Daphne Caruana Galizia durch eine in ihrem Auto platzierte Bombe befand die Jury am Strafgericht in Valletta den Geschäftsmann Yorgen Fenech nach zwei Monaten Prozess in beiden Anklagepunkten für nicht schuldig. Der Vorwurf gegen den mit der Mafia in Verbindung gebrachtem Geschäftsmann lautete: Beihilfe beziehungsweise Mittäterschaft und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung.
Acht von neun Geschworenen stimmten in beiden Punkten für einen Freispruch; für eine Verurteilung wären mindestens sechs Stimmen nötig gewesen. Der Prozess, den RSF über Jahre beobachtete, hatte am 1. Juli begonnen.
Hintergründe des Mordes
Die Journalistin wurde am 16. Oktober 2017 ermordet, als ihr Auto nahe ihrem Wohnhaus in der Ortschaft Bidnija explodierte. Laut einer Gerichtsaussage ihres Sohnes, des Journalisten Matthew Caruana Galizia, waren die letzten Tage von Daphne Caruana Galizia ihrer gemeinsamen Recherche zu mutmaßlicher Korruption beim Electrogas-Projekt gewidmet, dem Bau eines mit Erdgas betriebenen Kraftwerks.
Die Staatsanwaltschaft warf Unternehmer Yorgen Fenech, einem der wichtigsten Anteilseigner von Electrogas – mit Verbindungen zu Mafia und Politik – vor, den Mord an Daphne Caruana Galizia in Auftrag gegeben zu haben. Grundlage waren neben weiteren Beweisen vor allem die Aussagen von Melvin Theuma, der gestand, als Mittelsmann bei dem Mord gehandelt zu haben.
Fünf Männer wurden in dem Mordfall verurteilt, nachdem Theuma 2019 im Gegenzug für Informationen über das Verbrechen begnadigt worden war. Im Jahr 2022 befand das Strafgericht in Malta die Brüder Alfred und George Degiorgio für schuldig, die Bombe in Daphne Caruana Galizias Auto angebracht und gezündet zu haben. Der dritte Täter, Vincent Muscat, handelte 2021 eine reduzierte Strafe aus; seine Aussage trug zur Verurteilung von Robert Agius und Jamie Vella im Jahr 2025 bei, die den Sprengstoff geliefert hatten.
Die öffentliche Untersuchung zur Ermordung von Daphne Caruana Galizia, bei der auch RSF aussagte, kam in ihrem Bericht von 2021 zu dem Schluss, dass der Staat für das Verbrechen „Verantwortung übernehmen“ müsse. Die maltesischen Behörden haben es jedoch systematisch versäumt, die meisten Empfehlungen des Berichts umzusetzen.
Malta steht in der Rangliste der Pressefreiheit steht Malta auf Rang 67 von 180.
